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Beckham-Verehrer mit Videospiel-Jubel: Antoine Griezmann

Das ist Antoine Griezmanns Krönung. Sie mochten ihn ohnehin, jetzt liebt ganz Frankreich das geniale Dribbel-Ass.
Von Jens Marx, Ulrike John und Florian Lütticke, dpa

Antoine Griezmann jubelt über den Sieg gegen Kroatien. Foto: Cezaro De Luca
Antoine Griezmann jubelt über den Sieg gegen Kroatien. Foto: Cezaro De Luca

Moskau.Er ist glühender David-Beckham-Verehrer, schleppt fast überall Mate-Tee mit sich herum und seinen Torjubel hat sich Antoine Griezmann aus einem Videospiel abgeschaut. Was er aber über alles wollte, war dieser WM-Titel.

„Egal wie“, hatte er vor dem 4:2-Sieg im verrückten Finale von Moskau angekündigt. Er hielt Wort: Fast wie vor 20 Jahren Zinedine Zidane beim ersten WM-Triumph der französischen Fußball-Nationalmannschaft wurde „Grizou“ zum umjubelten Matchwinner für die Équipe tricolore.

Den Freistoß, den er selbst ausführte und Mario Mandzukic ins eigene Tor von Gegner Kroatien köpfte, holte Griezmann schlitzohrig heraus - mit einer fiesen und erst nach mehreren Wiederholungen sichtbaren Schwalbe. Die Ecke, bei der Ivan Perisic ein Handspiel unterlief - sie kam von Griezmann. Den fälligen Elfmeter verwandelte: Griezmann. Und am Tor von Paul Pogba zum zwischenzeitlichen 3:1 war er auch beteiligt.

Und diesmal feierte er seinen eigenen Treffer auch ausgiebig. Auf seinen skurrilen Tanz mit den Fingern zu einem L geformt auf der Stirn wollte Griezmann diesmal nicht verzichten wie bei seinem Tor im Viertelfinale gegen sein zweites Herzensland Uruguay. Diesmal kostete Griezmann jede Sekunde des Triumphs aus. Er war zur Stelle, als es drauf ankam. Am Ende hatte er Tränen im Gesicht, die er hinter den geballten Jubelfäusten zu verbergen suchte.

Die WM begann trotz eines Elfmetertreffers beim 2:1 im Auftaktspiel der Franzosen gegen Australien schleppend für ihn. Die lange Saison mit Atlético Madrid, bei denen er vor der WM seinen Vertrag trotz Interesse vieler anderer Hochkaräter Europas verlängerte, steckte noch in den sonst so flinken Beinen. Vier Wochen vor dem WM-Start gewann er mit den Madrilenen die Europa League. Und auch beim 3:0 im Finale gegen Olympique Marseille war Griezmann mit zwei Toren und einer Vorlage die große Show gelungen. Der erste internationale Pokal für den Ausnahmefußballer, der bereits mit 14 Jahren Frankreich verließ und seitdem in Spanien spielt.

„Zidane ist eine Legende, eine Ikone des Fußballs. Grizou ist auf dem Weg dorthin“, schwärmte Pogba schon vor Griezmanns Gala zum zweiten WM-Titel der Grande Nation: „Ganz Frankreich mag ihn.“ Jetzt wird ganz Frankreich diesen Griezmann lieben. Schon bei der EM 2016 brauchte Griezmann ein wenig Zeit, um zur Bestform aufzulaufen. Trotz des verpassten Triumphs vor heimischem Publikum wurde er zum besten Spieler der EM geehrt. Mit sechs Toren war er auch der erfolgreichste.

Mit dabei damals auch seine Schwester Maud, die drei Jahre älter ist und früher daheim in Macon ins Tor musste. Der kleine Antoine wollte immer schon Tore schießen. Sie war es auch, die die schrecklichen Terrorattacken am 13. November 2015 für Griezmann nach dem Testspiel gegen Deutschland noch unterträglicher und schockierender machten. Sie war damals im Club Bataclan und stundenlang in Todesangst. Ihr Bruder in Ungewissheit.

Die Schwere der damaligen Zeit ist im ganzen Land vorerst vorbei. Frankreich jubelt, Frankreich feiert - vor allem dank Antoine Griezmann.

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