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Ignazio Barbagallos Flugtag

Wie beendet man seine Karriere als Amateurfußballer? Ein Sizilianer lieferte dafür ein spektakuläres Beispiel.
Von Angelika Sauerer

Aller Anfang soll schwer sein, mag sein, aber das eigentliche Problem ist das Aufhören. Fast immer – Ausnahme: Lahm – erfolgt es zu spät, und der Scheidende ist längst über seinen Zenit hinaus. Die zweite Schwierigkeit liegt darin, eine angemessene Form zu finden. Sang- und klanglos zu verschwinden ist nichts für Leute, die was auf sich halten.

In Sizilien hat sich eine Organisation mit der Spezialität für ein Ende mit Schrecken einen Ruf wie Donnerhall erarbeitet. Die Mafia fackelt nicht lang, wenn sie meint, dass jetzt Schluss sein müsse. Rote Karte, Platzverweis und Ende Gelände. Man möchte nicht in diesem Team mitspielen. Und aussteigen schon gleich gar nicht.

In Analogie zu den Gepflogenheiten der kriminellen Bande hat nun der Sizilianer Ignazio Barbagallo seinen Abschied vom Amateurfußball inszeniert. Das Spiel seiner Mannschaft Viagrande Catania gegen Nebrodi, ungefähr 8. Liga, sollte das letzte sein für den 55-jährigen Grauschopf. Krummbeinig und hüftsteif machte sich die Nummer 18 gerade für die Einwechslung warm, als sich der Himmel verdunkelte und ein Hubschrauber mit Höllengetöse auf dem grauen Acker landete, dem Campo Comunale Sportivo Francesco Russo. Eine infernalische Staubwolke hüllte das Geschehen ein. Spieler duckten sich hinter den Bänken, als zwei Muskelmänner Barbagallo in den Heli bugsierten. Der hob ab und weg war er.

Hinterher stellte sich heraus: Es war ein Streich des notorischen Scherzkeks, der ihm eine Sperre bescherte (nun ja, er wollte eh aufhören) und dem Verein eine Strafe von 200 Euro sowie ein Heimverbot bis 31. Mai. Wir fragen uns, ob es das nicht wert wäre, um ab und zu unliebsame, gegnerische Subjekte aus dem Strafraum zu beseitigen. Oder Auswechslungen vorzunehmen, die der Trainer längst hätte vollziehen müssen. Das Schild, das die Entführer beim Flugtag Barbagallos hochhielten, würden wir kopieren: „Servizio Eliminazione Giocatori Finiti“– frei übersetzt: Service für das Entfernen von Spielern, die fertig haben.

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