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Die Hand trifft es oft zuerst

Die Hand ist ein Wunderwerk der Natur – und anfällig für Verletzungen. Eine Expertin aus Schwandorf klärt wichtigeFragen.
Von Dr. Vanilla Nguyen

Der norwegische Skirennfahrer Aksel Lund Svindal – hier auf der Streif – hatte im Winter mit einem Bänderriss am Daumen zu kämpfen. Foto: Expa/Johann Groder/APA/dpa
Der norwegische Skirennfahrer Aksel Lund Svindal – hier auf der Streif – hatte im Winter mit einem Bänderriss am Daumen zu kämpfen. Foto: Expa/Johann Groder/APA/dpa

Wie kommt es zu einer Handverletzung – und welche Sportarten sind häufig die Ursache?

Ob im Speziellen bei Körperkontakt-Sportarten oder allgemein bei Sportarten, bei denen man stürzen kann – die Hand ist reflexartig das Körperteil, mit dem wir versuchen, die Wucht eines Aufpralls abzufangen. Und dies führt oft zu einer Verletzung der Finger, der Mittelhand und des Handgelenks. Typische Handverletzungen sind Prellungen, Verstauchungen, Knochenbrüche und Verrenkungen. Einen eigenen Namen hat der Bruch des fünften Mittelhandknochens. Er wird als Boxerfraktur bezeichnet, weil er in dieser Sportart durch Schläge mit der Faust besonders häufig vorkommt. Die häufigsten akuten Handverletzungen sind Prellungen und Verstauchungen (etwa 35 Prozent), Knochenbrüche oder Verrenkungen (28 Prozent) und Verletzungen an Sehnen, Bändern und Muskeln (22).

Welche speziellen Symptome gibt es bei Handverletzungen?

Am Anfang sollte immer eine gründliche Untersuchung durch einen Spezialisten stehen. Foto: Bernhard Krebs
Am Anfang sollte immer eine gründliche Untersuchung durch einen Spezialisten stehen. Foto: Bernhard Krebs

Es gibt verschiedene Arten von Brüchen an Finger-, Daumen- oder Mittelhandknochen sowie am Handwurzelknochen im Handgelenk. Da die Hand ein höchst komplexes Gebilde ist, in dem alle Teile ineinandergreifen, kommt es nicht selten zu multiplen Knochenbrüchen beziehungsweise tritt ein Bruch in Kombination mit einer Bandverletzung der benachbarten Gelenke (Luxationsfraktur) auf. Sichere Hinweise auf einen Knochenbruch sind eine Krepitation – ein Knirschen, das durch das Aneinanderreiben von Knochenbruchenden entsteht –, eine abnorme Beweglichkeit des betroffenen Fingers oder der Hand, eine Fehlstellung von Finger, Daumen oder Handgelenk sowie Blutergüsse. Unsichere Hinweise dagegen sind Schmerzen, Schwellungen oder Bewegungseinschränkungen.

Typische Symptome der Bandverletzung an den betroffenen Gelenken sind die Schwellung des betroffenen Gelenks, Bluterguss, Schmerzen, eine Bewegungseinschränkung oder abnorme Beweglichkeit, Fehlstellung, Kraftverlust und Instabilität.

Serie über Sportverletzungen

  • Thema:

    Zweimal im Monat geben Dr. Markus-Johannes Rueth, Chefarzt der Sportklinik Lindenlohe, und seine Kollegen Einblick in ihre Arbeit. Die Ärzte machen in jedem Teil eine spezifische Sportverletzung zum Thema.

  • Ausblick:

    Der letzte Teil unserer Serie dreht sich um das Thema „Core Workout zur Vorbeugung und Nachbehandlung von Sportverletzungen“. Der Beitrag erscheint am 23. Mai.

Was passiert, wenn man sich den Mittelhandknochen bricht?

Die fünf Mittelhandknochen stellen die Verbindung zwischen der Handwurzel im Handgelenk und den Fingern dar. Ein direktes Anpralltrauma gegen die Mittelhand als häufigste Ursache führt zu einem Bruch unterhalb des Gelenkkopfes. Dabei verkippt der Gelenkkopf häufig in die Handflächen-Ebene. Dazu zählt die Boxerfraktur, seltener ist der Mittelhandknochen im Schaft oder an der Basis gebrochen.

Dr. Vanilla Nguyen operiert einen Mittelhandbruch.Foto: Bernhard Krebs
Dr. Vanilla Nguyen operiert einen Mittelhandbruch.Foto: Bernhard Krebs

Der Bruch des ersten Mittelhandknochens – auch Daumenstrahl genannt – ist häufig die Folge eines Sturzes mit abgespreiztem Daumen. Dabei entsteht der Bruch an der Basis nahe dem Sattelgelenk. Das Daumensattelgelenk befindet sich zwischen dem Handwurzelknochen und dem ersten Mittelhandknochen. Das Sattelgelenk ermöglicht die Gegenüberstellung des Daumens zu den anderen Fingern, um etwa einen Gegenstand zu greifen.

Was ist bei einem Kahnbeinbruch im Handgelenk zu beachten?

Mit dem Kahnbein ist es tatsächlich eine verzwickte Sache. Es befindet sich als einer der Handwurzelknochen zwischen Speiche und dem Daumenstrahl. Wenn es zum Beispiel bei einem Sturz auf die gestreckte Hand gebrochen wird, ist durch die enge Bandführung des Handgelenks die Verschiebung der Knochenfragmente oft nur gering. Das heißt: Nicht immer ist der Bruch auf „normalen“ Röntgenaufnahmen gut zu erkennen, so dass man erst eine Verstauchung vermutet. Ein erfahrener Handchirurg wird bei entsprechendem Verdacht eine Zielaufnahme zur Darstellung des gesamten Kahnbeinknochens veranlassen. Die danach erforderliche CT-Spezialaufnahme zeigt den genauen Bruchlinienverlauf in dem verwinkelten Kahnbeinknochen. Bleibt der Bruch unerkannt, kommt es zu einer ausbleibenden Heilung (Pseudarthrose), zum Absterben des kleinen körpernahen Knochenstück vom Kahnbein und zu einer dauerhaften schmerzhaften Arthrose, die immer weiter fortschreitet. Ist eine OP unvermeidlich, wird bei einem Kahnbeinbruch eine Schraube mit Doppelgewinde eingesetzt.

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Wie werden Kapsel- und Seitenbandverletzungen an den Fingern behandelt?

Eine „klassische Verletzung“ bei Ballsportarten, wenn der Finger durch Ball, Gegner oder Sturz über Gebühr gebogen wird: Der Kopf des Grundglieds eines Fingers springt aus der Gelenkpfanne des Mittelglieds. Direkte Folge ist ein geschwollenes und schmerzhaftes Mittelgelenk – oder noch schlimmer die sichtbare Fehlstellung des Fingers aufgrund der kompletten Ausrenkung. Nach einer Röntgenaufnahme richtet sich die Behandlung nach der Schwere der Verletzung. Oberstes Ziel ist eine schnelle aktive Bewegung des Fingers, um seine Beweglichkeit zu erhalten. Erfolgt eine Mobilisation zu spät, kann es zu einer narbigen Verkürzung der beugeseitigen Gelenkkapsel kommen. Nicht selten führen Kapselverletzungen zu länger anhaltenden Schwellungszuständen. Hier ist eine Kompressionsbehandlung zusätzlich hilfreich.

Wichtig: Bitte nicht selbst versuchen, den Finger einzurenken. Es ist besser, die Hand ruhig und hoch zu halten, zu kühlen und schnellstmöglich einen Handchirurgen aufzusuchen. Die Zusammenarbeit zwischen Handchirurg, Physio- und Ergotherapeut sowie die Einsicht und der Fleiß des Patienten sind für den Erfolg bei einer Handverletzung unabdingbar.

Lesen Sie auch: Sportverletzungen sind sein Metier. Dr. Markus-Johannes Rueth ist Chefarzt der Sportklinik in Schwandorf. Früher hat er Fußballer wie Khedira und Werner betreut.

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