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Wellinger will noch mehr - „Stillstand ist Rückschritt“

Der strahlende Gold-Junge von Pyeongchang heißt Andreas Wellinger. Mit Coolness und Konstanz führt der Bayer auch seine Teamkollegen zu einer olympischen Medaille. Mit 22 Jahren hat Wellinger schon viel erreicht - und genug Zeit, diese Bilanz noch auszubauen.
Von Patrick Reichardt und Volker Gundrum, dpa

Andreas Wellinger (l) hat im Teamspringen mit Richard Freitag, Stephan Leyhe und Karl Geiger Silber geholt. Foto: Daniel Karmann
Andreas Wellinger (l) hat im Teamspringen mit Richard Freitag, Stephan Leyhe und Karl Geiger Silber geholt. Foto: Daniel Karmann

Pyeongchang.Stundenlang stand Andreas Wellinger überglücklich hinter dem Tresen und zapfte Bier. Nach seinen perfekten Olympischen Winterspielen mit drei Medaillen ließ es sich Deutschlands Überflieger nicht nehmen, seinen Freunden im Deutschen Haus höchstpersönlich einzuschenken.

„Ich wollte einfach, dass es den Leuten, die mit uns noch mitfeiern, gut geht. Da habe ich mich darum gekümmert“, berichtete der strahlende Olympiasieger am Tag danach.

Die gezapften Weißbiere zu später Stunde waren wie seine Sprünge auf der Schanze im Alpensia Nordic Park: Eines schöner als das andere.  Die Wettkämpfe von Pyeongchang, die die deutschen Skispringer mit Silber im Team am Montag höchst erfolgreich zu Ende gebracht haben, waren vor allem die Festspiele des lässigen Wellinger. „Für uns sind es riesige Spiele. Wir können stolz sein“, sagte Bundestrainer Werner Schuster. Er bekam die Feierwut seiner Schützlinge als erster zu spüren und musste sich nach ausgiebiger Sektdusche einen neuen Satz Klamotten anlegen.

Anführer Wellinger hatte nach Gold und Silber im Einzel auch noch das Team mit Richard Freitag, Karl Geiger und Stephan Leyhe zu Silber hinter den überlegenen Norwegern geführt. „Das ist schon ziemlich krass, wenn man das so hört. Drei Wettkämpfe, drei Medaillen, da braucht man nix mehr dazu zu sagen. Es hat mich selbst ein wenig überrannt“, führte der Bayer an. Hinter Jens Weißflog ist Wellinger nun der zweitbeste deutsche Skisprung-Olympionike - und das im zarten Alter von 22 Jahren.

Der Weg an die Spitze und zu den glänzenden Medaillen war für den Ruhpoldinger ein steiniger. Erst versuchte er sich in der Nordischen Kombination, bevor er merkte, dass das mit dem Laufen „doch nix für mich ist“. Als Springer galt Wellinger früh als großes Talent, schon mit 18 war er Team-Olympiasieger. Wenige Monate später warf ihn ein schwerer Sturz in Kuusamo zurück. Er brauchte lange, um wieder an die alte Form anzuknüpfen. Nach den Kreuzbandverletzungen von Leitwolf Severin Freund, der nach der Lahti-WM nun auch Olympia verpasste, brauchten die Adler eine neue Führungsfigur. Zu der reifte Wellinger, der sich die großen Sprünge für die großen Momente aufhob.

Zur absoluten Weltelite gehört der Bayer seit etwa einem Jahr. Auf einmal Gold und zweimal Silber bei der Nordischen Ski-WM ließ er die gleiche Bilanz bei den Spielen von Pyeongchang folgen. „Meine größte Motivation ist der Spaß. Solche Erfolge wie die in den vergangenen Tagen geben die zusätzliche Motivation“, erklärte Wellinger. Ihn hätte dreimal Edelmetall „total verblüfft, da wäre mir auch dreimal Bronze scheißegal gewesen“.

Trainer Schuster erkennt bei seinem Top-Schützling einen Reifeprozess. Nur zu viel loben möchte er ihn nicht, „sonst wird er faul“, sagte der Österreicher neckisch nach Wellingers Olympiasieg. Die unvergesslichen Triumphe von Pyeongchang sollen deshalb nur ein Anfang sein. „Es war ein vorläufiger Höhepunkt, Andi ist noch jung und hat noch einige gute Jahre vor sich“, beteuerte Schuster. Der Coach selbst hat offen gelassen, ob er in Peking noch dabei sein wird. „Ich weiß es noch nicht, wie es weitergeht“, sagte der 48-Jährige, der noch bis 2019 beim Deutschen Skiverband unter Vertrag steht.

Mit zwei Weltmeisterschaften in Seefeld 2019, da wird Schuster sicher dabei sein, und Oberstdorf 2021, dem großen Traum von einem deutschen Triumph bei der Vierschanzentournee und Olympia 2022 in Peking sind die nächsten Ziele schon gesteckt. „Stillstand ist Rückschritt. Das ist die Message des Ganzen“, gab Wellinger die Marschrichtung vor. Zumindest in Pyeongchang wollte er aber erstmal genießen. „Es ist echt der Wahnsinn, was ich erleben durfte. Es ist der Hammer“, sagte der Bayer, der im Sommer nach München gezogen ist und dort auch studiert.

Nachdem die DSV-Adler mit Podest-Platzierungen bei Tournee, Flug-WM und Olympia die Erwartungen in diesem Winter bereits übertroffen haben, können sie nun befreit in den letzten Saisonmonat mit einigen Springen in Skandinavien sowie dem Saisonfinale in Planica gehen. „Ich hoffe, dass wir uns weiter in der Spitze etablieren können“, kündigte Trainer Schuster an. Der Ehrgeiz und die Zielstrebigkeit sollen jetzt nicht nachlassen im Lager der deutschen Skispringer. „Ein Selbstläufer war gar nix“, betonte auch Andreas Wellinger.

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