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Erziehung zum Respekt

In Italien wurde einem Nachwuchstrainer gekündigt, weil er seine Jungs mit 27:0 gewinnen ließ: Was das für uns bedeutet
Von Angelika Sauerer

Wie immer an dieser Stelle verhandeln wir hier Grundsatzfragen des Zusammenlebens, die im sportlichen Aufeinandertreffen zutagetreten. Im Eifer des Gefechts wird es menschlich, bisweilen allzu menschlich. Nicht immer kommt dabei die beste Seite des Homo sapiens zum Vorschein. Ausnahmen bestätigen die Regel und werden mit Fair-Play-Preisen belohnt. Meistens freilich blicken wir in tiefe Abgründe des Foulspiels und Nachtretens, von Raffgier, Neid und Hybris. Ach, hätten doch nur alle mehr Respekt voreinander!

Dass man im Sport fürs Leben lernt, ist eine Binsenweisheit. Allerdings können einem leicht die Haare zu Berge stehen, bei dem Inhalt der Lektionen, von „Mia san mir“ über „We are the champions“ bis hin zu „The winner takes it all“. Insofern hat der Präsident des italienischen Fußballclubs ASD Invictasauro, Paolo Brogelli, nicht ganz unrecht, wenn er darauf pocht: „Die Trainer müssen den Spielern auch den Respekt gegenüber den Gegenspielern beibringen.“ Postwendend kündigte er seinem Nachwuchstrainer Massimiliano Riccini, da der gute Mann in dieser Hinsicht total versagt habe. Sein Team hatte gegen Marina Calcio einen 27:0-Sieg eingefahren. „Wir haben mit Bedauern und Staunen den Ausgang der Partie registriert. Unsere Trainer haben nicht in erster Linie die Aufgabe, die Spieler zu trainieren, sondern die Jugendlichen zu erziehen“, befand Brogelli.

Aus diesem Erziehungsmodell folgen hoffentlich keine Konsequenzen für künftige italienisch-deutsche Partien. In den bisher 35 Begegnungen gewann die deutsche Nationalmannschaft neunmal, die italienische 15-mal, der Rest endete unentschieden. Besteht die Gefahr, dass Italien uns bald so viel Achtung entgegenbringt, dass es die nächsten Spiele freiwillig abgibt? Das wäre der Gipfel der Respektlosigkeit – ein geschenkter Sieg, nein danke! Wie wusste schon Wilhelm Busch: „Der Neid ist die höchste Anerkennung.“

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