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Ricco Groß und Co. als Experten im Ausland gefragt

Deutsche Trainer trifft man bei Olympia nicht nur in nationaler Teamkleidung. Besonders im Biathlon ist der Wissenstransfer ins Ausland gefragt. Ricco Groß und Wolfgang Pichler sind die prominentesten Namen.
Von Britta Körber, dpa

Ricco Groß ist seit 2015 für die russischen Biathleten verantwortlich. Foto: Hendrik Schmidt
Ricco Groß ist seit 2015 für die russischen Biathleten verantwortlich. Foto: Hendrik Schmidt

Pyeongchang.Wintersport-Knowhow „Made in Germany“ ist bei Olympia gefragt, deutsche Trainer in der bunten Kluft anderer Länder sind an den Wettkampfstätten keine Seltenheit.

Die bekanntesten Coaches sind beim Biathlon anzutreffen: Ricco Groß für Russland, Wolfgang Pichler (Schweden), Matthias Ahrens (Kanada) und Jörn Wollschläger (Schweiz) sind in fremden Ländern aufgrund ihrer fleißigen, akribischen und fachkundigen Arbeit gefragt.

Den größten Namen hat Groß. Der viermalige Olympiasieger ist seit 2015 für die russischen Skijäger verantwortlich, erfolgreich und aktuell betroffen von der Doping-Problematik. Sein Star Anton Schipulin darf im Weltcup starten, bei Olympia nicht.

Pichler sollte als Ex-Coach der Russinnen gar nicht nach Südkorea fahren dürfen. Nun ist der 63-Jährige in seiner Funktion als Chef der Schweden doch dabei. Der Bayer hatte sich stets gegen den Vorwurf gewehrt, Teil des russischen Dopingsystems in Sotschi gewesen zu sein und sich zuvor einen Namen als Anti-Doping-Kämpfer gemacht. Weil er unerlaubte Mittel anprangerte, gab es sogar Morddrohungen aus Russland.

Ahrens ist seit 2012 für Kanada tätig. Jean-Philippe Leguellec und Nathan Smith gewannen unter seiner Leitung erstmals Weltcup-Rennen, Smith die erste WM-Medaille für das Wintersportland, in dem Biathlon eine Randsportart ist. Nun hofft der Auswanderer auf Fördergelder vom Staat: „Wie in jedem Land sind auch bei uns Resultate wichtig.“

Bei den erfolgreichen deutschen Biathleten gibt es genug einheimische Fachleute - in anderen Sportarten fehlen sie. Nicht ganz unkritisch sieht das Rodel-Bundestrainer Norbert Loch, der auch Mitglied der Trainierkommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) ist: „Die Rodel-Trainer sind gut ausgebildet. Und das Engagement von einigen im Ausland zeigt, dass wir gefragt sind.“ Das sei auch eine Frage der Finanzierung. So sind der ehemalige Bob-Olympiasieger André Lange und Steffen Sartor für südkoreanische Rodler, Wolfgang Staudinger für Kanada im Einsatz.

„Ich glaube schon, dass wir als erfolgreicher Verband und auch der DOSB sich Gedanken machen muss. Wir machen eine gute Trainierausbildung und einen guten Job“, sagte er in Pyeongchang. Nun müsse sich der DOSB überlegen, wie es weiter gehe: „Wir wollen keine Fußball-Gehälter, aber irgendwie muss das Thema auf die Tagesordnung kommen.“ Im Eiskunstlauf ist der fünfmalige Paarlauf-Weltmeister Robin Szolkowy als Jung-Coach nach Moskau gegangen, der Lehrling erfährt dort ideale Bedingungen. Der Deutsche Verband würde ihn gern verstärkt einsetzen - ob er finanziell mithalten kann, ist die Frage.

Im Langlauf gibt es nur einen Deutschen im Ausland: Markus Cramer. Er trainiert die Russen um die bei Olympia nicht erwünschten Alexander Legkow und Sergej Ustjugow. Zuvor betreute er auch die Schweizer um den dreimaligen Olympiasieger Dario Cologna.

Dass nicht jedes exotische Engagement nur Freude bringt, erlebte Sandra Kiriasis für Jamaika. Das Band zwischen der Bob-Olympiasiegerin von 2006 und dem Verband der Karibikinsel ist zerschnitten, sie darf die Frauen nicht mehr betreuen. Vier Jahre nach ihrem tränenreichen Abschied mit Platz fünf in Sotschi machte Kiriasis beim Einmarsch während der Eröffnungsfeier noch mit Tanzeinlagen auf sich aufmerksam. Nun betreut sie nach eigenen Angaben noch die zweimalige Olympiasiegerin Kaillie Humphries aus Kanada. Ex-Viererbob-Weltmeister Manuel Machata ist zudem für China im Einsatz.

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