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Fussball

Russland nach Einzug ins WM-Viertelfinale im Freudentaumel

Kaum einer hat WM-Gastgeber Russland eine Chance gegeben, das Achtelfinale zu erreichen. Die Russen selbst sind traditionell die größten Kritiker ihrer Sbornaja. Doch beim überraschenden Einzug ins Viertelfinale zeigen die Fans: Sie können auch anders.
Von Thomas Körbel, dpa

Die Russen feiern den Einzug der Sbornaja ins Viertelfinale. Foto: Scott D'arcy/PA Wire
Die Russen feiern den Einzug der Sbornaja ins Viertelfinale. Foto: Scott D'arcy/PA Wire

Moskau.Mit Hupkonzerten, Autokorsos und Jubelrufen haben Zehntausende Russen das Zentrum von Moskau zur Fanmeile gemacht.

Wenige Minuten nach dem 4:3-Sieg von WM-Gastgeber Russland im Elfmeterschießen über Mitfavorit Spanien verließen zahlreiche Fußballfans die Sportbars und feierten ausgelassen den überraschenden Einzug ihrer Sbornaja in das Viertelfinale der Weltmeisterschaft.

„Ich habe keine Stimme mehr, so viel habe ich schon geschrien vor Freude“, sagte Andrej, der mit seiner Frau Natascha auf die Nikolskaja Straße unweit des Kremls gekommen war. „Wir sind so froh. Die Stimmung hier ist toll. Das war eine gute Idee, das hier in der Nähe des Roten Platzes zu organisieren“, sagte Natascha.

Wohl selten hat die beliebte Einkaufsstraße Nikolskaja mit ihren Souvenirgeschäften einen solchen Menschenansturm gesehen. Fußballfans aus aller Welt haben sie während der WM in Beschlag genommen und in einen Partyhotspot verwandelt. Die Stadt hatte schnell reagiert und nachträglich Metalldetektoren aufgestellt, um die Sicherheit zu gewährleisten. Nach dem Sieg der Sbornaja im Achtelfinale wurde die Straße im Herzen Moskaus nun Schauplatz eines spontanen Volksfestes.

Wildfremde Menschen umarmten sich. Immer wieder brandeten Rossija-Rossija-Rufe auf. Russen in ihren Nationalfarben Weiß, Blau und Rot machten Selfies mit ausländischen Gästen in brasilianischen Trikots oder mit mexikanischen Sombreros. Waghalsige kletterten unter den skeptischen Blicken von Polizisten auf Laternen und hissten über den Köpfen der Menge die russische Flagge.

Nur wenige Meter weiter am Zugang zur Nikolskaja drängten sich die Menschen vor den Metalldetektoren, um auch auf die Partymeile zu gelangen. Wer konnte, wollte teilhaben an der allgemeinen Gelöstheit, nicht nur in Moskau. Auch in der russischen Provinz wurde ausgelassen gefeiert, wie Medien berichteten. In sozialen Netzwerken überschlugen sich Fans der Sbornaja mit Lob für die kämpferische Leistung gegen Spanien. Vor allem einer wurde dort zum Helden des Abends erhoben: Torhüter und Elfmeterkiller Igor Akinfejew. „Du bist einfach unser Kosmos“, schrieb ein Fan bei Twitter.

Der 24-jährige Maxim auf der Nikolskaja Straße war aber nicht nur von Akinfejew begeistert. „Heute sind alle in der Mannschaft Helden“, sagte er. „Und hier auf der Straße sind auch alle Helden.“

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