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Deutsche Zeitung in Kaliningrad

In Kaliningrad, dem früheren Königsberg, betreiben drei Russen eine deutschsprachige Zeitung für „Heimweh-Touristen“. Und das komplett unabhängig und schon seit 25 Jahren.
Von Holger Schmidt, dpa

Chefredakteurin Jelena Lebedewa des „Königsberger Express“ steht neben Dolmetscher Tschernitschow. Foto: Igor Sarembo/Königsberger Express
Chefredakteurin Jelena Lebedewa des „Königsberger Express“ steht neben Dolmetscher Tschernitschow. Foto: Igor Sarembo/Königsberger Express

Kaliningrad.Auf Hilfe von außen wollte Jelena Lebedewa in all den Jahren nie zurückgreifen. Denn ihre Unabhängigkeit war ihr höchstes Gut.

„Wir haben nie finanzielle Unterstützung gehabt“, sagt die Chefredakteurin des „Königsberger Express“ im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur: „Weder von deutscher noch von russischer Seite. Damit sind wir vielleicht die einzige unabhängige Zeitung in ganz Russland.“

Die 1993 entstandene russische Zeitung berichtet in deutscher Sprache über das tägliche Geschehen in der WM-Stadt Kaliningrad, dem früheren Königsberg. Sie sei „demokratisch orientiert, aber nicht oppositionell, sondern neutral“, sagt Lebedewa: „Wir berichten ausgewogen, uns sind alle extremen Bestrebungen fern.“

Längst ist das Ganze ein Herzensprojekt geworden für die 64-Jährige und ihren Mann Igor Sarembo (69). Und das, obwohl die ursprünglich „für die Heimweh-Touristen“ entstandene Zeitung aus ihrer Sicht eher durch Zufall entstanden ist.

Anfang der 90er Jahre hatten die Jugendzeitschrifts-Redakteurin und ihr Mann, ein professioneller Fotograf, innerhalb kurzer Zeit ihre Festanstellungen verloren. Die Initiative für das neue Projekt sei von Marion Gräfin Dönhoff (1909-2002) ausgegangen, der damaligen Chefredakteurin und Mitherausgeberin der deutschen Wochenzeitung „Die Zeit“. Auch sie hatte nach dem 2. Weltkrieg ihre ostpreußische Heimat verloren und die Idee, die aus Königsberg und Umgebung vertriebenen Deutschen über das Geschehen im heutigen Kaliningrad zu informieren. „Und wir waren auf der Suche nach einem spannenden Nischenprojekt“, sagt Lebedewa.

Lebedewa und Sarembo haben keine deutsche Vorfahren und sprachen zu diesem Zeitpunkt auch kein Wort Deutsch - worauf Dönhoff den beiden einen dreimonatigen Sprachkurs in Bückeburg bei Hannover ermöglicht habe, wie die beiden schildern. Die große Resonanz auf eine Fotoausstellung Sarembos in der Handelskammer Hamburg gab ihnen dann das Gefühl, dass es Interesse und einen Markt für eine solche Zeitung gibt.

Und so verfasst das Ehepaar seit 25 Jahren mit Hilfe des studierten Dolmetschers Viktor Tschernitschow und deutschen Praktikanten auf Deutsch Nachrichten aus Kaliningrad und Umgebung. Das Deutsch der beiden ist längst verhandlungssicher.

1200 Abonnenten hat der „Königsberger Express“ in aller Welt. Viele leben in Deutschland, manche sogar in Südafrika, Thailand oder Kanada. Die allermeisten waren einst in Ostpreußen heimisch oder sind Kinder oder Enkel der Vertriebenen. „Alle haben irgendeinen Faden hierher“, sagt Lebedewa.

Um diesen Faden nicht reißen zu lassen, arbeiten Jelena Lebedewa und ihre beiden Mitstreiter seit 25 Jahren mit Herzblut. „Wir sehen uns als Informations- und Versöhnungsbrücke“, sagt Lebedewa.

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