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Riesenkind


Von Sebastian Heinrich, MZ

Dass der italienische Mann an sich ein besonderes Verhältnis zu seiner Mutter hat, ist ein liebgewonnes Stereotyp. Und wie in vielen Stereotypen steckt auch in diesem ein massiver Kern Wahrheit. In Italien freilich sieht man das differenzierter. Beim „mammismo“, weiß man, gibt es – wie bei vielem – ein krasses Süd-Nord-Gefälle. Was der Mailänder noch für Mamma-Verehrung hält, ist für den Neapolitaner schiere Kaltherzigkeit.

Der Fußballer Francesco Totti – 36 Jahre alte, spielende Legende des AS Rom und so ur-römisch, dass Julius Cäsar vor Neid marmorblass würde – müsste laut dieser Mammismo-Theorie also ein „Mammone“ mittelitalienischen, also mittleren Grades sein.

Fußball-Italien weiß es besser. Totti hat seine Fixiertheit auf Mamma Fiorella in bisher 20 Jahren Profikarriere so demonstrativ ausgelebt, dass jeder Südsizilianer den Hut zöge. Beim Torjubel funktioniert Totti seinen Daumen zum Schnuller um und nuckelt daran. „Er Pupone“ wird er von Fans und Sportjournalisten genannt – was im römischen Dialekt so viel bedeutet wie „Riesenkind“. Und natürlich wohnt auch in Tottis gesetztem Fußballprofi-Alter die Mamma nur wenige Meter entfernt.

Was Totti nun dem Fußballmagazin „kicker“ exklusiv verriet, ist also nur logisch. Dass der Mittelfeld-Magier seit 25 Jahren die rot-gelben Trikots von AS Rom trägt und nicht Lazio-Hellblau, verdankt er – na, wem wohl – Mamma Fiorella. 1988, so erzählte Totti in einem Interview, habe seine Mutter Anfragen von beiden Klubs bekommen. „Sie entschied sich für die Roma“, gab Totti zu Protokoll. Und ergänzte: „Andernfalls hätte ich sie wohl umgebracht.“

Das, lieber Pupone, kannst du aber jemand anderem erzählen.

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