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Engländer selbstbewusst - Kane: „Will die WM gewinnen“

Die WM-Erwartungen in England sind nach der Enttäuschung vergangener Turniere zwar niedrig. Dennoch strotzen Kane und Co. nur so vor Selbstbewusstsein. Ein Sieg im Auftaktspiel ist fast schon Pflicht, um weiterzukommen. Doch auch Gegner Tunesien ist hochmotiviert.
Von Patrick Reichardt und Philip Dethlefs, dpa

Englands Trainer Gareth Southgate (M) spricht mit Nationalspieler Harry Kane; der WM-Sieg ist das Ziel. Foto: Owen Humphreys/PA Wire
Englands Trainer Gareth Southgate (M) spricht mit Nationalspieler Harry Kane; der WM-Sieg ist das Ziel. Foto: Owen Humphreys/PA Wire

Wolgograd.Für Englands Stürmerstar und Kapitän Harry Kane kommt Tiefstapeln vor dem WM-Auftakt gegen Tunesien nicht in Frage.

„Man geht in jedes Turnier und jedes Spiel und versucht, es zu gewinnen“, sagte Kane der Deutschen Presse-Agentur. „Das wird sehr schwer, da sind eine Menge wirklich guter Teams im Turnier, aber ich sag' hier doch nicht, dass mir das Viertelfinale oder das Halbfinale reicht. Da würde ich lügen. Ich will die WM gewinnen.“

Beim Gegner Tunesien ist die Sehnsucht nach dem ersten WM-Erfolg seit 40 Jahren und dem ersten Achtelfinal-Einzug in der Geschichte der Nordafrikaner groß. „Meine Spieler kennen ihre Qualitäten und unser Ziel. Wir hoffen, das verwirklichen zu können“, sagte Trainer Nabil Maaloul, der als Profi auch bei Hannover 96 spielte.

Die Tunesier träumen sogar vom Viertelfinale, sind aber gegen England und Mitfavorit Belgien zunächst klarer Außenseiter in der Gruppe G. Vor allem Kane und Mittelfeldmann Dele Alli wollen sie in den Griff bekommen. „Wir kennen die Verbindung zwischen Dele Alli und Kane, sie kennen sich schon lange. Wenn wir ihr Zusammenspiel unterbinden können, wäre das sehr gut“, sagte Maaloul über die beiden Teamkollegen bei Tottenham Hotspur.

Das Erreichen des Viertelfinales würde wohl auch auf der Insel als Erfolg gewertet werden. Die englischen Fans haben nach Jahren der Enttäuschung nur noch geringe Ansprüche. Ihre Erwartungen sind - nach dem Vorrunden-Aus der Three Lions bei der WM 2014 und dem peinlichen Scheitern im EM-Achtelfinale 2016 gegen Island - in Russland ungewohnt niedrig. Oder einfach nur realistisch?

„Die Historie kann uns dadurch helfen, in dem wir sehen, was wir verbessern können. Diese Mannschaft sollte aber nicht damit belastet werden, denn es ist ein junges Team“, sagte Englands Nationalcoach Gareth Southgate zur jüngeren mageren Turniervergangenheit der Three Lions. Die Zukunft liege jedenfalls vor seinen jungen Spielern. „Sie haben Hunger und Gier.“

Southgate hat seine Mannschaft deutlich verjüngt. Der Coach setzt eher auf die talentierte Jugend als auf erfahrene Kräfte. Das beste Beispiel dafür ist Torwart Jordan Pickford. Der 24-Jährige löst nach einer starken Saison beim FC Everton wohl die langjährige Nummer eins Joe Hart (31) ab. Zumindest die Trikotnummer hat Pickford schon. Hart wurde von Southgate hingegen ganz aussortiert. Auch der englische Rekordstürmer und frühere Kapitän Wayne Rooney, der seit 2002 bei jedem großen Turnier im Kader stand, ist nach seinem Rücktritt im vergangenen Jahr nun erstmals nicht mehr dabei.

Kurz vor dem Turnier machten sowohl England als auch Tunesien einen guten Eindruck. England schlug Nigeria (2:1) und überzeugte besonders beim 2:0-Sieg gegen Costa Rica. Die weitgehend unbekannte, aber technisch versierte Mannschaft Tunesiens hatte erstaunlich gut mit Europameister Portugal (2:2) und Ex-Weltmeister Spanien (0:1) mitgehalten. „Ich denke, dass wir gegen die Großen bestehen können, vor allem nach dem Testspiel gegen Spanien“, sagte Maaloul.

„England ist ein schwieriger Gegner, aber wenn wir weiterkommen wollen, müssen wir gewinnen“, sagte Torjäger Wahbi Khazri, der die Adler von Karthago am Montag (20.00 Uhr/MESZ) auf das Feld führen soll. Ähnlich sieht es für die Southgate-Elf aus. Bei aller Gelassenheit - England braucht den Auftaktsieg, um nicht am Ende im dritten Gruppenspiel gegen die favorisierten Belgier unter Druck zu stehen.

Beim Afrikameister von 2004 gab es vorab personellen Wirbel. Die Ex-Bundesliga-Profis Änis Ben-Hatira und Aymen Abdennour verpassten die Nominierung, Coach Maaloul setzte verstärkt auf Profis aus den arabischen Ligen. Offen war bis zuletzt die Torhüterfrage, Mouez Hassen scheint sich durchgesetzt zu haben.

Southgate ließ im letzten Testspiel gegen Costa Rica die Torhüter Jack Butland und Nick Pope ran, doch Pickford scheint gesetzt. Der Everton-Keeper spielte gegen Nigeria 90 Minuten durch - es war sein dritter Länderspieleinsatz. Die viel zitierte Erfahrung hält Pickford ohnehin für überbewertet. „Man kriegt Erfahrung doch nur, indem man Spiele spielt“, sagte er. „Wenn man bereit ist, ist man bereit.“ Auf die Frage, wie weit England bei der WM kommen kann, ist Pickford ähnlich selbstbewusst wie Teamkollege Kane. „So weit, wie wir wollen“, sagte er, „wir haben ein wirklich starkes Team.“

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