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Wirbel um Jamaika-Bob - Club stellt sich gegen Kiriasis

Zwischen Sandra Kiriasis und dem jamaikanischen Bobteam ist es zum Bruch gekommen. Ein zentraler Punkt: Was hat es mit angeblichen Geldforderungen für die Beschaffung des Materials auf sich? Nun meldet sich der BSC Winterberg als ursprünglicher Besitzer des Bobs.
Von Frank Kastner, dpa

  • Um den vom Team Jamaika genutzten Bob war ein Streit über die Bestizverhältnisse entbrannt. Foto: Michael Sohn
  • Die zweifache Bob-Olympiasiegerin Kaillie Humphries. Foto: Caroline Seidel
  • Bei der Eröffnungsfeier lief Trainerin Sandra Kiriasis (M) noch mit dem Team aus Jamaika ein. Foto: Franck Fife/Pool AFP/AP

Pyeongchang.Am Rande des Olympic Sliding Centres herrschen große Turbulenzen. Im Mittelpunkt stehen das jamaikanische Bob-Team der Frauen und seine bisherige Assistanz-Trainerin Sandra Kiriasis.

Wurde sie tatsächlich aus dem olympischen Dorf geworfen und als Trainerin degradiert, wie sie behauptet? Was ist mit ihren Geldforderungen für die Beschaffung des Bobs, mit dem die Jamaikanerinnen starten wollten? Die 43-jährige Kiriasis war mit all diesen Themen in eine Medienoffensive gegangen. Nun aber sehen sich immer mehr Beteiligte gezwungen, ihre Position klarzustellen.

Der BSC Winterberg als ursprünglicher Besitzer des Jamaika-Bobs meldete sich in diesem Winter-Märchen zu Wort. In einer der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Mail heißt es: „Frau Kiriasis hat den Bob für Jamaika nicht organisiert oder besorgt. Der gesamte Prozess (außer die Übergabe) lief über einen Dritten.“ In dem Schreiben von Geschäftsführerin Diane Koch und Vereinsvorsitzendem Jens Morgenstern heißt es, dass „kein von Frau Kiriasis fristgerecht unterzeichneter Mietvertrag“ existiere. Die Deadline bis zum 15. Februar, 18.00 Uhr MEZ, habe sie verstreichen lassen. Erst später hatte sie den vor ihr unterzeichneten Vertrag zurückgesendet, sagte Morgenstern in einem dpa-Gespräch.

Die Sauerländer bestätigen zwar, dass Kiriasis im Dezember von der BSC Winterberg Marketing GmbH ein Vertrag zur Unterschrift zugestellt wurde. „Dieser wurde jedoch wochenlang nicht unterschrieben zurückgeschickt.“ Selbst nach erneuter Aufforderung nicht. Damit liegt „kein rechtsgültiger, unterschriebener Mietvertrag vor. Frau Kiriasis war zu keiner Zeit 'Besitzerin' des Bobs.“

Weiterhin bestätigte der frühere Verein von Kiriasis, dass der jamaikanische Bobverband nun einen „unterschriebenen Kaufvertrag hat“. Das hatte auch die Sprecherin der Jamaica Bobsleigh Federation, Kathleen Pulito, bestätigt. Denn eine nationale Bierfirma aus der Hauptstadt Kingston (Red Stripe) bot spontan ihre Hilfe an und kaufte den Schlitten. Wenn die Summe überwiesen ist, geht der Schlitten in das Eigentum des Bobverbandes Jamaika über, betonte Morgenstern vom BSC Winterberg.

Zuvor hatte der jamaikanische Chef de Mission schwere Vorwürfe erhoben. „Sie verbreitet eine Menge Lügen“, sagte Leo Campbell in einem Interview mit der „Welt“ über Kiriasis. Die hatte der Zeitung berichtet, sie sei obdachlos durch Pyeongchang geirrt. „Sie war zum Beispiel niemals obdachlos. Als sie sich entschloss, hinzuschmeißen, half ihr der Verband, aus dem olympischen Dorf auszuziehen, indem wir ihr ein Auto und Umzugshelfer für ihre Ausrüstung zur Verfügung stellten. Dann mieteten wir ihr ein Fünf-Sterne-Studio-Apartment mit Zugang zum Spa-Bereich an. Wir bezahlen dafür immer noch jede Nacht 450 Dollar. Die Schlüssel hat sie immer noch“, erklärte Campbell.

In der vergangenen Woche war es zum Bruch zwischen der deutschen Olympiasiegerin von 2006 in Turin und dem jamaikanischen Bobverband gekommen. Daraufhin forderte Kiriasis eine mittlere fünfstellige Summe für die Beschaffung des Materials. Nach der Trennung sei sie aus dem olympischen Dorf ausgezogen und die Akkreditierung wurde geändert, behauptete sie.

Kiriasis, die auch die kanadische Olympiasiegerin Kaillie Humphries privat als Bahntrainerin betreut, sprach von einer entzogenen Akkreditierung. Auch das sieht der Verband anders. Campbell sagte: „Wir hatten ihre Akkreditierung auch nur abgeändert, was ihr aber immer noch Zugang zur Bahn erlaubt hätte. Gesperrt haben wir sie erst, nachdem Kiriasis mit den Medien gesprochen hatte. Das war der Grund.“

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