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Superfood und Geistreiches

Es ist immer wieder lustig, wie Dopingsünder ihre positiven Tests erklären. Es gibt ein paar neue Fälle.
Von Angelika Sauerer

Ehrlich währt am längsten, sagte schon der Baron von Münchhausen, um seine Lügengeschichten zu untermauern. Weil sich die Fälle gerade häufen, werfen wir einen Blick auf Dopingsünder und ihre Ausreden. Nun könnte man sagen, wenn sie schon betrogen haben, dann sollen sie es wenigstens zugeben. Aber andererseits entschädigen sie so ihre Umwelt immerhin mit einer schönen Geschichte. Vor zehn Jahren zum Beispiel ließ sich die Mountainbikerin Ivonne Kraft nach einem positiven Test folgendes Szenario einfallen: Der Asthma-Inhalator ihrer Mutter sei in ihrer Anwesenheit explodiert. „Vor Schreck hab ich ‚huch‘ gesagt und wohl versehentlich etwas inhaliert.“ Immer noch lustig. Dass von Schwiegermüttern eine gewisse Gefahr ausgeht, ist hinlänglich bekannt. Aber dass sie sich auch um die Potenz ihrer Schwiegersöhne sorgen, wissen wir erst, seit Radprofi Henn den positiven Test mit einem von der Schwiegermama empfohlenen Tee zur Stärkung der Zeugungskraft erklärte. Verunreinigtes Essen, manipulierte Zahnpasta oder Sonnencreme, gepanschter Fruchtsaft – es gibt fast nichts, das es nicht gibt. Der britische Sprinter Linford Christie etwa gab seiner außergewöhnlichen Vorliebe für Avocados die Schuld an seinem erhöhten Nandrolonwert. Dass er damit der Avocado zum globalen Durchbruch verholfen hat, wäre naheliegend: Da bekommt das Modewort „Superfood“ plötzlich eine völlig neue Dimension. Man müsste freilich auch das Steak Contadors, den Erkältungssaft Maradonas und das Abführmittel von Mutu dazuzählen. Und – ganz aktuell – den peruanischen Anistee von Fußballprofi Paolo Guerrero. Wahrscheinlich gibt es jetzt einen Run auf das berauschende Getränk. Recht bieder nimmt sich daneben der Verweis des Radprofis Froome auf sein Asthmamittel aus. Schon besser: Football-Profi Jeremy Kerley schob seinen positiven Befund wörtlich einen „Geist“ in die Schuhe. Genauer gesagt, sei es der „Weihnachtsgeist“ gewesen. Und wir dachten, das Christkind bringt die Geschenke.

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