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Mit Mancini und Balotelli: Italien startet Neuanfang

Erstmals seit 60 Jahren fehlt der viermalige Weltmeister Italien bei einer WM-Endrunde. Mit neuem Trainer und altem Star will die Squadra Azzurra aber zu ihrer Stärke zurückfinden.
Von Holger Schmidt und Manuel Schwarz, dpa

Wurde bei seiner Rückkehr in die Squadra Azzurra rassistisch beleidigt: Mario Balotelli. Foto: Gian Ehrenzeller
Wurde bei seiner Rückkehr in die Squadra Azzurra rassistisch beleidigt: Mario Balotelli. Foto: Gian Ehrenzeller

St. Gallen.Mario Balotelli ist zurück - und prompt dreht sich alles wieder um ihn. Selbst das Debüt des neuen Nationaltrainers Roberto Mancini verblasste gegen das Comeback des schillernden Stürmerstars.

In seinem ersten Länderspiel für Italien seit fast vier Jahren erzielte Balotelli das Führungstor, setzte sich öffentlich gegen ein rassistisches Schmähplakat zur Wehr und widmete seinen Treffer dem jüngst gestorbenen Florenzer Kapitän Davide Astori.

Der „Corriere della Sera“ wollte bei dem 2:1 (1:0) gegen WM-Teilnehmer Saudi-Arabien einen geläuterten Balotelli erkannt haben. „Supermario ist weise geworden. Und unentbehrlich“, schrieb das Blatt. „Viele glauben wieder an ihn. Nicht nur wegen des Tores, sondern auch wegen seines Auftretens.“ Die „Gazzetta dello Sport“ hofft gar schon vor der ersten WM-Endrunde seit 60 Jahren ohne Italien auf „eine Ära Mancini mit dem neuen/alten Leader Balotelli. Träumen kostet ja nichts“.

Die Realität ist aber erst einmal diese: Während sich die Fußball-Welt auf die Weltmeisterschaft in Russland vorbereitet, startet der viermalige Weltmeister als WM-Zuschauer einen beschwerlichen Neuanfang. Balotelli soll dabei eine wichtige Rolle spielen, zu sehr loben wollte Mancini ihn aber nicht. „In der ersten Halbzeit war er ganz gut. Aber er kann es noch besser. Viel besser“, sagte der 53-Jährige: „Er hat ein Tor geschossen, das ist wichtig für einen Stürmer. Aber natürlich kann da noch mehr kommen.“

Den unangepassten, in guten Momenten genialen Balotelli, der im EM-Halbfinale 2012 mit zwei Toren auch zum Deutschland-Schreck wurde, braucht die Squadra Azzurra. Das ist offenbar eine Erkenntnis der peinlichen WM-Qualifikation. Wie der vermeintliche Problemfall einzugliedern ist, hat derweil Lucien Favre vorgemacht. In zwei gemeinsamen Jahren unter dem künftigen Dortmund-Trainer erzielte Balotelli in 66 Pflichtspielen für OGC Nizza 43 Tore.

Mancini will ihn nun offenbar auch in die Pflicht nehmen. Balotelli ist als Stellvertreter von Kapitän Leonardo Bonucci im Gespräch und könnte am Freitag in seiner Wahlheimat Nizza gegen WM-Mitfavorit Frankreich die Spielführerbinde tragen. In St. Gallen wurde der dunkelhäutige Stürmer prompt rassistisch verunglimpft. „Mein Kapitän muss italienisches Blut haben!“, stand auf einem Banner. Der Sohn ghanaischer Einwanderer reagierte auf Instagram. „Wir sind im Jahr 2018, Jungs“, schrieb der 27-Jährige dort: „Schluss damit! Wacht auf! Ich bitte euch!“

Ebenfalls in den sozialen Medien widmete Balotelli sein Comeback-Tor dem Anfang März an einem Herzstillstand verstorbenen Astori. „Ich weiß es ist spät, ich weiß dass du schon dort bist“, schrieb Balotelli: „Aber ich bin überzeugt, dass du da oben das Spiel mit meinem Papa angeschaut hast! Auch wenn es nichts bedeutet, auch wenn es nichts nützt, dieses Tor widme ich dir #davideastori.“ Balotelli und Astori haben zusammen einige Länderspiele absolviert und standen 2013 gemeinsam im Kader beim Confed-Cup.

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