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Corona-Fall bei McLaren erholt sich

Andreas Seidl hat einen der schwersten Jobs in der Formel 1. Der Passauer soll das ehemalige Erfolgsteam McLaren wieder nach oben führen. Nicht zuletzt in der Coronavirus-Krise von Melbourne zeigt Seidl, warum ihm das viele zutrauen.
Von Martin Moravec, dpa

Zak Brown ist der Chef des Motorsport-Projekts bei McLaren. Foto: Andy Brownbill/AP/dpa
Zak Brown ist der Chef des Motorsport-Projekts bei McLaren. Foto: Andy Brownbill/AP/dpa

Melbourne.Die Nachricht vom ersten Coronavirus-Fall in der Formel 1 erreichte Andreas Seidl und Zak Brown beim Abendessen.

Der bayerische Teamchef von McLaren und der US-amerikanische Boss des Motorsportprojekts des ehemaligen Weltmeisterrennstalls saßen am Donnerstagabend in Melbourne mit einem der Anteilseigner zusammen. „Wir sind sofort ins Teamhotel zurückgekehrt, um uns mit unserer Rennleitung kurzzuschließen“, erzählte Brown von der hektischen Nacht. Denn bei dem Infizierten handelte es sich um einen ihrer Mitarbeiter, der mittlerweile frei von Symptomen ist.

Der Rest wird Eingang in die Formel-1-Geschichtsbücher finden. McLaren zog sich als Vorsichtsmaßnahme vom Saisonauftakt in Australien zurück. Für diese resolute Entscheidung erntete Seidls Team viel Lob, auch weil die Führung der Motorsport-Königsklasse zusammen mit dem Automobil-Weltverband FIA lange nur durch Schweigen aufgefallen war. Nach Stunden der Ungewissheit entschlossen sich aber die beiden Gremien zusammen mit dem lokalen Organisator doch zur Absage des ersten Grand Prix des Jahres.

„Es ist großartig zu sehen, wie das ganze Team in diesen schwierigen Stunden zusammengehalten, sich geholfen und unterstützt hat“, sagte Seidl nach den chaotischen Stunden am Freitag. Er wolle nicht nur seinem Führungsteam danken, die „Charakter und Coolness unter Druck“ bewiesen hätten, sondern auch jenen stillen und fokussierten weiteren McLaren-Mitarbeitern, die dazu beigetragen hätten, mit „einer schwierigen Situation einfacher umgehen zu können.“

Seidl (44) muss man auch dazu zählen. Seit dem 1. Mai 2019 ist der Passauer McLaren-Teamchef und damit ein Nachfolger von den Legenden Bruce McLaren und Ron Dennis. „Das ist für mich keine Last, das ist Motivation. Wir wollen mit diesem Team wieder den Anschluss an die Spitze in der Formel 1 schaffen“, sagte Seidl einmal der Deutschen Presse-Agentur zum schweren Erbe bei einem Rennstall, der achtmal Konstrukteurs-Weltmeister war, letztmals aber 2012 durch den längst zurückgetretenen Jenson Button einen Grand Prix gewann.

Seidl soll das ändern. Von 2000 bis 2009 arbeitete er für das Formel-1-Projekt von BMW, die letzten drei Jahre als Einsatzleiter an der Rennstrecke. Mit Porsche gewann er dreimal in Le Mans. Seidl wird nicht zuletzt dafür gelobt, ein Team aufbauen und auch führen zu können. So schaffte er die sogenannte Management-Matrix von McLaren-Übervater Dennis ab, wonach der Rennstall weniger von Einzelpersonen abhängig sein wollte.

„Ich habe eine klare Vorstellung, wie man ein großes Motorsportprojekt angehen muss, um erfolgreich zu sein. Ich bin ein großer Fan von traditionellen, einfach verständlichen Motorsportstrukturen, von klaren Reportinglines und einem klaren Leadership“, erklärte Seidl. „Meine drei großen Abteilungen Technik, Produktion und Rennmannschaft bekommen von mir die Unterstützung und gleichzeitig auch die Freiheit, ihre eigenen Abteilungen zu führen und zu gestalten, weil ich das so in meiner ganzen Laufbahn auch selbst so erfahren habe. Erfolg im Motorsport ist eine Teamleistung.“

Seidl hat an seiner unmittelbaren Seite Produktionsdirektor Piers Thynne, Technikdirektor James Key und Renndirektor Andrea Stella, der früher als Ferrari-Ingenieur schon für Michael Schumacher gearbeitet hat. Stella spielt auch im Coronavirus-Fall von McLaren eine wichtige Rolle für das Teamverständnis.

„Ein besonderer Dank an unseren Renndirektor Andrea Stella und seine Jungs, die freiwillig in Down Under geblieben sind für die nächsten 14 Tage, um unsere Jungs in der Quarantäne zu unterstützen“, sagte Seidl, der mittlerweile wieder in Europa ist. Denn neben dem sich weiter erholenden Angestellten, der sich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert hatte, wurden später noch weitere 14 McLaren-Mitarbeiter als Verdachtsfälle eingestuft. Sie bleiben in Melbourne isoliert.

Seidl und das gesamte Rennteam von McLaren, das nach Australien gereist war, werden der Fabrik in Woking als Vorsichtsmaßnahme zwei Wochen fernbleiben. Es ist eine notwendige Entscheidung, es ist eine kluge Entscheidung. Sie steht für Seidls bisherige McLaren-Arbeit.

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