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Olympia

Der Mann will doch nur Spaß

Der Saaler Schütze Daniel Brodmeier schießt scharf – auch mit Worten. Am Freitag und Sonntag tritt er als Mitfavorit an.
Von Martin Rutrecht, MZ

In Rio will Gewehrschütze Daniel Brodmeier jubeln.
In Rio will Gewehrschütze Daniel Brodmeier jubeln. Foto: Marco Dalla Dea/ISSF

Saal.Schmunzelnd erinnert sich Daniel Brodmeier an die Szene, als er vor knapp zehn Jahren mit Medaillen von einer Junioren-WM in seine Heimatgemeinde Saal im Landkreis Kelheim zurückkehrte. Stolz überreichte ihm der Bürgermeister als Anerkennung einen Bildband von Peking, dem Austragungsort der Spiele 2008. „Bisschen früh für mich“, murmelte der damalige Teenie. Zwei Olympia-Zyklen später tritt der 28-jährige Schütze am Freitag (Liegend) und am Sonntag (Dreistellung) in Rio an. Als Vize-Weltmeister und Sieger eines Weltcupfinales ist er zum internationalen Elitemann am Kleinkalibergewehr gereift.

„Beim Zähneputzen läuft der innere Film eines Finales vor mir ab.“

Daniel Brodmeier

Bereits 2012 in London feierte Brodmeier sein Olympia-Debüt und polierte als Fünfter im Liegendschießen die Bilanz der deutschen Schützen auf. War er damals noch ein unbekannter Debütant, so reiste er nun als Mitfavorit an den Zuckerhut. Gut ein Jahr lang arbeitete er mit Akribie und Disziplin auf Rio hin. Monatelang tüftelte Brodmeier allein am passenden Gewehrlauf, bis er sich für ein System entschied. In den letzten Wochen vor der Abreise nach Rio verbarrikadierte er sich im Olympiastand München-Hochbrück. „Schubkarrenweise“, erzählt er, wurde Munition aufgefahren. Brodmeier feuerte 20 000 Schuss ab – doppelt so viele wie vor London.

Bescheidenes Gehalt als „Profi“

Den Aufwand muss der 28-Jährige mit dem Berufsalltag in Einklang bringen, denn Profi-Schütze ist er nicht. „Fußballer würden sich für meinen Verdienst als Athlet nicht einmal die Schuhe binden“, sagt er. Ein paar hundert Euro erhält er von der Sporthilfe im Monat. Sein Arbeitgeber Osram Opto Semiconductors in Regensburg kommt ihm bei Urlaubsgestaltung und Zeitausgleich entgegen. „Sonst könnte ich geballte Trainingseinheiten gar nicht machen.“

Erwartet wird von ihm nicht weniger als eine Medaille in Brasilien. „Das ist ein totaler Krampf“, entgegnet er direkt. „In jeder Schützendisziplin kommen 30 Starter für das Finale der Top Acht in Frage. Und wenn du dieses Ziel erreicht hast, kann alles passieren“, sagt Brodmeier.

„Brasilien mit all seinen Problemen leistet sich Spiele. Wir Deutschen nicht – das ist beschämend.“

Daniel Brodmeier

Eine Finalserie möchte der Nationalkaderathlet zumindest schaffen. „Es hat keinen Sinn mit verbissenem Ehrgeiz an den Stand zu gehen. Ich will einfach Spaß haben, den Wettkampf genießen.“ Diese Lockerheit verströmte er auch bei der Eröffnungsfeier, als er sich angesichts des deutschen Outfits mit kurzer Hose und Leggins wie ein „Held in Strumpfhosen“ vorkam.

Kribbelnde Momente hat er an ungewohnten Orten: „Vor meinem inneren Auge läuft auch mal beim Zähneputzen der Film eines Finales ab – da kriege ich Gänsehaut. Dieses Gefühl ist Olympia.“ Dass er so etwas in seinem Heimatland nicht erleben wird, ist für ihn unverständlich: „Brasilien mit seinen riesen Problemen stemmt Olympische Spiele. Wir in Deutschland wollen uns das nicht leisten. Das ist beschämend.“

Was der Freitag bei Olympia bringt, lesen Sie hier.

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