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So wird der gute Vorsatz kein Strohfeuer

Viele Regensburger wollen 2017 wieder gesünder leben, das Interesse an Fitnessstudios steigt. Experten geben Ratschläge.
Von Sebastian Böhm, MZ

Die Fitnessstudios sind zu Jahresbeginn traditionell gut besucht. Foto: dpa
Die Fitnessstudios sind zu Jahresbeginn traditionell gut besucht. Foto: dpa

Regensburg.An den Weihnachtsfeiertagen gaben bei vielen Regensburgern noch Familienfeiern, Partys und viel zu fettes Essen den Ton an. Der innere Schweinehund hatte Ende 2016 nur wenige Gegenspieler. Doch der staaden Zeit folgen traditionell die guten Vorsätze. Gewinner sind dabei vor allem die zahlreichen Fitnessstudios in der Domstadt.

„Januar ist eigentlich immer der umsatzstärkste Monat im Jahr“, sagt Beata Osobinski, Betriebsleiterin des Fitnessstudios „Kieser Training“. Es sei eine Mischung aus guten Vorsätzen und dem schlechten Winter-Wetter, die die Menschen in die Studios treibe, erklärt sie. Ihre Kollegin Karin Hofmann, Clubleiterin der beiden Regensburger Fitness-First-Studios sagt: „Der Januar boomt, aktuell strömen circa zwischen 800 und 1000 Menschen täglich in unsere Studios. Es gibt 20 bis 40 Prozent mehr Interessenten als beispielsweise im September oder Dezember. Alle wollen durchstarten.“

Erst zum Arzt, dann sporteln

Aber egal ob für neue Gäste in den Fitnessstudios oder andere Freizeitsportler: die neue Motivation zu Jahresbeginn birgt gesundheitliche Gefahren. So sollten vor allem ältere Menschen einen Arzt aufsuchen, bevor sie loslegen. „Wenn Sie 50 Jahre alt sind und schon lange nicht mehr oder nie Sport getrieben haben, sollten Sie ihr Herz-Kreislauf-System checken lassen“, sagt Mediziner Dr. Christian Merkl. Der gewählte Sport muss außerdem zum jeweiligen Befinden passen. „Für Menschen, die unter Kniebeschwerden leiden, ist Fußball eher die falsche Wahl. Hier wäre Schwimmen oder Radfahren besser“, erklärt Merkl.

„Es gibt 20 bis 40 Prozent mehr Interessenten als beispielsweise im September oder Dezember. Alle wollen durchstarten.“

Karin Hofmann, Clubleiterin der beiden Regensburger Fitness-First-Studios

Der Mediziner rät, den Körper auch während des Sportelns im Blick zu behalten. „Wenn Sie noch ein flüssiges Gespräch mit ihrem Laufpartner führen können, dann wissen Sie, dass es das richtige Tempo für Sie ist“, erklärt er. Die Gefahr, aufgrund der guten Vorsätze zu schnell zu viel zu wollen, sei natürlich da, sagt Merkl. Das Problem: Bei zu vielen Einheiten schmelzen eher unsere Kohlenhydratspeicher, die besonders über Weihnachten aufgefüllten Fettdepots bleiben jedoch verschont. Um den Kampf gegen den überschüssigen Speck zu gewinnen, setzen die Meisten deshalb neben Sport auf eine bessere Ernährung. „Das Wichtigste ist, sich die Ziele nicht zu hoch zu stecken. So kann ein halbes Kilo weniger pro Woche auch völlig ausreichen“, erklärt Diplom-Ökotrophologin Julia Axer. Wer die Kilos purzeln lassen will, muss genügend Flüssigkeit aufnehmen. Zwischen 1,5 und drei Liter sollten es am Tag sein. „Wer zu wenig trinkt, nimmt kaum ab“, sagt Axer.

Vorsätze in Zahlen

  • Massenphänomen:

    Mehr als ein Drittel der Deutschen fasst für das neue Jahr mindestens einen guten Vorsatz. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts „YouGov“.

  • Offline als Ziel:

    Laut einer repräsentativen Studie des „Forsa-Instituts“ haben sich 38 Prozent in der Altersgruppe der 14- bis 29-Jährigen vorgenommen, 2017 mehr offline zu sein.

  • Die Wünsche im Freistaat:

    60 Prozent der Bayern wollen wieder mehr Zeit für die Familie und Freunde haben. Aber auch mehr Sport, weniger Stress und größere Sparsamkeit stehen laut der von der DAK in Auftrag gegebenen Umfrage oben auf der Liste.

  • Nur die Hälfte hält durch:

    51 Prozent können sich in Bayern länger als drei Monate an ihre Vorsätze halten. In ganz Deutschland sind es 56 Prozent.

Auch bei der Ernährung gilt: Vorbereitung ist alles. „Ich würde jedem Menschen empfehlen, vor einer größeren Ernährungsumstellung mit einem Experten zu sprechen“, erklärt Axer. Aber selbst wer die richtige Sportart gewählt hat und die Tipps der Ernährungsberater befolgt, bekommt es im Laufe der Zeit mit dem größten Feind aller guten Vorsätze zu tun: dem inneren Schweinehund.

„Der eigene Saboteur wird bei jedem Menschen auftauchen. Dessen muss sich auch der Motivierteste klar sein.“

Diplom-Psychologin Anne Amann

„Der eigene Saboteur wird bei jedem Menschen auftauchen. Dessen muss sich auch der Motivierteste klar sein“, sagt Diplom-Psychologin Anne Amann. Um der inneren Stimme Herr zu werden, sollten sich die Menschen eine Struktur geben. „Es ist immer besser, Ziele mit einem Datum zu versehen. Zum Beispiel: Ich steigere mich für die nächsten zwölf Wochen um jeweils drei Minuten Laufzeit“, erklärt Personaltrainer Andy Raab. Auch die sozialen Medien könnten helfen, etwas Druck aufzubauen, sagt der Fitnesscoach. Denn: Wer seine Leistungen teilt, macht damit auch seine guten Vorsätze öffentlich und kann von Bekannten damit konfrontiert werden. Doch auch wenn der innere Schweinehund mal gewinnt, darf das für den motivierten Neujahrsdurchstarter kein Weltuntergang sein. „Falls Sie etwas träger werden, sollten Sie sich an das gute Gefühl nach dem letzten Training erinnern“, rät Psychologin Amann und fügt hinzu: „Seien Sie nicht zu hart zu sich selbst.“ Auch Personalcoach Andy Raab betont: „Bei erreichten Zielen sollten Sie sich unbedingt selbst belohnen.“ Der Januar ist im Fitnessbereich der Monat der Selbstfindung. In den Regensburger Studios sind zu Jahresbeginn vor allem die Kurse gut besucht, weil die Menschen austesten wollen, welcher Sport am besten zu ihnen passt.

Studios lassen Kunden nicht allein

„Die Neukunden testen im Januar die verschiedensten Angebote. Sie sind überall dabei“, sagt die Regensburger „Fitness First“-Chefin Hofmann. „Das Wichtigste ist, dass man die Interessenten in dieser Zeit der Suche integriert und nicht alleine lässt.“ Denn auch die Betreiber der Fitnessstudios wissen: Der innere Schweinehund ist bei ihren neuen Gästen immer mit dabei.

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