mz_logo

WM
Montag, 24. September 2018 15° 2

Fussball-WM

Noch vier Siege bis zum WM-Pokal

Nach der Vorrunde ist das Turnier favoritenlos. Wir haben zum Start in den K. o.-Modus die Tendenzen zusammengetragen.
Von Claus-Dieter Wotruba

Ein üblicher Verdächtiger oder ein neuer Sieger im Weltfußball: Wer hält den WM-Pokal am 15. Juli in Händen? Foto: Marcus Brandt/dpa
Ein üblicher Verdächtiger oder ein neuer Sieger im Weltfußball: Wer hält den WM-Pokal am 15. Juli in Händen? Foto: Marcus Brandt/dpa

Frankreich versus Argentinien: Ein Vize fährt zum Start heim

Der WM-Titel fehlt Lionel Messi noch in der Sammlung. Foto: Juan Mabromata/afp
Der WM-Titel fehlt Lionel Messi noch in der Sammlung. Foto: Juan Mabromata/afp

Lionel Messi jagte nicht nur dreimal dem WM-Titel vergeblich hinterher, nein, er hat noch nicht mal ein Tor in einem K. o.-Spiel geschossen. Schon dass sollte sich im Achtelfinal-Auftaktspiel tunlichst ändern, wenn der Vize Europas (Frankreich) oder der Vize der Welt (Argentinien) rausfliegt. Argentitiniens Torhüter haben übrigens das Elfmeterhalten schon geübt. Sie könnten ja auch mal Jens Lehmann anfunken, wie das 2006 mit seinen Spickzetteln funktionierte. Und Trainer Jorge Sampaoli, der stets wie ein aufgescheuchtes Huhn an der Außenlinie entlangtigert, wird seriös: Er erwägt im 15. Spiel unter seiner Führung erstmals, das Team nicht zu verändern.

Uruguay versus Portugal: Ronaldo contra den Beton

Luis Suarez will mit Uruaguay, dem Weltmeister aus der Fußball-Steinzeit, neue Geschichte schreiben. Foto: Fabrice Coffrini/afp
Luis Suarez will mit Uruaguay, dem Weltmeister aus der Fußball-Steinzeit, neue Geschichte schreiben. Foto: Fabrice Coffrini/afp

Sagen irgendjemand die Namen Oscar Omar Miguez oder Alberto Suppici etwas? Vielleicht Fußball-Historikern: Ersterer war Fünffach-Torschütze für Uruguay 1950, letzterer ist mit 31 Jahren und 240 Tagen der bis heute jüngste Weltmeister-Trainer. Beide Male gewann Uruguay nämlich den Titel – und ist jetzt in Russland die einzige gegentorlose Mannschaft der Vorrunde. Luis Suarez und Edinson Cavani möchten jetzt Geschichte schreiben. Superstar Ronaldo tat das mit Portugals Europameistertitel und tut das immer auch gerne, vielleicht als Torschützenkönig. Und ein Viertelfinale Messi gegen Ronaldo hätte seinen ganz speziellen Reiz.

Spanien versus Russland: Duell der Fragezeichen

Hat Andres Iniesta vor seinem Abtauchen nach Japan noch einen Jubel-Auftritt uoder wackeln die Spanier weiter? Foto: Ozan Kose/afp
Hat Andres Iniesta vor seinem Abtauchen nach Japan noch einen Jubel-Auftritt uoder wackeln die Spanier weiter? Foto: Ozan Kose/afp

Auch die Spanier sind unsichere Kantonisten – obwohl sie zwei Jahre lang und 22 Spiele in Serie nicht verloren haben: Der Torwart wackelt, die Abwehr wackelt – sie haben mit fünf Gegentoren gemeinsam mit Argentinien die meisten Gegentore aller Achtelfinalisten kassiert. Das Duell gegen Gastgeber weckt Fragen: Reicht es für Iniesta angesichts des Trainerwirbels nochmal, bevor er nach der WM in Japan aus dem großen Fußball wegtaucht? Und wieviel Euphorie und Qualität haben die Russen?

Kroatien versus Dänemark: Die Gefahr der Unscheinbaren

Luka Modric: „Der größte kroatische Spieler der Geschichte“  Foto: Cezaro De Luca/dpa
Luka Modric: „Der größte kroatische Spieler der Geschichte“ Foto: Cezaro De Luca/dpa

Ja, Argentinien-Entzauberer Kroatien wäre jetzt so ein Team, dem man jetzt alles zutraut. Und wenn der eine Star den anderen Star vom Erzrivalen lobt, sagt das etwas. „Luka ist nicht nur der beste unserer aktuellen Spieler, er ist der beste kroatische Spieler der Geschichte“, sagte Barcelona-Kicker Ivan Rakitic über den Real-Madrid-Kollegen Modric. Dagegen spricht: Wer in der Vorrunde glänzte, hatte schon in der K. o.-Runde Probleme. Und die unscheinbaren Dänen mit ihren mickrigen zwei geschossenen Törchen sind so eine Hürde, die schon übersprungen scheint, bevor der erste Ball gerollt ist.

Brasilien versus Mexiko: Pech für den Weltmeisterbesieger

Trainer Tite hat Brasilien auf Kurs gebracht: Das Neymar-Team gilt vier Jahre nach dem 1:7-Desaster gegen Deutschland vor der K. o.-Runde als der vielleicht größte Favorit. Foto: Patrik Stollarz/afp
Trainer Tite hat Brasilien auf Kurs gebracht: Das Neymar-Team gilt vier Jahre nach dem 1:7-Desaster gegen Deutschland vor der K. o.-Runde als der vielleicht größte Favorit. Foto: Patrik Stollarz/afp

Die Mexikaner, die Südkorea für das Weiterkommen sogar danken mussten, haben sich das als selbstverschuldeter Gruppenzweiter eingebrockt: Wenn nämlich ein Team jetzt die Favoritenrolle hat, dann ist es Gegner Brasilien. Nach dem 1:7-Trauma 2014 gegen Deutschland wird Coach Tite Detailversessenheit nachgesagt, er hat für verringerte Neymar-Abhängigkeit und mehr Disziplin gesorgt. Es spricht alles dafür, dass die Mittelamerikaner nach ihrem Traumauftakt als Weltmeisterbesieger ein siebtes Mal in Folge in der Runde der letzten 16 die Koffer packen. Und Brasilien wird ein 227. Tor in seiner WM-Geschichte schießen und damit die alleinige Führung in dieser Statistik vor Deutschland übernehmen.

Belgien versus Japan: Zwei Nobody-Teams unter sich

Belgien war schon Weltranglisten-Erster – aber gleich Weltmeister? Foto: Xu Zijian/dpa
Belgien war schon Weltranglisten-Erster – aber gleich Weltmeister? Foto: Xu Zijian/dpa

Es ist das Duell der Teams mit den wenigsten Meriten: Belgien war immerhin schon mal Vierter, dazu einmal im Viertelfinale – und Weltranglisten-Erster. Japan kam nie über das WM-Achtelfinale hinaus und verspielte mit dem bösen Ballgeschiebe gegen Polen trotz 0:1-Niederlage zur Sicherung des Weiterkommens per Fairplay-Wertung Sympathien. Aber wahrscheinlich erledigt sich das sowieso: Dem Sieger winkt nämlich Brasilien.

Schweden versus Schweiz: Der neue Liebling der Deutschen

Auch wenn er nicht mehr mitspielen darf: Plötzlich ist auch Zlatan Ibrahimovic nicht Kriker, sondern Fan des Schweden-Teams. Foto: Peter Powell/dpa
Auch wenn er nicht mehr mitspielen darf: Plötzlich ist auch Zlatan Ibrahimovic nicht Kriker, sondern Fan des Schweden-Teams. Foto: Peter Powell/dpa

Deutsche müssten Schweiz-Fans werden, denn: Von 67 gestarteten Deutschland-Legionären sind 37 im Rennen – mit zehn stellt die Schweiz das größte Kontingent. Die Schweden kamen mit dem wenigstens Ballbesitz aller Teams (37,9 Prozent) weiter und haben ihren Chefkritiker überzeugt. „Ich habe die Welt übernommen, jetzt übernimmt Schweden die Welt“, sagte Chef-Exzentriker Zlatan Ibrahimovic gewohnt bescheiden.

Kolumbien versus England: Kane und Co. wittern Morgenluft

Zuletzt geschont, trotzdem vorne in der Torschützenliste: Harry Kane und die Engländer trauen sich mal wieder twas zu. Foto: Patrick Hertzog/afp
Zuletzt geschont, trotzdem vorne in der Torschützenliste: Harry Kane und die Engländer trauen sich mal wieder twas zu. Foto: Patrick Hertzog/afp

Noch möchte es keiner so recht glauben: „Football is coming home“ singen sie auf der Insel seit dem glorreichen (das Wembley-Tor mal ausgenommen!) WM-Titel von 1966. Jetzt wecken die „Three Lions“ mit den Kolumbianern, die noch nie gegen sie gewonnen haben und um ihren angeschlagenen Bayern-Star James Rodriguez zittern, auf einmal ungeahnte Hoffnung in der vermeintlich schwächeren Hälfte des Tableaus mit Spanien, Russland, Kroatien, Dänemark, Schweden und der Schweiz. Seit 1990 haben die Engländer nur zweimal die erste K. o.Runde überstanden. Doch diesmal haben Harry Kane, der mit fünf Treffern Führende der Torschützenliste, Morgenluft gewittert.

Der Autor Claus Wotruba: Von klein auf und seit 1974 bewusst fiebert der MZ-Sportredakteur bei WM-Turnieren mit – nicht nur mit Deutschland, gerne auch mal mit Brasilien, den Niederländern oder einem Außenseiter. Und diesmal? Der Wunsch ist, dass Messi den WM-Pokal hält. Übrigens war er das schon vor dem deutschen Aus.

Infos zur Fußball-WM in Russland:

Alle Nachrichten rund um die Fußball-Weltmeisterschaft finden Sie hier.

Weitere Sportnachrichten lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht