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Mittwoch, 15. August 2018 27° 3

Fussball

Weltmeister nach Besuch beim Präsidenten nur kurz zu sehen

Die Fußball-Weltmeister werden in der Hauptstadt gefeiert - doch nicht alle Fans sind glücklich. Tausende warteten vergeblich vor einem Hotel auf Frankreichs Team. Wird das Volk seiner Helden beraubt?

Stundenlang harrten die Menschen auf den Champs-Élysées aus um dann nur einen kurzen Blick auf die Weltmeister werfen zu können. Foto: Eric Feferberg/AFP Pool/AP
Stundenlang harrten die Menschen auf den Champs-Élysées aus um dann nur einen kurzen Blick auf die Weltmeister werfen zu können. Foto: Eric Feferberg/AFP Pool/AP

Paris.Die triumphale Rückkehr der Fußball-Weltmeister hat in Paris nicht nur Jubel, sondern auch Enttäuschung ausgelöst. Tausende Anhänger warteten in der Nacht zum Dienstag vergeblich vor dem Luxushotel Crillon.

Im Crillon hatte die Équipe de France bereits 1998 ihren Sieg gefeiert und vom Balkon aus den Pokal geschwenkt. Doch die Mannschaft um Antoine Griezmann und Kylian Mbappé blieb beim Empfang des Präsidenten Emmanuel Macron im Élyséepalast und kam - entgegen Gerüchten - nicht zur Edelherberge an der Place Concorde im Herzen der Hauptstadt. Fans machten ihrem Ärger Luft, aus der Menge flogen Flaschen auf Sicherheitskräfte. Die Polizei räumte laut Tageszeitung „L'Equipe“ die Umgebung des Hotels.

Ein Besuch der „Bleus“ im Hotel Crillon sei nie geplant gewesen, wie der Sprecher des Nationalteams dem Radionachrichtensender Franceinfo sagte. Wegen der Élysée-Feier sei das Volk „seiner Helden beraubt“ worden, kritisierte die Zeitung „Libération“.

Die Weltmeister waren am Montag nach ihrer Rückkehr aus Russland von Hunderttausenden bei hochsommerlicher Hitze auf den Champs-Élysées gefeiert worden. Der lang ersehnte Moment war aber schnell vorbei: Zwölf Minuten – so lange dauerte die Fahrt der „Bleus“ auf der Prachtstraße laut Zeitung „Le Parisien“.

Stürmer Olivier Giroud zeigte sich überwältigt vom Empfang der Fans. „Das ist etwas Außergewöhnliches. Ich glaube, wir haben angefangen, uns der Wirkung dessen, was wir getan haben, bewusst zu werden, als wir gestern die Champs-Elysées heruntergefahren sind“, sagte er dem Fernsehnachrichtensender BFMTV. „Das hat uns das Herz erwärmt“, fuhr er fort. „Die Franzosen so zu vereinen, das war wirklich einmalig.“ Er glaube, zur Zuversicht der Franzosen beigetragen zu haben, und das mache ihn sehr stolz.

Schon am Sonntag hatte eine riesige Menschenmenge auf dem Vorzeigeboulevard im Westen der Hauptstadt den 4:2-Sieg gegen Kroatien überschwänglich gefeiert. Auch in der Nacht zum Montag kam es zu Krawallen.

Laut Radionachrichtensender Franceinfo waren immer noch 31 Menschen in Polizeigewahrsam, unter ihnen acht Minderjährige. Auf den Champs-Élysées und in der Umgebung wurden nach Angaben der Polizeipräfektur etwa ein Dutzend Geschäfte beschädigt, so gingen Schaufensterscheiben zu Bruch. Es gab auch Diebstähle, laut Medienberichten wurde etwa ein bekanntes Geschäft geplündert. In ganz Frankreich hatte die Polizei nach Ausschreitungen in der Nacht zum Montag zusammen 292 Menschen in Gewahrsam genommen.

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