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Ach, ist der Rasen schön grün

Manches Mal führt die Farbe uns im Sport in die Irre. Es muss nicht immer Fußball sein – und Rasen ist auch nicht immer grün.
Von Claus-Dieter Wotruba

Regensburg.Ach, ist der Rasen schön grün. Wir müssen unbedingt mal wieder Loriot bemühen und ihm huldigen – auch wenn dieser Spruch und der Ursprungstext im Original gar nicht von ihm stammt und erst durch Loriot so richtig berühmt wurde. Und auch, wenn die Assoziation von „Rasen“ und „grün“ in diesem Fall in die Irre führt. Denn dieser Sketch, in dem der Rasen so schön grün ist, spielt nicht im Fußball, wie man vielleicht – und besonders dieser WM-Tage – so zwingend glauben möchte. Er heißt „Auf der Rennbahn“, es geht um Pferde und ist eng verknüpft mit der Frage eines gänzlich unbedarften Zuschauers: „Wo laufen Sie denn?“

Tatsächlich findet auf Rasen durchaus auch anderer Sport statt. Und schon im Fußball ist der Rasen nur da schön grün, wo er in den großen Stadien dieser Welt mehrfach pro Saison ausgetauscht wird. Oder, wo er gehegt und gepflegt ist, wie es bei so manchem Dorfverein passieren kann – oder wo er inzwischen sogar künstlich ist.

Ach, ist der Rasen schön grün. Selbstverständlich weckt das in diesen Tagen noch andere Assoziationen zu einem anderen Großereignis. Aber auch da führt uns die Farbe auf eine falsche Fährte. Denn am zehnten, elften Tag des Tennis-Turniers von Wimbledon ist der Rasen schon längst nicht mehr grün – und neuen Rollrasen wie beim Fußball verlegen sie hier auch nicht. An der Grundlinie des Feldes ist der Rasen längst bräunlich – und am Netz ist es auch nicht mehr satt grün.

Grün gilt als Farbe der Hoffnung. Die deutschen Hoffnungen haben sich in Wimbledon bisher zumindest bei den Damen mehr als erfüllt. Wahrlich niemand musste sich grün und blau ärgern: Der in Grand-Slam-Turnierzeiten einmalige Halbfinal-Einzug der Damen Kerber und Görges ist sporthistorisch.

Und wir suchen nach einer neuen sprachlichen Färbung, besonders mit Blick auf den Verein von Julia Görges in Regensburg. Gewänne sie, würden wir uns Rot und Blau freuen.

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