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Samstag, 23. Juni 2018 18° 3

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Italienerin Moioli gewinnt Olympia-Gold im Snowboardcross

Nach den vielen Stürzen im Snowboardcross fordert der deutsche Verband ein Umdenken, damit die erhoffte Werbung für den spektakulären Sport nicht ins Gegenteil umschlägt. Die 18-jährige Jana Fischer hatte vor ihrem Olympia-Debüt erheblichen Respekt.
Von Kristina Puck, dpa

  • Für Snowboarderin Jana Fischer war im Cross im Viertelfinale Endstation. Foto: Angelika Warmuth
  • Michela Moioli aus Italien freut sich über ihren Sieg im Snowboardcross. Foto: Kin Cheung

Pyeongchang.Als Snowboard-Teenager Jana Fischer die gefährliche Olympia-Strecke verletzungsfrei überstanden hatte, ließ Sportdirektor Stefan Knirsch seinen Frust raus.

„Es bringt nichts, alle vier Jahre ein Monster zu schaffen, das keiner mehr in der Lage ist, zu fahren“, sagte der 37-Jährige. Er sprach ruhig, aber wählte deutliche Worte: „Die Bilder wären auch anders toll geworden. Da muss man hindenken - ohne immer bigger, bigger, bigger zu denken.“

Neben den spektakulären Hochglanzbildern vom Snowboardcross gab es an beiden Wettkampftagen auch zahlreiche Stürze mit heftigen Folgen zu sehen. Dass der Österreicher Markus Schairer nach einem weiten Sprung mit dem Rücken und Kopfbereich auf der Piste aufgeprallt war und sich einen Halswirbel brach, flößte der 18-jährigen Fischer vor ihrem Aus in der ersten K.o.-Runde enormen Respekt ein.

„Wir wollen guten Sport nach außen tragen. Und wenn das draußen nicht so ankommt, weil es nach Roulette aussieht, ist das schlecht für uns“, sagte Knirsch und prangerte die zu gewaltige Dimension bei Olympia an: „Wir müssen gucken, dass es einen Weltcup plus 20 Prozent braucht und nicht einen Weltcup plus 80 Prozent.“

Mit enormen Tempo rasen die Snowboarder in einer Hetzjagd mit sechs Athleten gleichzeitig die Strecke mit Steilkurven, Sprüngen und Wellen hinab. Im Phoenix Snow Park erreichten die Männer um die 80 Stundenkilometer, die Frauen fuhren um die 65. Ob die Geschwindigkeit um 10 km/h geringer sei, merke der Zuschauer nicht, sei aber entscheidend für die Sicherheit mahnte Knirsch an.

Vor dem Wettkampf der Frauen, die auf der gleichen Strecke antreten, hatte der Weltverband reagiert. Der Sprung im Zielbereich wurde unter anderem entschärft. Die Anpassungen machten sich bezahlt.

Die einzige deutsche Teilnehmerin hatte im Training aus Respekt vor dem Schwierigkeitslevel erhebliche Probleme. „Der Kopf hat nicht mitgemacht“, sagte Fischer, die am Ende 16. wurde. Abschnitt für Abschnitt tastete sie sich vor. Nur einmal bewältigte sie die 1277 Meter im Training komplett.

Im zweiten Qualifikationslauf war auch die erste deutsche Snowboardcross-Olympionikin seit zwölf Jahren gestürzt, sie kam mit Nasenbluten davon. In ihrem Viertelfinale vermied die Schülerin dann das volle Risiko. Als Vierte schied die Debütantin erwartungsgemäß aus, nur die ersten Drei kamen weiter. „Diesen Prozess, den sie in den vergangenen Tagen gemacht hat, war gigantisch“, urteilte Knirsch über Fischer.

Bei den Männern hatte am Vortag Martin Nörl als bester Deutscher das kleine Finale und Platz acht erreicht. Bei den Damen sicherte sich Mitfavoritin Michela Moioli den Olympiasieg. Die Italienerin setzte sich vor der Französin Julia Pereira de Sousa Mabileau und Sotschi-Olympiasiegerin Eva Samkova aus Tschechien durch. Fischer will noch ein paar Tage Olympia-Flair genießen, dann muss sie fürs Abitur lernen. Im Mai stehen die Prüfungen an.

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