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Volleyball

Lukas Bauer ist Teil des großen Projekts

Riedener Ex-Nationalspieler startet mit United Volleys Rhein-Main nach dem Europacup-Aus in das deutsche Playoff-Halbfinale.
Von Andreas Allacher

Lukas Bauer steht mit seinen United Volleys Rhein-Main im Play-off-Halbfinale um die deutsche Meisterschaft. Foto: United Volleys/Manfred Neumann
Lukas Bauer steht mit seinen United Volleys Rhein-Main im Play-off-Halbfinale um die deutsche Meisterschaft. Foto: United Volleys/Manfred Neumann

Amberg. Als großes Talent aus der Volleyball-Diaspora Oberpfalz spielen Sie jetzt die zweite Saison bei den United Volleys Rhein-Main in Frankfurt und haben sowohl im Kampf um die deutsche Meisterschaft als auch im CEV-Europacup das Halbfinale erreicht. Nachdem ihr Team am vergangenen Wochenende aus dem internationalen Geschäft ausgeschieden ist, steht nun national der nächste Schritt an?

Ja, es stimmt. Die Saison lief bisher fast perfekt. Unser offizielles Ziel, nämlich mindestens drittbestes Team in Deutschland zu werden, haben wir mit Bundesliga-Platz drei erreicht. Und auch gegen die Teams, gegen die wir uns in der Vorsaison noch schwer taten, haben wir uns diesmal souverän durchgesetzt. In der Bundesliga haben wir nur gegen die beiden Topmannschaften verloren. Sie haben nominell halt noch die höhere Qualität und wir wissen, dass wir einen Sahnetag erwischen müssen, um sie schlagen zu können. Darum ist Berlin, das noch unter den besten sechs Mannschaften in der europäischen Champions League vertreten ist, im Play-off-Halbfinale auch klarer Favorit. Die Serie startet am 8. April in der Bundeshauptstadt und wird im verkürzten Modus „best of three“ gespielt, nachdem beide Kontrahenten auf internationaler Ebene noch stark belastet sind bzw. waren. Wir sind zufrieden mit dem bisher Erreichten: Was jetzt noch kommt, ist alles Zugabe.

Im CEV-Europacup war das Halbfinale gegen die Franzosen aus Tours aber Endstation für die United Volleys.

Der CEV-Europacup ist der zweitstärkste Wettbewerb auf kontinentaler Ebene, vergleichbar mit der Europa League im Fußball. Bis zum Halbfinale sind wir souverän durch den Wettbewerb marschiert und haben alle Spiele gewonnen. Gerade für eine so junge Mannschaft, wie wir sie haben, ist es wichtig, internationale Erfahrung zu sammeln und gemeinsam unterwegs zu sein. Immerhin bin ich mit 28 Jahren nach Christian Dünnes der zweitälteste Spieler in unserem Team; der Rest sind alles Nachwuchstalente, von denen viele vor dem nächsten großen Schritt in ihrer Karriere stehen. Es ist ja ohnehin ein Hintergedanke des Projekts der United Volleys, junge deutsche Spieler an ein Top-Niveau heranzuführen. Dass es gegen Tours schwer wird, wussten wir im Vorfeld. Dennoch waren wir bei der 0:3-Niederlage im Hinspiel über weite Strecken auf Augenhöhe, doch in den entscheidenden Situationen setzten sich die Erfahrung und die Qualität der Franzosen durch. Und auch wenn wir im Rückspiel beim 2:3 das Wunder nicht mehr schafften, haben wir dem Favoriten einen großen Kampf geboten.

War dieses Frankfurter Projekt auch ein Grund, nach vier Jahren in Frankreich in die deutsche Bundesliga zurückzukehren?

Ja, das Projekt ist für alle Beteiligten eine große Herausforderung. Und ich liebe und brauche stets neue Challenges. Tatsache ist, dass wir viele junge Spieler und extrem viel Potenzial haben. Dass wir in der Vorsaison als Aufsteiger auf Anhieb Platz drei erreicht waren, war einmalig. So war dieses spannende und vielversprechende Projekt auch ein Grund für meine Rückkehr nach Deutschland – und es lief noch besser, als ich mir vorgestellt habe. Imponiert hat mir von Anfang an der professionelle Ansatz mit einem guten Trainerteam, der medizinischen Betreuung und einem Marketing-Team, das sicher unermüdlich bemüht, Zuschauer in die Halle zu locken und Werbepartner zu gewinnen. Die meisten Heimspiele tragen wir ja in der Fraport-Arena, wo weit mehr reinpassen als die 1000 bis 2000 Fans, die regelmäßig unsere Spiele besuchen. Aber die machen eine tolle Stimmung. Im Halbfinal-Rückspiel des CEV-Europacups gegen Tours waren es jetzt 2500 Zuschauer, die nach fünf hochklassigen Sätzen ihr Kommen wohl nicht bereut haben.

Lukas Bauer (links) bringt mit Kapitän Christian Dünnes viel Potenzial und Routine in das mit zahlreichen Nachwuchstalenten gespickte Team der United Volleys Rhein-Main. Foto: United Volleys/Gregor Biskup
Lukas Bauer (links) bringt mit Kapitän Christian Dünnes viel Potenzial und Routine in das mit zahlreichen Nachwuchstalenten gespickte Team der United Volleys Rhein-Main. Foto: United Volleys/Gregor Biskup

Sie sind Volleyball-Profi. Gibt schon Pläne für die Zeit nach der Karriere?

Nun, meine Rückkehr nach Deutschland hatte auch persönliche Gründe, denn ich war damals im Endspurt eines sportlichen Bachelor-Studiengangs in Ansbach – und das ging natürlich besser von Frankfurt aus als von Frankreich. Mit meiner Vertragsverlängerung bis 2018 habe ich ein Masterstudium im Medien- und Kommunikations-Management begonnen. Wie es danach weitergeht, kann ich heute noch nicht sagen. Derzeit macht mir noch viel Spaß, Volleyball zu spielen und Teil des Projekts zu sein.

Blicken wir doch einmal kurz zurück. War es der richtige Schritt, nach den zwei Jahren beim VfB Friedrichshafen, mit dem zweimal Deutscher Meister geworden sind, ins Ausland zu wechseln?

Nach meinen Anfängen in Rieden, Hirschau und im Volleyball-Internat Kempfenhausen habe ich in Eltmann erste Erfahrungen in der Bundesliga gesammelt. In Friedrichshafen habe ich viel gelernt, war aber nur teilweise Stammspieler. Nach vier Jahren Bundesliga war der Wechsel nach Frankreich im Alter von 22 Jahren eine mutige, aber die absolut richtige Entscheidung. So war ich und so bin ich. Ich habe stets Lust auf neue Herausforderungen, auf Challenges, auf neue Erfahrungen und Kulturen. Und ich war auch sportlich in einer Liga, die ausgeglichener und darum insgesamt stärker ist als die deutsche Bundesliga, erfolgreich. Ein 3:2 ist in Frankreich keine Seltenheit. So wäre der Durchmarsch eines Neulings auf Tabellenplatz drei, wie er uns mit den United Volleys in der Vorsaison gelang, wohl weitaus unrealistischer. Gleich in der ersten Saison in Toulouse wurde ich zum besten Blocker der Liga gewählt. Auch in Sète an der Mittelmeerküste hatte ich eine sehr gute Zeit. Und das letzte Jahr bei Saint-Nazaire Volley-Ball Atlantique war extrem interessant.

Mit ihren schweren Verletzung 2011 und dem Schritt ins Ausland kam aber auch der Bruch in ihrer Nationalmannschaftskarriere. Immerhin kamen 21 A-Länderspiele zusammen.

Schwer zu sagen. Ich hatte damals eine Stressfraktur im Schienbein, die bei fortgesetzter Belastung das Risiko in sich birgt, dass sie immer wieder wieder aufbricht. Nach der Operation und mit dem Nagel im Bein hatte ich das Gefühl, in meiner Karriere vielleicht zu wenig Pausen gemacht zu haben. Aber trotz der Doppelbelastung war es top, für Deutschland zu spielen, wobei ich heute froh bin, nach der Hallensaison im Sommer meinen Fokus auf andere Dinge legen zu können. Insofern ist die Nationalmannschaft für mich kein großes Thema mehr.

Mit der Rückkehr aus Frankreich sind Sie auch ihre Heimat Oberpfalz wieder ein Stück nähergekommen. Verfolgen Sie noch den Volleysport in der Region?

Ich verfolge die Entwicklung immer noch mit Interesse. Im Herbst ist es mir sogar einmal gelungen, mir ein Heimspiel der Riedener Volleyballer anzusehen. Interessant finde ich auch den Neustart der Amberger Herren in der Bayernliga: Aber auch hier zeigt sich, dass dazu Leute notwendig sind, die Gas geben. Natürlich ist im Volleyball mit seiner relativ geringen Medienpräsenz schwierig, die nötigen finanziellen Mittel für höhere Spielklassen zusammenzubringen. Riesig freut mich, wenn ich bei unseren Heimspielen Besuch aus der Oberpfalz bekomme. Aus Schwend war schon einmal eine Gruppe da. Und als zwölf Schnaittenbacher Volleyballerinnen im Dirndl in die Frankfurter Halle kamen, war der Gruß aus der Heimat nicht zu übersehen.

Ihr Frankfurter Teammanager Henning Wegter hat Sie kürzlich als echter Teamleader bezeichnet. Was erwarten Sie als Co-Kapitän der United Volleys Rhein-Main von den anstehenden Play-off-Spielen zu deutschen Meisterschaft?

Natürlich ist es mein und unser Ziel, das Finale zu erreichen. Aber wir wissen, dass die Berlin Recycling Volleys in der Favoritenrolle sind. Sie sind auf jeder Position ein bisschen erfahrener, vielleicht auch ein bisschen besser besetzt. Aber mit viel Emotion und einer möglichst guten Leistung wollen wir versuchen, sie ein bisschen zu kitzeln.

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Playoff-Halbfinale startet

  • Die United Volleys

    Rhein-Main spielten bis 2015 unter dem Namen des Stammvereins TG 1862 Rüsselsheim vorwiegend in der 2. Liga, zwei Spielzeiten auch in der 1. Bundesliga. Nach dem Aufstieg entstanden die United Volleys, die das Spielrecht aus Rüsselsheim übernahmen und Frankfurt als Spielort wählten.

  • In ihrer ersten Saison

    in der 1. Bundesliga erreichte die Mannschaft das Halbfinale der Playoffs um die deutsche Meisterschaft und gewann damit die Bronzemedaille. Im DVV-Pokal 2015/16 kam sie ebenfalls ins Halbfinale und unterlag den Berlin Recycling Volleys. Christian Dünnes wurde zum Topscorer der Bundesliga gekürt.

  • Lukas Bauer

    kam zu Beginn der Saison 2015/16 zu den United Volleys Rhein-Main. Mit Deutschland wurde war der Riedener Vize-Europameister der Junioren und Fünfter bei der Herren-Weltmeisterschaft geworden. Mit dem VfB Friedrichshafen holte er zwei deutsche Meistertitel und landete im Jahr 2010 auf Platz neun der Weltliga.

  • Am Samstag, 8. April,

    startet das Playoff-Halbfinale um die deutsche Meisterschaft nach dem Modus „best of three“. Um 18.30 Uhr erwarten die Berlin Recycling Volleys in der Max-Schmeling-Halle die United-Volleys Rhein-Main. Das zweite Spiel ist für 16. April in Frankfurt terminiert, das dritte für 20. April wieder in Berlin.

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