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Ratgeber

Erst zum Arzt und dann aufs Fahrrad

Ohne medizinische Leistungsdiagnostik ist Sport gefährlich, sagt der Chefarzt des Instituts für Sportmedizin in Nürnberg
Von unserem Nürnberg-Korrespondenten Thomas Tjiang

Chefarzt Dr. Bernd Langenstein und Oberarzt Dr. Matthias Brehm analysieren den körperlichen Zustand von Basketball-Profi Sebastian Schröder.
Chefarzt Dr. Bernd Langenstein und Oberarzt Dr. Matthias Brehm analysieren den körperlichen Zustand von Basketball-Profi Sebastian Schröder. Foto: Tjiang

Nürnberg. Für Sebastian Schröder ist es Routine. Der Profi-Basketballer von rent4office Nürnberg muss alljährlich vor dem Saisonstart Ende September zur Leistungsdiagnostik. Auf dem Standrad wird er zunächst komplett verkabelt, dann geht’s los mit dem Strampeln. „Die ersten Minuten sind entspannt, dann geht es richtig zur Sache.“ Zwischendrin wird Blut abgenommen, die Lungenfunktion geprüft und per EKG das Herz kontrolliert.

Untersuchungen wie diese sind normales Tagesgeschäft im Institut für Sportmedizin im Nürnberger Südklinikum. Nach Schröder ist Teamkollege Michael Fleischmann dran. Das ganze Team ist im Institut bestens bekannt, im August war ein Sportmediziner sogar bei der zweiwöchigen Basketballtour durch China dabei. Für den Chefarzt des Instituts, Dr. Bernd Langenstein, sind die Sportler und ihre Krankengeschichte bekannt: „Die Vorsorgeuntersuchungen sind ein medizinisches Update, um gesundheitliche Probleme auszuschließen.“

Betreuung des 1. FCN

Neben den Profi-Korbjägern sind auch die Fußballer des 1. FC Nürnberg oder die vielen Individualsportler und Olympioniken kontinuierlich zur Leistungsdiagnostik im Institut. Langenstein und sein Team betreut pro Jahr rund 1000 Menschen, den Großteil seiner Arbeit machen Breitensportler aus. Denn für den Oberarzt ist klar: „Der größte Fehler ist es, nicht zum Arzt zu gehen“, wenn man nach bewegungsarmen Jahren am Schreibtisch wieder sportlich aktiv werde.

Das gelte für Wiedereinsteiger, die häufig zu viel Ehrgeiz an den Tag legten – und vor allem für die, die gleich einen Marathon oder Triathlon anpeilen. Leider sei es beim Lauf über 42,19 Kilometer „anders als im Ausland in Deutschland nicht üblich, bei der Anmeldung ein ärztliches Attest vorzulegen“. Bei der Diagnostik auf dem Laufband könne etwa die individuelle Leistungsschwelle identifiziert werden. „Sich ständig über dieser Schwelle zu bewegen, ist kontraproduktiv.“

Älteste Sportler sind 80

Die Nutzer des Instituts sind ein Querschnitt der Gesellschaft – auch bezüglich Geschlecht oder Alter. Der Jüngste war ein Fünfjähriger, die ältesten Leistungssportler sind knapp 80. Einer der ältesten ist ein Triathlet, der andere ein Leichtathlet, „beide können vielen noch zeigen, was eine Harke ist“, sagt Dr. Langenstein. Die Klassiker seien allerdings die „Mittelalten, die etwas für ihre Fitness tun wollen“.

Die medizinische Untersuchung und Beratung ist jedoch keine Kassenleistung. Einige Krankenkassen erstatteten aber einen Teil der rund 200 Euro für das Gesamtpaket. Zu Recht, denn wer unkontrolliert für seine Fitness losstürme, könne Sehnen und Muskulatur gefährden, betont der Mediziner. Deshalb sei ein angepasster Anfang mit geplanter Leistungssteigerung ratsam. Wichtig sei auch, dass sich Sportler bei Beschwerden an einen Arzt wenden. Gleiches gelte vor dem Roth- Triathlon. Beim Check Up vor dem Start rät der Chefarzt jedes Mal einigen Teilnehmern von der Teilnahme ab. Selbst eine leichte Magen-Darm-Infektion verbiete eine Teilnahme.

Umfangreiche Tipps und Beratung

Für Individualsportler dauert die Leistungsdiagnostik zwei bis zweieinhalb Stunden. Danach gibt es nicht nur einen Stapel Papier, zehn bis zwölf Seiten mit Befunden. In der Beratung werden für die Individualsportler das richtige Trainingsmaß und die richtige Sportart gesucht. Dafür sprechen einerseits medizinische Gründe – andererseits sei auch der Spaß an der Bewegung entscheidend.

Wer ohne ärztliche Beratung zum Kraft- oder Ausdauertraining in ein Fitnesscenter geht, sollte auf die „Qualität der Betreuung achten, rät Langenstein. In manchen Fällen lautet sein ärztliches Urteil: „Nicht so gut wegen der Gefahr falscher Belastung“.

In punkto Ernährung kann man sich etwa über die richtigen Speisen und Getränke vor, während und nach einem Wettlauf beraten lassen. Entgegen landläufiger Meinung können Dauerläufer doch zu viel trinken. „Wer beim Marathon sieben Liter Wasser oder mehr zu sich nimmt, gefährdet sein Leben.“ Zuletzt sei beim Frankfurter Marathon ein Läufer deshalb gestorben. Abschrecken will Langenstein jedoch keinen Hobbysportler: „Noch gefährlicher ist, nichts zu tun.“

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