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Schummelvorwurf gegen Ferrari: Fia kontert Team-Aufstand

Der zuständige Weltverband kann Ferrari kein eindeutiges Fehlverhalten nachweisen. Der Verdacht aber bleibt. Denn die Fia selbst hat Zweifel, dass beim Formel-1-Motor in der Vorsaison alles mit rechten Dingen zuging.
Von Thomas Wolfer und Jens Marx, dpa

Die Ferrari-Boxencrew arbeitet am Boliden von Charles Leclerc. Foto: Joan Monfort/AP/dpa
Die Ferrari-Boxencrew arbeitet am Boliden von Charles Leclerc. Foto: Joan Monfort/AP/dpa

Berlin.Die Regelhüter der Formel 1 haben das umstrittene Stillschweigen mit Ferrari zu den Schummelvorwürfen gegen den Rennstall von Sebastian Vettel gerechtfertigt.

Mit der Erklärung dürften sich Branchenführer Mercedes und die sechs Verbündeten wohl kaum zufrieden geben. Denn die Fia selbst konnte mögliche Tricksereien der Scuderia am Motor in der vergangenen Saison nicht endgültig ausschließen. Dem Internationalen Automobilverband reichten die Ergebnisse nach einer Untersuchung aber nicht für einen Rechtsstreit. Die Fia räumte am Donnerstag ein, sie sei „nicht völlig zufrieden“ damit, wie sich die Scuderia zu ihrer im Vorjahr so umstrittenen Antriebseinheit erklärte.

Die Fia ging nach eigenen Angaben aber deswegen nicht gegen Ferrari vor, weil die „Komplexität der Angelegenheit“ und die „materielle Unmöglichkeit“ nicht zwangsläufig zu einem eindeutigen Beweis geführt hätten, hieß es in einer Mitteilung. Gut eine Woche vor dem Saisonstart in Melbourne bleibt damit vor allem eines: Der Verdacht.

Gründliche Untersuchungen während der Saison 2019 hätten „den Verdacht genährt“, dass der Ferrari-Antrieb „nicht zu jeder Zeit innerhalb der Grenzen des Fia-Reglements betrieben wurde“. Ferrari bestritt „den Verdacht und besteht darauf, dass die Power Unit immer in Übereinstimmung mit den Regeln gelaufen ist“, hieß es weiter.

Die Fia konterte die scharfe Kritik von sieben Teams am Vortag in einem gemeinsamen Schreiben und wehrte sich. Da der Verband den Deal mit Ferrari geprüft haben dürfte, gilt es jedoch als unwahrscheinlich, dass die genauen Ergebnisse der Motoren-Untersuchung noch offengelegt werden müssen und den Italienern womöglich eine höhere Strafe droht.

„Das ganze hat jetzt Fifa-Dimensionen angenommen. Zwischen Fia und Fifa fehlt nur noch ein Buchstabe“, sagte Red Bulls Motorsportberater Helmut Marko der Münchner Zeitung „tz“: „Die Fia hat einen Sport in Verruf gebracht, in denen wir dreistellige Millionensummen im Jahr investieren. Das kann man sich jetzt nicht mehr bieten lassen.“

In der vergangenen Saison waren immer wieder Stimmen laut geworden, dass Ferrari mit dem viermaligen Weltmeister Vettel und dessen Teamkollegen Charles Leclerc bei seinem Motor gegen Regeln verstoßen haben könnte und sich so einen Vorteil verschaffte. Das konnte die Fia juristisch jedoch nicht zweifelsfrei beweisen, wie sie zugab. Nicht nur einmal hatte es 2019 auch entsprechende Direktiven durch die Fia gegeben, allerdings keine Strafen. Nach jahrelanger Überlegenheit von Mercedes war Ferraris Antrieb 2019 plötzlich bis zu einer halben Sekunde auf den Geraden schneller gewesen.

Der Weltverband führte als Grund für das Ende des eigenen Verfahrens an, „negative Konsequenzen zu vermeiden, die ein langer Rechtsstreit“ gehabt hätte. Demnach sei eine „wirksame und abschreckende Vergleichsvereinbarung zur Beendigung des Verfahrens“ mit Ferrari geschlossen worden. Details gab die Fia erneut nicht bekannt.

Die Fia hatte sich zum Abschluss der Untersuchungen mit Ferrari geeinigt, dass sämtliche Inhalte unter beiden Parteien bleiben sollten. „Wir, die unterzeichnenden Teams, waren überrascht und geschockt“, hieß es in dem gemeinsamen Statement von Mercedes, McLaren, Red Bull, Renault, Racing Point, Alpha Tauri und Williams.

In knappen sechs Zeilen hatte die Regelbehörde am 28. Februar unter anderem das beiderseitige Stillschweigen mitgeteilt und dass man sich mit Ferrari auf einige technische Verpflichtungen verständigt habe, um das Überwachen der Antriebseinheit zu verbessern. Die Fia erklärte nun, dass diese Vertraulichkeit in den eigenen Regeln gedeckt sei. „Diese Art der Vereinbarung ist ein Rechtsinstrument, das als wesentlicher Bestandteil in jedem Disziplinarwesen anerkannt ist und von vielen Behörden und anderen Sportverbänden bei der Bearbeitung von Streitigkeiten verwendet wird“, hieß es.

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