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Gesundheit

Die Versicherung joggt am Arm mit

Die Techniker Krankenkasse will Fitness-Armbänder für besseren Service nutzen. Andere Versicherer gehen auf Distanz.
Von Bettina Griesbeck

Mit Fitness-Armbändern kontrollieren viele Menschen ihre tägliche Bewegung – aber sollten die sensiblen Daten auch an Dritte weitergegeben werden?
Mit Fitness-Armbändern kontrollieren viele Menschen ihre tägliche Bewegung – aber sollten die sensiblen Daten auch an Dritte weitergegeben werden? Foto: Griesbeck

Neumarkt.Sie sind bunt, sehen aus wie Digitaluhren und finden sich immer häufiger an Armgelenken: Fitness-Armbänder, auch Fitness-Tracker genannt. Eines davon trägt Michael Vogel. Er ist Angestellter des Fachgeschäfts „Sports and More“ in Neumarkt und erklärt, was damit alles möglich ist. „Als die Tracker vor zwei Jahren auf den Markt kamen, habe ich mir gleich eines besorgt.“ Die Geräte gebe es in unterschiedlichen Preisklassen. Je nach Preis, habe der Käufer mehr technische Möglichkeiten. Neben dem Puls werde die tägliche Zahl der Schritte gemessen oder die Bewegung im Schlaf. Außerdem bekomme der Nutzer Tipps, ob er beispielsweise noch eine Stunde joggen sollte. „Die Tracker sind als Motivation für einen gesünderen Lebensstil gedacht.“

Krankenkassen nehmen Abstand

Genau um die Gesundheit der Versicherten geht es der Techniker Krankenkasse, deren Chef Jens Baas aktuell dafür wirbt, dass die Daten der Fitness-Bändchen freiwillig übermittelt werden. Auf Nachfrage unserer Zeitung bei anderen Versicherungsanbietern in der Region Neumarkt zeigte man sich im Hinblick auf diesen Vorstoß eher zurückhaltend. Keine Diskussion sei das Thema gerade bei der AOK, sagt Johannes Laws-Hoffmann, Referent für Gesundheitsförderung der Krankenkasse in Nürnberg. „Die Fitness-Tracker sind zwar eine gute Motivationshilfe, aber wir wollen das Thema lieber mit Vorsicht angehen.“ Die AOK begrüße zwar, dass sich immer mehr Menschen gesundheitsbewusster verhalten wollen, aber die ärztliche Beratung sei aber nicht durch eine App oder ein Fitness-Armband zu ersetzen.

Auch die Facebook-User waren nicht begeistert

Über Fitness-Armbänder (Foto: dpa) sollen künftig die Daten der Versicherten gesammelt und von den Krankenkassen verwaltet werden, so lautet ein Vorschlag der Techniker-Krankenkasse. Was haltet ihr davon?

Posted by Neumarkter Tagblatt on Mittwoch, 10. Februar 2016

Bei der Audi Betriebskrankenkasse werde das Tracking-System derzeit nicht unterstützt, sagte Andreas Wittmann, der Leiter des Servicecenters in Neumarkt. „Auch nicht als Bonusprogramm für die Versicherten.“ Da in Sachen Datenschutz momentan noch viele Fragen ungeklärt seien, sehe man bei der Audi BKK den Vorschlag der Techniker Krankenkasse als bedenklich an. Jeder Fitness-Tracker zeichne unterschiedliche Daten auf, welche an die Krankenkasse gesendet und später an die behandelnden Ärzte weitergegeben werden.

Ähnlich bewertet der Pressereferent für Bayern der IKK Classic, Markus Neumeier, die Verwendung von Daten eines Fitness-Bändchens. „Grundsätzlich stehen wir zwar technischen Innovationen auch im Bereich unserer Versicherungsarbeit offen gegenüber, aber es wäre erst für die IKK und deren Versicherte interessant, wenn es einen gesetzlichen Rahmen für diesen speziellen Fall der Datennutzung gäbe.“

Sensible Daten besser schützen

Auf Nachfrage beim Datenschutzbeauftragten am Landratsamt Neumarkt, zog Manfred Wiesenberg den Vergleich mit den Kfz-Versicherungen. „Dort wird über ein elektronisches Fahrtenbuch diskutiert, dass den Fahrstil aufzeichnen und danach die Beiträge bemessen soll.“ Um den Vorschlag der Techniker Krankenkasse umzusetzen, bedürfe es allerdings erst neuer gesetzlicher Regelungen. „Es handelt sich um sensible Daten – nach der Freigabe gibt es keine Garantie, was damit passiert.“

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