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Brot, Spiele und Win-win

Stell dir vor, es ist Leichtathletik-WM und keiner geht hin - in Zukunft wird das überhaupt kein Problem sein.
Von Angelika Sauerer

Man muss zugeben, dass seit der Antike die Idee wunderbar funktioniert hat, Menschen mit öffentlich dargebotenen Leibesübungen zu unterhalten. Zahlreiche Stadien und Amphitheater zeugen davon, man legte Turnierplätze für Ritterspiele an, errichtete spezielle Arenen für alle möglichen Sportarten. „Brot und Spiele“ wolle das Volk, beklagte der römische Satiriker Juvenal den Hunger nach Entertainment und mehr oder weniger sinnfreiem Spektakel. Dafür lassen sich die Massen von den Mächtigen kaufen.

Nicht viel hat sich daran bis in die postmoderne Zeit hinein geändert. Stadien schießen immer noch allerorten wie Pilze aus dem Boden. Indes, keiner geht mehr hin – jedenfalls sind es nicht besonders viele, die den Wettkämpfen der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Doha beiwohnen. Leere Ränge, wohin man schaut, während auf dem Feld eine wackere Riege von Modellathletinnen und -athleten ihre Besten ermitteln. Als sich Niklas Kaul mit einem Wahnsinnslauf zum König der Leichtathleten krönte, fand das mehr oder weniger unter Ausschluss der analogen Öffentlichkeit statt. Die Stadionrunde mutete an wie eine intime Feier unter Freunden. Allerdings, so scheint es, macht das wenig, solange die Kameras tolle Bilder in die Welt schicken.

Freilich hat die mangelnde Präsenz mit dem Ort zu tun. Doha liegt nicht um die Ecke und eine Leichathletikhochburg ist es auch nicht. Macht nichts, denn die Zukunft sieht rosig aus. Stadien landen dann wie Ufos in den unwirtlichsten Gegenden der Welt. Dort stören sie niemanden. Das mit dem Klima läuft auch prima: Riesendüsen sorgen für angenehme 26 Grad und stabilen Rückenwind von einem Meter pro Sekunde. Die eingesparten Flugreisen machen den zusätzlichen Energieaufwand mehr als wett. Denn das Sofa zuhause dient den Zuschauern als Fortsetzung der Tribüne, auf deren harten Sitzschalen - vermutlich werden wir das bald erleben - stattdessen animierte Avatare Platz nehmen. Man könnte sogar Eintritt von allen verlangen, die mit ihrem Konterfei vor Ort sein wollen. Alles in allem eine Win-win-Situation.

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