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Ausdauersport

Eine gelungene Premiere

Vor heimischer Kulisse bewältigte der Schmidmühlener Stephan Neumaier-Burkhardt erstmals die 239 Kilometer.
Von Peter Fochtner

Für Stephan Neumaier-Burkhardt war es eine ganz besondere Herausforderung, einmal 239 Kilometer zu bewältigen. Foto: Fochtner
Für Stephan Neumaier-Burkhardt war es eine ganz besondere Herausforderung, einmal 239 Kilometer zu bewältigen. Foto: Fochtner

Schmidmühlen.Erst einmal von dem Leiter des Verpflegungspunkts in Schmidmühlen herzliche Gratulation zu dem Erfolg. Wie ist es Ihnen auf der Strecke ergangen? Wo waren Ihre persönlichen Knackpunkte?

Einen richtigen Punkt in dem Sinn, dass ich an das Aufgeben dachte, gab es zu keiner Zeit. Rund 50 Kilometer vor dem Ziel hatte ich zwar Probleme mit einer Sehnenreizung im Bereich des Schienbeins. Daraufhin nahm ich eben noch mehr an Tempo raus. Ziel war ja für mich ohnehin, dass ich den Lauf durchstehe. Der Platz im Klassement war zweitrangig. Aber es gab einen Punkt im Lauf, der mich noch mal richtig gepuscht hat. Als ich am zweiten Tag bei Sonnenaufgang oberhalb meines Wohnortes (Vilshof) durch den Wald lief, all meine Körperfunktionen bei bester Verfassung wusste, und mir klar war, dass in weniger als zehn Kilometern meine Frau und meine Schwester am Verpflegungspunkt in Schmidmühlen warten würden, gab mir das noch mal einen richtigen Heimvorteilsschub.

Wie bereitet man sich langfristig auf so einen Lauf vor?

Ich hab mich rund vier Monate intensiv auf den JUNUT vorbereitet. In dieser Zeit gab es in regelmäßigen Abständen immer längere Läufe bis zu 130 Kilometer drei Wochen vor dem großen Ereignis. Von da ab ging es dann nochmals in eine Erholungsphase mit wesentlich kürzeren Strecken. Aber ich laufe auch sonst ziemlich oft und nutze viele Gelegenheiten dazu. Ich arbeite beispielsweise in Regensburg. Das sind von meinem Wohnort auf der kürzesten Strecke rund 30 Kilometer. Da aber meine Philosophie nicht ist, eine bestimmte Strecke so schnell wie möglich zu absolvieren, laufe ich gerne ein paar Kilometer durch Wälder und über Felder als Umweg. An meinem Arbeitsplatz habe ich die Möglichkeit, vor der Arbeitsaufnahme zu duschen, so dass ich mich anschließend erfrischt meinen Aufgaben zuwenden kann. Neben dieser sportlichen Vorbereitung für eine gute Grundlagenausdauer ist auch die mentale Vorbereitung ein Thema. Dabei gehe ich vorab auf eventuell auftretende Schwierigkeiten oder Probleme während des Laufs ein und lege mir verschiedene Lösungsstrategien zurecht, die bei Bedarf dann ohne langes Überlegen angewendet werden können. Und damit Körper und Geist auch in einem guten Zustand verharren können, ist schließlich auch noch die richtige Ernährung mit ausschlaggebend. Dafür sorgt, wie für so viel anderes, auch meine Frau Maija, ohne deren großartiger Unterstützung ich nicht wirklich viel laufen würde.

Wie schaut Ihr Trainingspensum aus?

Vor dem JUNUT hab ich natürlich etwas mehr trainiert. Da waren es rund 500 bis 600 Kilometer Laufen pro Monat. Ansonsten sind es aber nur rund 200 Kilometer monatlich plus Radfahren und ein wenig Schwimmen.

Wie sind Sie eigentlich auf das Laufen von solch langen Strecken gekommen?

Naja, die Strecke von 239 Kilometern beim JUNUT ist schon extrem. So eine Strecke bin ich auch noch nie gelaufen. Das war aber eben auch die eigentliche Motivation: Bin ich tatsächlich in der Lage, solch eine Distanz zu bewältigen? Bereits in den frühen 1980ern hat mich mein Vater zum Laufen angeregt. Dann kam die wilde Jugend mit grundlegend anderen Interessensgebieten. Bis 2001 hab ich auch kräftig geraucht, aber dann legte sich bei mir, bedingt durch dem Beiwohnen einer Triathlonveranstaltung in Kallmünz, der Schalter um. Rauchen aus, stattdessen wieder mehr in den Sportmodus übergehen. Ich merke jeden Tag aufs Neue, wie mir das gut tut und will auch für meine Kinder dabei in gewisser Weise ein Vorbild sein: Wenn ihr euch Ziele setzt, die auf Anhieb schier unerreichbar erscheinen, dann arbeitet daran und wenn ihr es wirklich wollt, dann könnt ihr das Schritt für Schritt schaffen.

Heißt das, Sie werden 2019 nicht wieder an dem Lauf teilnehmen?

Geplant habe ich das nicht. Für mich persönlich habe ich das gesteckte Ziel erreicht. Ich kann und will auch nicht hunderte Kilometer zu ähnlichen Läufen reisen, um solche zu bestreiten. Diese Läufe sind europaweit eher dünn gesät und lassen sich an beiden Händen abzählen. Das kann und will ich meiner Familie nicht zumuten. Aber eines ist für mich sicher: Ich werde den JUNUT auch weiterhin unterstützen.

Unterstützen statt selbst teilnehmen, das ist ein interessanter Ansatz. Was reizt Sie daran?

Ich kenn ja mittlerweile beide Seiten. 2016 bin ich gestartet und musste leider verletzungsbedingt aufgeben. 2017 war ich erkältet und hab mich spontan dazu entschlossen, am Verpflegungspunkt in Schmidmühlen als Helfer zu agieren. Daher kenne ich beide Seiten. Als Helfer 2017 konnte ich mit allen Teilnehmern des JUNUT persönlich Kontakt aufnehmen. Dies kann ich als Läufer natürlich nicht. Und ich muss sagen: Das hat mir riesigen Spaß gemacht. Nur an einem Verpflegungspunkt hat man Kontakt zum kompletten Feld. Ich bin eh einer, der lieber alleine läuft. Ich kann zwar nicht von Halluzinationen nach über dreißig Stunden Dauerlauf berichten, aber die Tierwelt in der Nacht mit einer Stirnlampe zu beleuchten, hat schon seine ganz eigenen Reize. Insbesondere die Kröten, die ich in der zweiten Nacht gesehen und umgehen musste, waren ebenso wie die zahlreichen Fledermäuse eine Herausforderung. Das alles fällt einem bei einer Wanderung am Jurasteig wahrscheinlich gar nicht auf. Für alle Läufer ist Schmidmühlen aber ein Highlight: Man hat mehr als die Hälfte der Strecke absolviert und man hat Gastgeber, die auch aufgrund der Infrastruktur alles anbieten können.

Stephan Neumaier-Burkhardt wirde Zweiter:

Gut eine Woche ist es nun vergangen und der JUNUT 2018 (Jurasteig Nonstop Ultra Trail) ist Geschichte. Neben der Tatsache, dass heuer zum ersten Mal ein Läufer (Tobias Krumm) in 29 Stunden und 34 Minuten die magische Grenze von 30 Stunden für die 239 Kilometer geknackt hat, sorgte ein Sportler aus dem Gemeindegebiet Schmidmühlen für ein weiteres Highlight. Stephan Neumaier-Burkhardt kam als Zweiter über die Langdistanz ins Ziel. Genau 36 Stunden und 36 Minuten benötigte er für die Strecke.

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