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Fairplay gibt’s eben nicht überall

Selbst in England liegen zwischen vorbildlichem Verhalten und perfekter Vorteilssuche nur ein paar Tage.
Von Claus-Dieter Wotruba

Regensburg.Ehrlich währt am längsten. Ist ein hübscher Spruch. Er fällt in die Kategorie der so oft beschworenen Werte, die alle gerne hätten, aber die auch gelebt werden wollen. Mal sehen, wie es aussieht, wenn die prall gefüllte Geldbörse mit 5000 Euro auf der Straße liegt und man sie aufhebt. Na, was macht man dann damit?

Ehrlich währt am längsten. Superwitzig im Sport, wo sich Lug und Trug der Gesellschaft so gerne abbilden. Der eine hilft mit Mittelchen nach, der andere schaltet gezielt den besten Mann des Gegners aus. Oder fällt beim Fußballspielen im Strafraum geschickt zu Boden und schaut, ob sich so ein Elfmeter schinden lässt. Einer, der frei Schnauze redet wie Freiburgs Coach Christian Streich, hat sinngemäß gerade beklagt, dass sich schon drei Hände nach oben recken, wenn der Ball auch nur in den Sechzehner segelt. Nur, um vielleicht eben so einen Elfmeter zu erhaschen. Selbstverständlich verurteilt man die anderen und tut es selbst, wenn es einen eigenen Vorteil bringt.

Böse, böse Welt? Mitnichten. Es ist eine Woche her, dass der Glauben geschürt wurde, dass Fairplay lebt, auch wenn es um etwas geht. England gilt als Hüter des guten Umgangs und bestätigte seinen Ruf im Kampf um den Aufstieg in die erste Liga. Für die, die noch nicht davon gehört haben: Leeds ging in Führung, als ein gegnerischer Spieler von Aston Villa verletzt am Boden lag. Das fand selbst Leeds-Coach Marcelo Bielsa nicht okay und ordnete das 1:1 vom Anstoß weg an – was ein Spieler nicht mitbekam und fast verhindert hätte. Hinterher wurde Bielsa gefeiert und machte nicht viel Aufhebens um sich. „Der englische Fußball ist weltweit bekannt für seine Fairness“, sagte er kurz und knackig.

Und gilt nicht überall in England. Im Abstiegskampf der dritten Liga etwa. Plymouths angeschlagener Keeper wollte den Ball ins Aus rollen, Scunthorpes Spieler nahm das Leder auf und traf per Bogenlampe zum 2:2. Plymouth gewann dennoch. Ehrlich währt am längsten. Hoffentlich.

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