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Fitnessserie

Personal Training: Lohnender Luxus?

Franziska Reng begleitet einen Studenten, der wieder fit werden will. Helfen soll ein Personal Trainer.
Von Franziska Reng, MZ

Personal Trainer Sebastian Koschel überprüft Gleichgewichts- und Kräfteverhältnisse von Paul anhand einfacher Testmethoden. Fotos: Reng
Personal Trainer Sebastian Koschel überprüft Gleichgewichts- und Kräfteverhältnisse von Paul anhand einfacher Testmethoden. Fotos: Reng

Regensburg.Es ist Donnerstagabend und Paul steht vor der Tür zur Praxis von Sebastian Koschel. Als er die Klingel drückt, zögert er noch für einen kurzen Moment. War es die richtige Entscheidung, hierher zu kommen?

Früher war ja alles noch gar nicht so kompliziert gewesen: Nach der Schule spielte er regelmäßig im Verein Tischtennis, gelegentlich traf er sich mit Freunden auf dem Fußballplatz und recht viel mehr Bewegung war gar nicht nötig. Doch nun sitzt er aufgrund seines Studiums und der Arbeit immer länger am Schreibtisch, wohnt oft für Praktika einige Wochen in einer anderen Stadt und bei der Ernährung haben sich durch Mensa- und Kantinenessen schlechte Gewohnheiten eingeschlichen. „Ich habe einfach gemerkt, dass darunter vor allem meine körperliche Fitness leidet“, sagt Paul. Also: Ab ins Fitness-Studio. „Doch einfach mal drauflostrainieren hat leider nicht so gut funktioniert“, sagt der Zwanzigjährige, „mir fehlte einfach ein Plan sowie regelmäßig auch die Motivation.“ Was also tun?

Vielfältige Angebote

Paul kam auf die Idee, sein Training in professionelle Hände zu geben und sich einen eigenen Coach zu suchen. Doch wer kommt für so etwas in Frage? Im Internet wimmelt es nur so von Angeboten für Personal Training, mal von Agenturen, Einzelpersonen oder auch in Fitness-Studios. Mal beinhaltet die Betreuung nur eine Beratung oder die Erstellung eines Plans, mal ist auch gemeinsames Training mit inbegriffen. Und auch preislich ist die Spannbreite enorm. Das liegt daran, dass der Beruf des „Personal Trainers“ keine feste Definition hat. Zwar gibt es die unterschiedlichsten Diplome und Lizenzen, im Prinzip kann sich allerdings jeder als Personal Trainer bezeichnen.

In der Schrittstellung ohne Hilfe der Arme zu Boden gehen – so kann Paul seine Gleichgewichtsfähigkeit unter Beweis stellen.
In der Schrittstellung ohne Hilfe der Arme zu Boden gehen – so kann Paul seine Gleichgewichtsfähigkeit unter Beweis stellen.

Paul hat sich deshalb durch Qualifikationszertifikate, Erfahrungsberichte und Empfehlungen gewühlt. Letzten Endes war seine Entscheidung aber doch eine nach Bauchgefühl. Und so öffnet ihm nun Sebastian Koschel die Tür. Er sieht so aus, wie man sich einen Personal Trainer vorstellt: Durchtrainiert, Baseballcap, breites Grinsen. Er empfängt seinen Kunden in einem stilvoll eingerichteten Appartement mit großzügiger Trainingsfläche, Physio-Raum und kleiner Küche.

Wer geht hier wohl ein und aus? Verwöhnte Luxus-Ladies? Koschel winkt ab: „Das sind ganz verschiedene Leute, von alt bis jung, Frauen und Männer. Personal Training ist nicht nur für VIPs und Stars, sondern für jeden, der ein bestimmtes Ziel auf dem besten Weg erreichen möchte. So wie du.“ Bevor es losgehen kann, müssen aber noch Vorbereitungen getroffen werden. „Ich benötige viele, zum Teil auch sehr private Informationen über dich. Ich muss genau abchecken, mit wem ich es zu tun habe“, erklärt Koschel, „das beeinflusst die Gestaltung des Trainings und dient deiner und meiner Sicherheit.“

Das Erstgespräch ist enorm wichtig. Schließlich vertraut sich der Kunde dem Trainer an, um sein Ziel zu erreichen. Bei Paul und Sebastian scheint das gut zu funktionieren: Die beiden unterhalten sich entspannt bei einer Tasse Kaffee und besprechen die anvisierten Ziele. Koschel zeigt sich optimistisch: „Gutes und effektives Training trotz Zeitmangel, das bekommen wir hin. Dafür müssen wir allerdings einige funktionelle Checks machen.“ Bei besonders ehrgeizigen Zielen wendet Koschel auch stets eine sportmedizinische Untersuchung mit Laktatdiagnostik und Spiroergometrie an.

Die meisten Personal Trainer scheinen einen engen Bezug zum Leistungssport zu haben: Koschel ist Triathlet. Aber macht Erfahrung allein einen guten Coach aus? „Wichtig ist vor allem eine Philosophie, eine eigene Herangehensweise“, erklärt Koschel, „außerdem darf man natürlich den wissenschaftlichen Background nicht vergessen.“

Zusammenarbeit mit Ärzten

Der besteht bei ihm aus einem Studium in Sport, Wirtschaft, Ernährungswissenschaften sowie einer Menge an Zusatzausbildungen. Und wenn es dabei trotzdem mal zu Problemen kommt? „Natürlich kann ich nicht alles, aber dann hole ich meine Partner zu Hilfe. Ich arbeite mit vielen Ärzten, Psychologen und Physiotherapeuten zusammen“, beruhigt Koschel seinen jungen Kunden.

Deine linke Schulter hängt viel tiefer, stellt der Trainer fest. Um Paul zu zeigen, was er beobachtet hat, schießt der Personal Trainer kurzerhand ein Foto.
Deine linke Schulter hängt viel tiefer, stellt der Trainer fest. Um Paul zu zeigen, was er beobachtet hat, schießt der Personal Trainer kurzerhand ein Foto.

Nun werden aber erst einmal noch einige Tests und Analysen durchgeführt, damit das Training beginnen kann. Es dauert nicht lange, da bemerkt der Trainer: „Schau mal, deine linke Schulter hängt viel tiefer! Das wäre schon mal dein erster weak Point.“ Nach und nach erstellt Koschel auf diese Weise innerhalb von zwei Stunden ein konkretes Bild über Haltungs-, Gleichgewichts- und Kraftverhältnisse von Paul. „Wir haben jetzt schon ein paar Schwächen erkannt, an denen wir arbeiten müssen.“

Bis zum nächsten Mal will sich Koschel über einen Trainingsplan machen und diesen mit Paul besprechen. „Für heute ist aber erst einmal Schluss“, sagt Koschel und rückt seine Baseballcap zurecht. Er ist ein Personal Trainer, wie er im Buche steht und das bedeutet auch, dass er Optimismus und Motivation ausstrahlt. Für Paul auf jeden Fall eine gute Voraussetzung.

Experten-Meinung von Sportmediziner Dr. Frank Möckel

„Die Zusammenarbeit mit Personal Trainern gehört nicht zu meinen Hauptbetätigungsfeldern. Ich bin aber durchaus mit einigen Coaches regelmäßig in Kontakt. Ich stehe ihnen als Ansprechpartner bereit, wenn sie medizinische Ratschläge oder Tipps brauchen. Ich helfe gern, denn aus meiner Sicht zeugt es von Qualität, wenn ein Personal Trainer Wert auf externes Fachwissen legt. Die Überzeugung, alles zu können und auch in Zweifelsfällen selbst am besten zu wissen, was zu tun ist, kann dem Trainer-Sportler-Gespann sehr schnell zum Verhängnis werden. Es sind ja nicht selten Risikopatienten, die sich gezielt für ein individuell auf ihre Bedürfnisse abgestimmtes Training entscheiden. Ich würde ein Personal Training aber vor allem solchen Leuten empfehlen, deren Zeit zum Trainieren stark begrenzt ist und die dennoch stets jemanden brauchen, der ihnen zur Seite steht. Anfänger kennen sich häufig noch nicht so gut aus, welche Übungen sich eigenen und was für ihren Leistungszustand sinnvoll ist.“

Umfrage: Warum trainiert Ihr bei einem Personal Trainer?

Daniel
Daniel

Daniel: „Ich trainiere für einen Leistungstest, bei dem verschiedene Disziplinen gefordert sind. Durch Personal Training decke ich mit einem auf mich abgestimmten Trainingsplan all diese Bereiche ab, ohne Überlastungen zu riskieren.“

Ralph
Ralph

Ralph: „Durch Personal Training habe ich ein sportliches Motivationstief überwunden. Ich wurde aus meiner persönlichen Komfortzone herausgeholt und kann als Schwimmer mein bisher verstecktes Potenzial besser abrufen.“

Susan und Thomas
Susan und Thomas

Susan und Thomas: „Nach dem Schritt in die Selbstständigkeit ist Bewegung bei uns aus Zeitgründen viel zu kurz gekommen. Wir nehmen uns seit 2004 nun immer an einem Vormittag Zeit, um ein gezielt auf unsere Bedürfnisse abgestimmtes Training zu absolvieren.“

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