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Himmlischer Fußball, sportlicher Glaube

Taufe: nein Danke! – Vereinsmitgliedschaft: ja bitte! Die Kirche will sich vom Sport eine Scheibe abschneiden.
Von Antonia Küpferling

Regensburg.Die großen Kathedralen der Moderne stehen in Städten wie Dortmund, München oder Berlin und hören auf wohlklingende Namen wie Signal Iduna Park, Allianz Arena oder Olympiastadion (der Name erinnert natürlich zurecht an die großen Götter des Olymp!). Woche für Woche pilgern tausende Gläubige – vom voll überzeugten Dauerkartenbesitzer bis hin zum Gelegenheitsfan, der sein Ticket mit Glück ergattert hat – in die Tempel, um ihren Helden zu huldigen. Fußballgötter gibt es dort schließlich einige zu finden – so sagen es die Fans.

Während bei den Kirchen die Mitgliederzahlen zurückgehen, steigen sie bei den Fußballklubs: Statt Taufe gibt es die Vereinsmitgliedschaft kurz nach der Geburt. Rot-weiß ein Leben lang. Oder schwarz-gelb. Oder königsblau. Oder grün mit Raute. Die Auswahl ist gigantisch und die Begeisterung fürs runde Leder ungebrochen. Das wussten schon die Macher vom Musical „Das Wunder von Bern“, die in einem Song einen Pfarrer singen lassen: „An Fußball glaubt doch jeder, ganz egal, wo ich auch war. Der Glaube ans Zusammenspiel war schon lange vor mir da.“

Kein Wunder, dass sich die Kirche vom Sport eine Scheibe abschneiden möchte. So wirbt die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) seit Kurzem für einen stärkeren Zusammenhalt von Kirche und Sport. Aus ihrer Sicht sind beide natürliche Verbündete bei der Gestaltung des gesellschaftlichen Lebens. Es gibt ja gewisse Parallelen: Was für die Kirche der Sonntagmorgen ist, ist für Freunde des gepflegten Profifußballs der Samstagabend. Die einen greifen auf der Kirchenbank zum Gesangbuch, die anderen auf der Couch zur Fernbedienung, wenn die Sportschau beginnt. Die EKD stellt sich für die Zukunft Kombinationen aus Sport und Kirche vor, wie etwa ein Sportfest mit Gottesdienst oder einen Kirchentag im Stadion. Quasi himmlischer Sport und sportlicher Glaube vereint.

Und falls das nicht klappt, darf sich die Kirche in dem üben, was sie predigt: Toleranz. Es hat ja fast etwas Tröstliches, wenn die Menschen zumindest noch an etwas glauben – und wenn es ein Ball und ein grüner Rasen sind.

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