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Volleyball

Ein Nesthäkchen mit viel Erfahrung

Obwohl er erst 17 ist, spielt Julian Zoll im Regionalligateam des VC Amberg. Die Profikarriere scheint nur Frage der Zeit.
Von Luis Münch

Julian Zoll spielt als Außenangreifer auf einer Schlüsselposition. Fotos: Spies
Julian Zoll spielt als Außenangreifer auf einer Schlüsselposition. Fotos: Spies

Amberg.Wenn Julian Zoll zum Training will, ist er auf einen Fahrdienst angewiesen. Alleine Autofahren darf er nicht, denn er ist noch nicht volljährig. Also nimmt Gerd Spies den Kümmersbrucker mit ins wenige Kilometer entfernte Amberg. Er ist Teammanager des ortsansässigen VC, in dessen Regionalligateam der 17-jährige Julian Zoll seit zwei Jahren spielt. Wer den 17-Jährigen sieht, bekommt den Eindruck, er wäre deutlich älter. Zoll ist 1,95 Meter groß.

Weil er in Kombination dazu nur 75 Kilogramm auf die Waage bringt, erreicht das Leichtgewicht mühelos die für Spitzen-Volleyball nötige Sprunghöhe. Sie hilft ihm, seine Stärken entscheidend auszuspielen. Denn als Außenangreifer spielt Zoll auf einer Schlüsselposition, die jedoch weit mehr erfordert, als hoch springen und fest schlagen zu können. Selbst in Profiteams ist zu beobachten, dass immer wieder hochtalentierte Angreifer auf Außen scheitern, weil die Annahme nicht sitzt.

Die zählt Julian Zoll aber zu seinen Stärken. Auch deswegen entwickelte er sich beim VC Amberg in nur zwei Jahren vom Nesthäkchen zum Leistungsträger. Eine gewisse Schüchternheit hat er sich dennoch behalten. Das Selbstvertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit ist jedoch vorhanden. Zoll gilt als umgänglicher Typ, der auf dem Feld eine unglaubliche Ruhe ausstrahlt. Dreimal pro Woche Training, dazu Fitnesseinheiten. Zoll investiert viel, um besser zu werden.

Kein Lautsprecher

Als er im Interview über sich und seine Rolle in der Mannschaft spricht, spürt man: Julian Zoll ist ein bescheidener Mensch, kein Lautsprecher. Und das, obwohl er bereits in jungen Jahren gelernt hat, Verantwortung zu übernehmen. Im Regionalligateam des VC Amberg hat er das Erbe eines Altmeisters angetreten. Andrzej Smolis hatte seine Karriere endgültig beendet und viele fragten sich, ob der 17-Jährige den 38-jährigen Polen ersetzen könne.

„In der Halle tritt er introvertiert auf. Er zieht seine Kraft aus dem Inneren heraus und eckt nicht an“, sagt Mitspieler Marco Nanka, zu dem er eine enge Beziehung pflegt. Denn beide sind mit 17 Jahren Teil des Regionalligateams. Beide besuchen das Gregor-Mendel-Gymnasium. Und beide treten als Duo auf Sand sogar noch siegesgewohnter auf als in der Halle.

Im Juli wurde das Duo bayerischer Meister der U18 im Beachvolleyball. Zolls Erfolge brachten ihm eine Nominierung für den Bundespokal. Diese verbucht er als den größten Erfolg seiner noch jungen Karriere. Es folgten die Teilnahme am Bundespokal, ein Sichtungstraining in Berlin und die Chance, sich für die Beachvolleyball-Nationalmannschaft zu qualifizieren. Der Außenangreifer schaffte den Einzug in die Runde der letzten acht, ehe Schluss war. Wer in so jungem Alter schon zu Deutschlands besten Nachwuchsvolleyballern gehört, der darf von einer Profikarriere träumen. Fragt man Teammanager Gerd Spies, ist der Schritt wahrscheinlich. Und der Teammanager muss es wissen.

Porträt

Gerd Spies, Schwandorfs Volleyball-Guru

Der 68-Jährige stand einst an der Schwelle zum Profi-Fußball. Doch Spies wechselte die Sportart – was sein Leben prägte.

Denn seit fast drei Jahrzehnten ist Spies dem Volleyball in der Region verbunden. Als Spieler, die mit ähnlichem Talent wie Julian Zoll gesegnet waren, nennt er namhafte Talente, wie einst Lukas Bauer eines war und Max Kersting es heute ist. Lukas Bauer, der nur wenige Kilometer von Kümmersbruck entfernt in Rieden aufwuchs, schaffte es bis in die deutsche Nationalmannschaft und beendet vor kurzem seine aktive Karriere beim Bundesligisten Herrsching.

Max Kersting, der das Volleyball spielen in Amberg lernte, gehört mittlerweile zum Kader der U20-Nationalmannschaft. Damit Talente aus der Region wie Julian Zoll eine ähnliche Entwicklung nehmen können, dafür engagiert sich Gerd Spies. Vor fast vier Jahren rief er den VC Amberg ins Leben. Er holte das Bayernligaspielrecht des SV Donaustauf und einige der erfahrenen Spieler nach Amberg und legte damit auch den Grundstein für Julian Zolls Entwicklung.

So konnte sich das Talent schon mit 15 Jahren in einem höherklassigen Team beweisen. Zoll ist ein heimatverbundener Mensch. Einer, der weiß, wo er sich wohlfühlt. Ein Angebot, an den Bundesleistungsstützpunkt nach Berlin zu gehen, schlug er aus. Das dortige Internat vereint die größten Volleyballnachwuchstalente Deutschlands. Für den Kümmersbrucker hätte der Schritt einerseits bedeutet, zwölf Mal pro Woche zu trainieren und eine besondere Förderung zu erhalten. Andererseits hätte er Freunde und Familie in Amberg zurücklassen und die Schule in Berlin beenden müssen. Und darauf wollte sich Julian Zoll nicht einlassen.

Talente aus der Region

Die Familie ist der große Rückhalt. Und sie sind die treuesten Fans auf der Tribüne. Sie verpassen kein Heimspiel. Der Familie hat der 17-Jährige es auch zu verdanken, dass er überhaupt Volleyball spielt. Die Mutter, die selbst in der Bezirksliga gespielt hatte, brachte seine vier Jahre jüngere Schwester zum Volleyball. Als Julian als Zehnjähriger eine Übungseinheit seiner Schwester besuchte, kam auch er auf den Geschmack. Das Volleyball-Gen liegt wohl in der Familie.

Julian Zoll hat einen Plan. Er will erst die Schule in Amberg abschließen, danach den Schritt nach Berlin wagen und neben dem Sport noch studieren. Es ist schwierig, in Deutschland vom Volleyball zu leben. Daher sei eine Ausbildung oder ein Studium unverzichtbar. In der nahen Zukunft steht jedoch der VC Amberg im Fokus. Mit seinem Team will er in die 3. Liga. In der laufenden Spielzeit klappt es wahrscheinlich noch nicht, sagt der Außenangreifer. Amberg rangiert derzeit auf Platz vier der Süd-Ost-Gruppe. Die Bilanz ist mit sechs gewonnenen und vier verlorenen Partien jedoch gemischt. Noch ein Jahr Regionalliga sei kein Beinbruch.

Individuell verfolgt der 17-Jährige weiterhin das Ziel, sich im Beachvolleyball für die Nationalmannschaft zu qualifizieren. Im Klub will er sich als Stammspieler etablieren und möglichst jedes Jahr in einer höherklassigen Liga spielen. Dann dürfte er den Status als Nesthäkchen sicher bald los sein. Obendrein setzt er sich ab der kommenden Spielzeit wohl auch alleine ins Auto, um zum Training zu fahren. Denn dann ist er volljährig.

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