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Teamgeist statt „Ego-Denken“

In Südtirol soll die Grundlage für einen neuen Spirit gelegt werden. Löw muss seine Mannschaft motivieren.
Von Jens Mende und Klaus Bergmann, dpa

Die mannschaftliche Geschlossenheit soll in Russland ein Trumpf der deutschen Nationalmannschaft sein. Foto: Christian Charisius/dpa
Die mannschaftliche Geschlossenheit soll in Russland ein Trumpf der deutschen Nationalmannschaft sein. Foto: Christian Charisius/dpa

Eppan.Joachim Löw hat nur noch wenige Tage Zeit bis zur finalen Kader-Auslese, doch von Anspannung bei seinen Spielern ist im malerischen Südtirol wenig zu spüren. Zum Start in die neue Trainingswoche im WM-Vorbereitungscamp spielten sich die Weltmeister Thomas Müller, Mats Hummels und Sami Khedira bestens gelaunt die Bälle zu. Wenige Meter weiter führten die WM-Neulinge Timo Werner, Julian Brandt und Marvin Plattenhardt einen lockeren Plausch.

„Das Ego-Denken hat bei uns kein Spieler.“

Miroslav Klose

„Das Ego-Denken hat bei uns kein Spieler“, sagt der einstige Weltklassestürmer Miroslav Klose. Der Weltmeister von 2014 ist diesmal als Trainer für die Offensivkräfte im DFB-Tross dabei. Der Mannschaftsgeist war bei der triumphalen WM in Brasilien laut Löw eine der größten Stärken. Doch das ist Vergangenheit. „Jetzt sind wir am Anfang. Es ist eine andere Mannschaft. Der Teamgeist muss sich bilden“, sagt der Bundestrainer. Die Geschlossenheit soll auch in Russland ein Trumpf sein. „Bei uns war es immer so: Jeder einzelne Spieler weiß es zu schätzen, dass alles von der Mannschaft kommt. Das ist das A und O“, betont WM-Rekordtorschütze Klose. „2014 war es etwas Besonderes. Aber das hat sich auch erst mit der Zeit entwickelt“, sagte Weltmeister Julian Draxler gestern zum Geist von Brasilien. „Man kann es jetzt noch nicht vergleichen. Wir müssen es ähnlich hinkriegen, dass wir als Einheit auftreten.“ Allerdings sei das auch keine Garantie für die Titelverteidigung.

Kein Superstar – kein Nachteil

Miroslav Klose bereitet eine Trainingseinheit vor. Foto: Christian Charisius/dpa
Miroslav Klose bereitet eine Trainingseinheit vor. Foto: Christian Charisius/dpa

Einen herausstechenden Superstar wie bei Portugal Cristiano Ronaldo, Lionel Messi bei Argentinien oder Neymar in Brasiliens Team hat auch der deutsche WM-Jahrgang 2018 nicht. Ein Nachteil muss das nicht sein. „Ich bin der festen Überzeugung, dass Einzelspieler nur glänzen können, wenn die Mannschaft intakt ist“, betont Klose, der sich trotz seiner 16 Tore bei WM-Turnieren und insgesamt 71 Treffern in 137 Länderspielen immer als Teamplayer definiert hatte.

Klose sieht gerade in Löw einen Garanten für ein harmonisches, aber zugleich leistungsförderndes Klima in der Mannschaft. „Er hat ein Gespür für Spieler, für den Zusammenhalt in der Gruppe. Er weiß, wann er jemanden kitzeln muss“, bemerkt der 39-jährige Klose. Damit fördert Löw auch die Individualität, die in den vergangenen Jahren im deutschen Fußball ein wenig vernachlässigt worden war. Natürlich können auch im DFB-Team Profis wie Thomas Müller, der Mann mit dem speziellen WM-Gen, den Unterschied ausmachen. „Er hat bei seinen ersten zwei WM-Turnieren jeweils fünf Tore gemacht, so wie ich 2002 und 2006. Und ich sehe ihn notfalls auch als Stürmer. Von mir aus kann Thomas gerne zehn Kisten in Russland machen“, sagt Klose: „Er hat einen guten Abschluss und er macht gute Laufwege für seine Mitspieler. Thomas Müller finde ich einfach super.“

Löw muss sowohl Stars wie den viermaligen Champions-League-Sieger Toni Kroos, der nach dem Finalsieg mit Real Madrid gegen den FC Liverpool erst am Samstag nach Eppan kommen wird, als auch Spieler aus der zweiten Reihe motivieren. „Unsere Aufgabe ist, dass alle im Flow sind, dass sich alle Spieler dazugehörig fühlen und ihre Wichtigkeit sehen“, sagt der DFB-Chefcoach. Vor vier Jahren hatte Löw das geschafft und ein funktionierendes Team aufgestellt. „Man kann keine WM vergleichen“, mahnt Klose. Aber beim Confed Cup habe er gesehen, dass Qualität und Talent nachkomme, bemerkt Klose. Auch 2017 funktionierte der Teamgeist in Russland. „Wir waren eine junge Mannschaft, waren ehrgeizig. Wichtig war der Zusammenhalt“, sagt Abwehrspieler Antonio Rüdiger vom FC Chelsea zum Titelgewinn.

Der russische Botschafter in Berlin, Sergej Netschajew, verspricht eine sichere WM:

„Genießen Sie die Gastfreundschaft“

  • Fans aus aller Welt

    müssen bei der Fußball-WM nach Angaben des russischen Botschafters in Berlin, Sergej Netschajew, nicht um ihre persönliche Sicherheit fürchten. „Normalerweise kümmern wir uns sehr um die Sicherheit und ich bin absolut sicher, dass die Maßnahmen, die ergriffen werden, während der Austragung der Spiele sehr zuverlässig sein werden“, sagte Netschajew.

  • „Keine Sorgen

    , liebe Kolleginnen und Kollegen, kommen Sie nach Russland und Sie werden die russische Gastfreundschaft genießen. Ich kann absolut sicher sagen: Wir sind bereit. Wir freuen uns auf die Fußballspieler, wir freuen uns auf die zahlreichen Besucher, auf die Touristen.“ (dpa)

Neuer ist auf gutem Weg

Bei der WM-Generalprobe 2017 war zudem der Leipziger Timo Werner (22) als Torschützenkönig durchgestartet. Aber eine WM ist auch für ihn eine andere Kategorie. „Ich sehe ihn als fantastischen Spieler an, aber noch nicht in der Weltklasse“, urteilt Klose. „Er ist schon richtig weit. Aber er kann noch so viel lernen.“

Torwart Manuel Neuer in Aktion beim Training. Foto: Christian Charisius/dpa
Torwart Manuel Neuer in Aktion beim Training. Foto: Christian Charisius/dpa

Die öffentliche Aufmerksamkeit bekam auch zu Beginn der neuen Trainingswoche Manuel Neuer. Der nach achtmonatiger Wettkampfpause weiter um seine hundertprozentige Fitness ringende DFB-Kapitän beruhigte in einem DFB-Video die Skeptiker: „Der Fitnesszustand ist gut. Ich denke, dass die Trainer sehr zufrieden sind, auch die Fitnesscoaches. Sie haben mich in einen sehr guten Zustand bekommen.“

Löw hat Neuer die Nummer-eins-Garantie für die Weltmeisterschaft in Russland gegeben, falls der mehrmalige Welttorhüter keinen Rückschlag mehr erleidet. „Ich sehe ihn im Training wie in alten Zeiten. Wir müssen zwar abwarten. Aber ich hätte auch jetzt genauso eine Ehrfurcht vor Manuel Neuer, wenn ich wieder vor ihm stehe als Stürmer, wie früher“, sagt Klose: „Da hat sich nichts geändert.“

Infos zur Fußball-WM in Russland:

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