mz_logo

WM
Sonntag, 23. September 2018 24° 7

WM

Blatter will kommen – und teilt aus

Eigentlich ist der ehemalige Fifa-Präsident noch bis 2021 gesperrt. In Russland wird er dennoch zu sehen sein.
Von Florian Lütticke

Joseph Blatter dürfte bei der WM einen großen Auftritt haben. Foto: Marijan Murat/dpa
Joseph Blatter dürfte bei der WM einen großen Auftritt haben. Foto: Marijan Murat/dpa

Moskau.Die große WM-Bühne lässt sich Joseph Blatter auch in seiner Verbannung nicht nehmen. Wenn der ehemalige Fifa-Präsident am Dienstag auf Einladung von Wladimir Putin per Flieger in Moskau einschweben will, wird der Besuch für Nachfolger Gianni Infantino und den Fußball-Weltverband zum sportpolitischen Spagat. Eigentlich ist Blatter nach seiner Sechs-Jahres-Sperre im Fußball eine Persona non grata, als Gast des Kremlchefs beim russischen Ausrichter aber natürlich herzlich willkommen.

Es sei eine „Ehre“, dass ihn Putin zur WM bitte, berichtete Blatter selbst schon vor einigen Monaten stolz in seiner Züricher Wahl-Heimat. Nun bestätigte sein Sprecher, dass die Reise in der kommenden Woche vorgesehen sei. Noch sei offen, welches Spiel der ehemalige Chef des Weltverbands besuchen wird. Möglich ist beispielsweise das Duell von Portugal mit Marokko am Mittwoch in Moskau.

Er muss als Privatperson auftreten

Blatter muss sich an einige Regeln halten, auch wenn ein Tribünenbesuch nach bisheriger Interpretation der Fifa-Statuten nicht untersagt ist. Er dürfte dabei voraussichtlich das gleiche Recht wie der ebenfalls verbannte Michel Platini erhalten. Die Fifa-Ethiker hatten dem Franzosen 2016 eine Erlaubnis für den Besuch von EM-Spielen erteilt, solange er dabei nicht in offizieller Funktion erscheine. Letztendlich verzichtete Platini jedoch.

Und auch Blatter müsste als Privatperson auftreten – doch schon vor wenigen Tagen strahlte der russische Fernsehsender RT ein Interview mit dem 82-Jährigen aus, in dem sich dieser dezidiert zu aktuellen Fragen des Weltfußballs sowie Reformen und Plänen Infantinos äußert.

„Die Fans werden irgendwann genug haben, weil es immer Fußball gibt, wenn sie den Fernseher anschalten“

Joseph Blatter, ehemaliger Fifa-Präsident

Die WM mit 48 Teilnehmern? „Absolut falsch!“ Der von Infantino propagierte Verkauf von Wettbewerben an Geldgeber für 25 Milliarden US-Dollar? „Ich hätte die Fifa nicht für so ein Investment ausverkauft“, sagt Blatter. „Es gibt eine neue Ära in der Fifa, aber ich denke, es ist völlig falsch.“ Die WM-Premiere des Videobeweises? „Die Mehrheit der Schiedsrichter hat nie mit dem System gearbeitet.“ Die Pläne einer ausgeweiteten Klub-WM? „Die Fans werden irgendwann genug haben, weil es immer Fußball gibt, wenn sie den Fernseher anschalten.“

Blatter und Putin wollen sich treffen

Welcher Blatter wird nun in Russland auftreten – der dankbare Gast oder der meinungsstarke Schattenpräsident, der immer wieder gerne betont, dass er niemals abgewählt worden sei? Und auch der Rahmen eines möglichen Treffens mit Putin bietet noch Raum für Spekulationen. Ein gemeinsamer Stadion-Besuch? Wäre ein Affront gegen Infantino, mit dem sich der russische Präsident auf der Ehrentribüne beim 5:0-Eröffnungssieg gegen Saudi-Arabien amüsierte. „Russland wird der perfekte Gastgeber und den wohl verdienten internationalen Respekt bekommen“, gratulierte Blatter da via Twitter nur zwei Minuten nach dem Abpfiff.

Infos zur Fußball-WM in Russland:

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht