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Leichtathletik

Traum von Doha nur im Fernsehen

Corinna Schwab aus Hiltersdorf hat mit 20 Jahren sportlich schon viel erreicht. Nur für die WM hat die Form nicht gestimmt.
Von Gerd Spies

Corinna Schwab (rechts) – hier im vergangenen August im Berliner Olympiastadion – hat noch nicht zu ihrer alten Form zurückgefunden.  Foto: Sven Hoppe/dpa
Corinna Schwab (rechts) – hier im vergangenen August im Berliner Olympiastadion – hat noch nicht zu ihrer alten Form zurückgefunden. Foto: Sven Hoppe/dpa

Amberg.Es war das Jahr 2007, als ein achtjähriges, blondes Mädchen das erste Mal beim Leichtathletiktraining des TV 1861 Amberg im FC-Stadion aufkreuzte. Das Trainer-Ehepaar Lutz und Gundi Glaser, das aus der ehemaligen DDR stammte und in der ganzen Region als hochkompetent galt, schickte das Mädchen wieder nach Hause. Sie sei zu klein für die Leichtathletik.

Die kleine Corinna aus Hiltersdorf aber gab nicht auf, sie ging einfach wieder hin. Sie wollte ja Läuferin werden. Und sie sollte recht behalten: Heute zählt Corinna Schwab zu den besten 400-Meter-Läuferinnen Deutschlands. „Elf Jahre war das FC-Stadion mein zweites Zuhause“, erzählt die Sportlerin.

Am Ende des Rennens entscheidet der Kopf

Auf die Kurzstrecken 200 Meter und 400 Meter hat sich die Amberger Sportlerin im Laufe ihrer Karriere spezialisiert. Gerade die 400 Meter zählen in der Leichtathletik zu den härtesten Disziplinen. Auf keiner anderen Laufstrecke produziert der Muskel in so kurzer Zeit so viel Laktat. „Der Kopf spielt hier eine große Rolle. Er entscheidet über die letzten Meter am Schluss des Rennens, wenn die Beine nicht mehr wollen“, weiß die Athletin aus eigener Erfahrung.

Am Bildschirm im elterlichen Wohnzimmer verfolgt Corinna Schwab die Leichtathletik-WM in Doha. Foto: Gerd Spies
Am Bildschirm im elterlichen Wohnzimmer verfolgt Corinna Schwab die Leichtathletik-WM in Doha. Foto: Gerd Spies

An diesem Wochenende sitzt Corinna Schwab im Wohnzimmer ihres elterlichen Wohnhauses in Hiltersdorf bei Amberg und verfolgt am Fernsehbildschirm die Leichtathletik-Weltmeisterschaften im arabischen Wüstenstaat Katar. Ihr Terminplan hatte eigentlich etwas anderes vorgesehen: Die Läuferin wollte dabei sein bei dieser WM in Doha und in der 4x400-Meter-Mixed-Staffel an den Start gehen. Aber es kam alles ganz anders.

Neues Umfeld und neuer Trainer in Chemnitz

„Ich bin in diesem Jahr nie so richtig in die Saison gekommen“, nennt die 20-Jährige den Grund ihrer Nicht-Nominierung. Die „Schwaben-Power“, wie sie sich selbst auf ihrer Homepage nennt, kam einfach nicht auf Touren. Das hatte aber aus ihrer Sicht auch seine Gründe. Zum einen war da der Umzug nach Chemnitz zum Olympia-Stützpunkt. „Neues Umfeld, neuer Trainer, der Körper musste sich erst auf die veränderten Trainingsbedingungen einstellen. Dazu der Studienbeginn. Es war alles nicht so einfach“, gesteht die Studentin der Wirtschaftswissenschaften.

Großes Ziel Olympia

  • Ausblick: Neue Ziele hat sie sich auch schon gesteckt. Die Olympischen Spiele stehen 2020 an, diesmal in Tokyo. Und den Traum, hinter der deutschen Fahne ins Olympiastadion einzumarschieren, will sie sich unbedingt erfüllen. (age)

Trotzdem hat sie den Wechsel von Amberg nach Chemnitz nie bereut, sagt sie. Mit Jörg Möckel, dem Bundestrainer der Männer, steht ihr ein kompetenter Fachmann zur Seite. Sie erhält eine professionelle medizinische Betreuung. Und im Gegensatz zu ihrem ehemaligen Club TV 1861 Amberg sei sie hier Teil einer Trainingsgruppe, in der jeder jeden pusht, schwärmt die Läuferin.

Zu der Umstellung kam dann auch noch Verletzungspech hinzu, und das gleich zu Beginn der Vorbereitungsphase. Der Mittelfuß war gebrochen, musste im Oktober 2018 operiert werden. Von gezieltem Aufbautraining konnte keine Rede mehr sein.

Leichtathletik

Die verrückte Saison der Corinna Schwab

Japan, Probleme auf der Paradestrecke, Minsk-Bronze: Vor der Sparkassen-Gala ist bei der Ambergerin viel passiert.

Erst spät in der Saison stieg Schwab wieder in das intensive Training ein. Zwar errang sie in diesem Jahr einen dritten Platz mit dem deutschen Team bei den European Games in Minsk sowie bei der U23-Europameisterschaft in Schweden in der 4x400-Meter-Mixed-Staffel. Bei der Deutschen Meisterschaft Anfang August in Berlin aber blieb sie weit hinter den Erwartungen zurück und schied im Vorlauf aus.

Spitzenklasse ist in weite Ferne gerückt

Von ihrer Bestzeit aus dem Jahr 2017, die bei 53,09 steht, ist Schwab derzeit weit entfernt. Mit „Ziel verfehlt! Unterirdische Leistung“ beschreibt sie das Ergebnis dieses Wettkampfs, will ihn am liebsten aus dem Gedächtnis streichen und nach vorne schauen.

Natürlich wurde es mit diesem Ergebnis nichts mit der Nominierung für die WM in Doha. Es reicht einfach im Moment nicht zur Spitzenklasse bei den deutschen 400-Meter-Frauen, wie sich die Hiltersdorferin eingestehen muss. Und das, obwohl die deutschen Frauen im internationalen Vergleich meilenweit hinterherhinken. Die deutsche Mixed-Staffel erreichte in Doha nur den 14. Platz und schied bereits im Vorlauf aus. Die überragenden Läufer, die seit Jahren den Wettbewerb beherrschen, sind die Amerikaner. Sie gewannen auch souverän die Goldmedaille vor Jamaika.

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