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Dienstag, 17. Juli 2018 30° 3

Fussball

Russland nach 5:0 erleichtert

Die Gastgeber freuen sich über einen „märchenhaften Start“. Die Deutschen beschäftigen Gerüchte über einen Wechsel Gündogans.

Auch WM-Maskottchen „Sabiwaka“ war bei der Eröffnungsfeier natürlich vor Ort. Foto: Federico Gambarini
Auch WM-Maskottchen „Sabiwaka“ war bei der Eröffnungsfeier natürlich vor Ort. Foto: Federico Gambarini

Moskau. Mit Stolz und Erleichterung haben Russlands Medien auf den 5:0-Sieg des WM-Gastgebers im Eröffnungsspiel gegen Saudi-Arabien reagiert. „Tief aufgeatmet“ habe das ganze Land, schrieb etwa das Fachblatt „Sport-Express“ und titelte unter Anspielung auf den international beliebten Handschlag: „Give me five!“ Die Tageszeitung „Kommersant“ nannte den Erfolg einen „märchenhaften Start“. In der Hauptstadt feierten zahlreiche russische Fans bis tief in die Nacht den Sieg mit „Rossija, Rossija“-Sprechchören und Fahnenschwenken.

Nationaltrainer Stanislaw Tschertschessow warnte aber nach dem Spiel vor verfrühter Euphorie. „Die WM fängt erst an. Wir haben drei Punkte, im Grund hat sich nichts geändert“, sagte der Coach mit Verweis auf die weiteren Spiele der Russen gegen Ägypten und Uruguay.

„Gut gemacht – weiter so!“

Wladimir Putin

Nichtsdestotrotz hatte Staatspräsident Wladimir Putin Tschertschessow noch während der Pressekonferenz angerufen und ihm aufgetragen: „Gut gemacht – weiter so!“ Putin hatte das Spiel im aufwendig umgebauten Luschniki-Stadion in einer Ehrenloge zusammen mit FIFA-Präsident Gianni Infantino und Kronprinz Mohammed bin Salman verfolgt.

Juri Gasinski (12.), Denis Tscheryschew (43./90.+1), Artjom Dsjuba (71.) und Alexander Golowin (90.+4) besiegelten vor 78 011 Zuschauern und Millionen Fans an den Bildschirmen den erhofften Auftaktsieg. Zuvor hatte es sich Putin nicht nehmen lassen, die WM mit einer Rede zu eröffnen, in der er von einem „Feiertag des Weltsports“ sprach. Das 5:0 war der höchste Sieg in einem WM-Auftaktspiel seit 1934.

„Gut sein ist eine Sache. Gut zur richtigen Zeit zu sein, darauf kommt es an.“

Denis Tschertschessow

Der Gastgeber, der laut Weltrangliste der schlechteste WM-Teilnehmer ist, feierte ausgerechnet im Eröffnungsspiel den ersten Sieg seit 240 Tagen. „Gut sein ist eine Sache. Gut zur richtigen Zeit zu sein, darauf kommt es an“, sagte Tschertschessow fast schon triumphierend, nachdem er in den vergangenen Monaten nahezu verspottet worden war. Saudi-Trainer Juan Antonio Pizzi war restlos bedient: „Wir haben nicht verloren, weil sie so gut, sondern weil wir so schlecht waren.“

Joseph Blatter will am Dienstag kommen

Glückwünsche für Russland kamen auch vom früheren FIFA-Präsidenten Joseph Blatter. Der 82-Jährige will am kommenden Dienstag nach Moskau fliegen. Der Schweizer folge einer Einladung Putins, hieß es. Derzeit ist Blatter für sechs Jahre von allen Fußball-Aktivitäten gesperrt. Ein Tribünenbesuch bei der WM wäre ihm damit aber nach derzeitiger Auslegung der FIFA-Statuten nicht untersagt. Zur Zeit der WM-Vergabe an Russland im Dezember 2010 war Blatter noch FIFA-Chef.

Am Freitag (20 Uhr MESZ) startet Ex-Weltmeister Spanien in Sotschi gegen Portugal in die Fußball-WM. Im Duell gegen den Europameister um Real Madrids Torjäger Cristiano Ronaldo wird der bisherige Sportdirektor Fernando Hierro erstmals als Interimscoach der Spanier fungieren. Im zweiten Spiel der Gruppe B stehen sich in St. Petersburg die Außenseiter Marokko und Iran gegenüber (1 Uhr MESZ). Zum Auftakt des zweiten Turniertags spielt in Gruppe A in Jekaterinburg (14 Uhr MESZ) Ägypten gegen Uruguay.

Ilkay Gündogan könnte Andrés Iniesta beim FC Barcelona ersetzen. Foto: Christian Charisius
Ilkay Gündogan könnte Andrés Iniesta beim FC Barcelona ersetzen. Foto: Christian Charisius

Die deutsche National-Elf beschäftigen unterdessen Gerüchte, Nationalspieler Ilkay Gündogan stehe auf der Liste der Kandidaten für die Nachfolge von Andrés Iniesta beim FC Barcelona. Der spanische Fußball-Meister beschäftigt sich nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung erneut mit einem möglichen Transfer des Mittelfeldspielers von Manchester City, der schon 2016 dicht vor einem Wechsel zu den Katalanen stand. Bei Barça wird zur neuen Saison ein Platz in der Mittelfeld-Zentrale frei, weil der 34 Jahre alte Superstar Iniesta nach Japan zu Vissel Kobe wechselt.

Gündogan hat in Manchester noch einen Vertrag bis ins Jahr 2020. Der 27-Jährige steht vor dem WM-Auftakt der Nationalmannschaft gegen Mexiko am Sonntag im Zentrum einer heftigen Integrationsdebatte, nachdem er und Teamkollege Mesut Özil sich mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan getroffen hatten.

Wie konkret die Bemühungen von Barcelona um eine Verpflichtung Gündogans sind, ist offen. Zuletzt waren die Bemühungen der Katalanen gescheitert, den französischen Topstürmer Antoine Griezmann von Atletico Madrid nach Barcelona zu locken.

Diego Maradona verfolgt das Eröffnungsspiel der WM. Foto: Hassan Ammar/AP
Diego Maradona verfolgt das Eröffnungsspiel der WM. Foto: Hassan Ammar/AP

Eine kuriose Szene ereignete sich am Rand der WM: Als Weltklassespieler dribbelte sich Diego Maradona auch an den stärksten Abwehrspielern vorbei – aber gegen russische Sicherheitskräfte hatte der Argentinier am Donnerstag keine Chance.

Angehörige der Sondereinheit Omon erkannten den berühmten Fußball-Weltmeister von 1986 am Moskauer Luschniki-Stadion nicht und verweigerten ihm trotz heftiger Proteste den Durchgang zum Parkplatz, wie russische Medien berichteten.

Ungeachtet inständiger Bitten von Maradonas Delegation blieb der Zaun geschlossen, und der 57-Jährige musste einen Umweg nehmen. Maradona hatte in Moskau das WM-Eröffnungsspiel Russland gegen Saudi-Arabien (5:0) besucht.

Infos zur Fußball-WM in Russland:

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