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Auf die Plätze, fertig, Cross-EM!

Corinna Harrer und Florian Orth von der LG Telis Finanz laufen in Albufeira in einer hierzulande wenig beachteten Disziplin für Deutschland.
Von Claus-Dieter wotruba, MZ

Am vergangenen Sonntag noch mit Mütze beim Nikolauslauf in Regensburg am Start, ist Corinna Harrer (Startnummer 140) an diesem Sonntag bei rund 20 Grad mehr in Portugal bei der Cross-Europameisterschaft am Start. Foto: Brüssel

REGENSBURG. Raus aus dem Schnee, heute rein in den Flieger nach Portugal und Laufen bei Temperaturen um die 20 Grad. Klingt verlockend. Doch Corinna Harrer (19) und Florian Orth (21) machen in Albufeira ja nicht Urlaub. Zwei der Aushängeschilder der LG Telis Regensburg vertreten am Sonntag die deutschen Farben bei der Crosslauf-Europameisterschaft in den Altersklassen U20 und U 23.

Die Cross-Szene läuft zumindest hierzulande nahezu unbeachtet. Und so reagiert der Deutsche verdutzt, wenn andernorts plötzlich Anteil genommen wird und die Zuschauer in Fünferreihen an der Strecke stehen. Corinna Harrer, die im Vorjahr mit dem U-20-Team Bronze gewann und im Einzel als Vierte eine Medaille knapp verfehlte, hat in Dublin diese Erfahrung gemacht. „Bei uns gibt es so etwas nicht“, sagt sie.

Im Matsch von Dublin fühlte sich die kraftvolle Läuferin pudelwohl und im Vorteil. Diesmal werden die Bedingungen anders sein: In Portugal wird zumindest teilweise auf Gras gelaufen. Florian Orth kennt das von seinen EM-Starts 2007 und 2008. „Ich habe da die Extreme erlebt. Im spanischen Toro war die Grasstrecke knüppelhart, weil es lange nicht geregnet hatte. Ein Jahr später in Brüssel war es matschig und kühler.“

Starterlisten, Bestzeiten, Vorjahres-Ergebnisse – im Cross ist das sowieso meist Schall und Rauch. Prognosen lassen sich – anders als auf der Bahn – ungleich schwerer treffen. „Nur, weil mir im Vorjahr zwei Sekunden zu Platz drei gefehlt haben, heißt das nicht, dass es diesmal eine Medaille werden muss“, sagt Harrer, die im Vorjahr bei ihrem Ziel-Durchlauf nicht einmal ihre exakte Platzierung wusste und in Albufeira ihren letzten Start in der Jugendklasse absolviert. „Ich will ein gutes Rennen zum Abschluss liefern. Denn nächstes Jahr wird sich für mich einiges ändern.“

Harrer und Orth eint der Spaß am Cross. „Ich mag diese Abwechslung“, sagt Harrer, die Allrounderin mit aktuellem Spezialgebiet 800 Meter. „Das ist etwas Anderes als zweimal im Kreis zu laufen. Es gibt auch nicht dieses Gehabe um Favoriten und Zeiten.“ Und Florian Orth, der deutsche Junioren-Meister über 1500 Meter, sagt: „Im Cross treffen sich alle. Da kann der 800- oder 1500-Meter-Mann über acht Kilometer mal schneller sein als ein 5000-Läufer.“

Oberste Priorität hat für das Telis-Duo Albufeira zweifellos nicht. „Letztes Jahr hatte ich den Fehler gemacht, speziell für Cross etwas zu tun“, sagt Harrer, die in der vergangenen Woche auf 160 Trainingskilometer kam und im Schnitt in zehn bis zwölf Einheiten 130 Kilometer läuft. „Diesmal steht die Bahnsaison eindeutig im Vordergrund.“ Orth hat seit der Qualifikation in Darmstadt vor drei Wochen „gezielt ein paar Bergläufe mehr“ in sein Programm eingebaut.

Nach den Plätzen 14 und 9 bei seinen U-20-Auftritten ist der Wettbewerb in der U 23 für ihn wieder eine Stufe härter. „Ich habe von 100 Teilnehmern aus 27 Nationen gelesen“, sagt Orth. „Als Deutscher erreichst du vielleicht eher etwas mit der Mannschaft.“ Das Problem: Der Deutsche Leichtathletik-Verband schickt gerade die Mindeststärke von vier Läufern. Ausfallen darf also niemand.

Bei Harrer, die im Einzel in die Top Ten will und wie im Vorjahr von der Organisation German Road Races zur Nachwuchsläuferin des Jahres in Deutschland gekürt wurde, sieht das anders aus: Mit Gesa-Felicitas Krause gibt es eine zweite sehr starke Läuferin, die die Ambitionen unterstreicht.

Harrer und Orth eint auch ein Jahresziel 2011: Beide Talente wollen sich für die U-23-Europameisterschaft im tschechischen Ostrava qualifizieren. Der Hesse, der aus Treysa zur LG Telis Finanz stieß, 2009 wegen einer Knie-Operation außer Gefecht gesetzt war und 2010 sein bestes Jahr hatte, würde zudem liebend gerne bei der deutschen Meisterschaft auftrumpfen. „Das Auestadion in Kassel ist ein Heimspiel für mich.“ Auch dafür legt Albufeira ein bisschen die Grundlage.

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