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Sport aus Amberg
Montag, 24. September 2018 12° 2

Radsport

Mit Verena Bentele in Norwegen geradelt

Amberger Ex-Triathlet Norbert Huber feiert in Skandinavien mit der Paralympics-Siegerin ein Comeback der besonderen Art.

Norbert Huber leistete viel Führungsarbeit für die Gruppe mit Verena Bentele. Foto: sportograf.com
Norbert Huber leistete viel Führungsarbeit für die Gruppe mit Verena Bentele. Foto: sportograf.com

Amberg.Drei Jahre nach seinem letzten Auftritt bei einem großen Rennen trat der gebürtige Amberger Norbert Huber wieder in die Pedale – diesmal nicht als Triathlet oder Ultra Cycling Radfahrer mit offensiver Renntaktik auf Platzierung wie in früheren Jahren, sondern als „Edelhelfer“ für die blinde mehrfache Paralympic-Siegerin und Weltmeisterin im Biathlon, Verena Bentele.

Mit sieben weiteren Radfahrern aus dem Schwarzwald bildete Huber zusammen mit Bentele und ihrem Partner auf dem Tandem das Team „Blind Power“. Auf dem Programm stand das traditionsreiche und zum 52. Mal ausgetragene Radrennen „Styrkeproven“ (auf Norwegisch: „große Kraftprobe“) über 543 Kilometer von Trondheim nach Oslo. Dabei waren 3500 Höhenmeter zu überwinden. Bentele absolvierte das Rennen bereits zweimal zuvor, jeweils in gut 22 Stunden. Diesmal sollte die Uhr unter 20 Stunden stehen bleiben. Der inzwischen 46-jährige Amberger, der in Fürth lebt, lernte Bentele im vergangenen Herbst bei einem ihrer Vorträge kennen. Noch am gleichen Abend fragte sie Huber, ob er mit ihr das Rennen fahren würde.

„Obwohl ich heute kein Interesse mehr an einem regelmäßigen Training habe, hat mich das Rennen fasziniert und ich konnte einfach nicht Nein sagen“, so der früher erfolgreiche Triathlet und Duathlet. Für Huber war das Rennen ein kleines Abenteuer ins Ungewisse, denn niemals zuvor war er weiter als 250 Kilometer am Stück Rad gefahren. „Und die Vorbereitung war überschaubar“, erzählt der Sportler vom CIS Amberg. „Inzwischen gibt es mit Job, Tochter und weitere anderen Interessen viele Themen im Leben, auf die ich nicht verzichten möchte.“

In Gruppen von je 60 Startern

Und so ging es von München aus mit dem Flugzeug über Amsterdam nach Trodheim. Morgens um 7.25 Uhr startete das Team in das Rennen. Gestartet wurde in Gruppen von jeweils 60 Startern. Die Strecke führt dabei immer entlang der E6 über die Hochebene des Dovrefjell-Sunndalsfjella-Nationalpark nach Dombas, Kvam, dem Olympiaort Lilehammer und Totenvika nach Oslo.

Der Plan war, einen Schnitt von 30 km/h zu fahren, was eine reine Fahrzeit von 18 Stunden bedeutet hätte. Zwei Stunden wurden als Standzeiten an den Verpflegungsstellen eingeplant. Bereits nach 28 Kilometern hatte das Team am Tandem den ersten Platten zu beheben. Nach der Auffahrt zur Passhöhe der Hochebene und der folgenden Abfahrt nach Dombas hatte man nach 196 Kilometern zum ersten Mal einen Anhaltspunkt, ob man im Zeitplan liegen würde. Der Schnitt lag bei 30,7 km/h; der erste unplanmäßige Stopp gleich zu Beginn war aufgeholt – alles im Plan. Huber leistete auf den flachen Passagen viel Führungsarbeit im Team. „Irgendwie verflog die Zeit. Ich fühlte mich sehr gut, hatte zu keiner Zeit des Rennens nennenswerte Probleme. Im Nachhinein fühlt sich das alles wie ein intensiver Traum an – irgendwie so irreal“, erzählt Huber.

Ein kleines Problem stelle das Pausenmanagement dar. Und dann passierte es. Das Tandem fuhr durch ein großes Schlagloch und hatte wieder einen Platten. Da sich das in einer Abfahrt ereignete, bemerkte ein Teil des Teams erst nach einiger Zeit den Verlust. Wenige Kilometer später war die private Verpflegung, wo man auf den Rest des Teams wartete. Die Zeit verstrich – insgesamt waren nach der Panne drei platte Reifen zu beheben.

Kaum Sicht im Regen bei Nacht

Nun hatte man für knapp 100 Kilometer noch drei Stunden und zehn Minuten,um unter zwanzig Stunden das Ziel zu erreichen. Es war also keine Zeit mehr für die letzte Verpflegungsstelle und es musste Tempo gemacht werden. Nach Mitternacht im Dunkeln wurde jetzt richtig Gas gegeben. Wenig später begann es zu regnen. Der Niederschlag entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit zu wahren Wolkenbrüchen, was die Sicht im Dunkeln massiv erschwerte. Doch jetzt ließ man sich nicht mehr die Butter vom Brot nehmen. Huber erreichte um 3:15 Uhr morgens nach 19:45 Stunden mit einer reinen Fahrzeit von 17:45 Stunden das Ziel. Zwei weitere Mitglieder des Teams „Blind Power“ schafften es unter zwanzig Stunden. Die Gruppe um Verena Bentele erreichte rund eine Stunde nach Huber das Ziel. (anh)

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