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Samstag, 24. Februar 2018 1

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Eins kann ihm keiner nehmen

Thomas Dreßen hat’s getan: Ein Sieg an einem Mythos-Ort ist mehr wert als manch anderer Erfolg. Er könnte Flügel verleihen.
Von Claus-Dieter Wotruba

Regensburg.Ja, es gibt sie, diese Sport-Mythen. Ein einziger Sieg an so einem besonderen Ort kann mehr wert sein als ein ganzes Packerl an Erfolgen. Wer zum Beispiel den Tennisschläger schwingt, träumt von einem, wenigstens einem einzigen Wimbledonsieg – und würde ihn sicher eintauschen für nahezu jeden Triumph jenseits der Grand-Slam-Turniere. Ein Triathlet fände Ironman-Siege in Südafrika, Frankfurt oder Kopenhagen zwar bestimmt wunderschön, träumt aber vor allem von Platz eins auf Hawaii.

Schon klar, niemand kann sich solche Siege aussuchen – auch wenn es manchmal so aussieht, auch unter den Skifahrern. Zwei Beispiele: Ein Frank Wörndl gewann kein einziges Weltcup-Rennen, war aber Slalom-Weltmeister und holte Olympia-Silber. Und ein Markus Wasmeier stand nie in einem Weltcup-Riesenslalom ganz oben und ist doch Olympiasieger und Weltmeister in genau dieser Disziplin.

Jetzt also Dreßen, Thomas Dreßen – ein Name, dessen Status sich in exakt einer Minute, 56 Sekunden und 15 Hundertstel grundlegend veränderte und durch alle Nachrichtensendungen ging. Ein Sieg auf der Streif in Kitzbühel ist wie ein Wimbledon- oder Hawaii-Sieg einer für die Ewigkeit. Dass ein Deutscher im Austria-Mekka des Skisports gewinnt, ist so, als würde Österreich Fußball-Weltmeister oder noch überspitzter, als würde der Frauenbob aus Nigeria in Korea nicht nur starten, sondern eine Medaille gewinnen.

Dreßen steht jedenfalls unvermittelt in einer Reihe mit Abfahrts-Koryphäen wie Franz Klammer, Pirmin Zurbriggen, Toni Sailer – oder Sepp Ferstl dem bislang einzigen deutschen Hahnenkamm-Gewinner der Weltcup-Historie. Schon haben manche Muffensausen, viele könnten jetzt glauben, der bislang eher unbekannte Herr Dreßen würde gleich auch Olympiasieger werden müssen. Ach, nein: Nach Kitzbühel hat er nur den schönen Vorteil eines Sieges, den ihm niemand mehr nehmen kann – und der Flügel verleihen könnte.

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