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Segeln

Bayerisches Duo mit großem Potenzial

Nach der nervenaufreibenden Olympia-Qualifikation halten der Regensburger Patrick Follmann und Ferdinand Gerz eine Medaille in London für möglich.
Von Robert Gherda, MZ

Allen Grund zur Freude haben Ferdinand Gerz (links) und Patrick Follmann: In der 470er-Klasse haben sich die beiden für die Olympischen Spiele in London qualifiziert. Foto: Bayerischer Segel-Verband

Perth/Fremantle. Jubeln konnte das deutsche Segel-Duo Ferdinand Gerz (München) und Patrick Follmann (Regensburg) bei der eigenen Zieldurchfahrt bei der Segel-WM in Australien noch nicht. Zu diesem Zeitpunkt war nämlich noch unklar, ob sich das Duo in der 470er-Klasse den großen Traum von den Olympischen Sommerspielen 2012 in London erfüllen konnte, da die Zeiten der Konkurrenz aus Spanien und Israel noch nicht vollständig ausgewertet waren.

Erst nach bangen Stunden des Wartens und Rechnens kam die Gewissheit, dass das Duo alle Qualifikationskriterien erfüllt hatte und zu Olympia darf. „Es war schon eine komische Phase, denn alle sprachen uns drauf an, ob wir es geschafft hätten, und dabei wussten wir es selbst nicht“, erinnert sich Follmann. „Als es dann offiziell war, war die Erleichterung und Freude natürlich riesengroß.“

Enormer Druck lastete auf ihnen

Dass es nach einem ausgezeichneten Auftakt ins Turnier überhaupt noch einmal spannend wurde, schiebt Follmann auf einen Frühstart im achten von zehn Wettfahrten. Dadurch fiel das Duo in der Gesamtwertung nicht nur auf den 14. Rang zurück, sondern konnte in der Folgezeit auch nicht mehr so offensiv wie geplant segeln. „Ein weiterer Fehlstart hätte uns um weitere zehn Plätze zurückgeworfen und damit wäre eine Olympia-Teilnahme ausgeschlossen gewesen“, berichtet Follmann, der allerdings von einem Einbruch nichts wissen will.

„In der Qualifikation waren wir zwar konstant unter den besten Fünf, aber man darf nicht vergessen, dass ab dem fünften Tag die Konkurrenz auch deutlich stärker war. Wir sind mit dem Erreichten zufrieden.“

Nach dem enormen Druck, der die ganze Woche auf dem 22-Jährigen und seinem Münchner Kapitän lastete, will das Duo über die Weihnachtsfeiertage erst einmal etwas ausspannen, bevor es im neuen Jahr in Miami beim ersten Weltcup-Rennen wieder ins Wasser geht.

Vom 22. bis 28. Januar messen sich Gerz und Follmann dort mit der Welt-Elite, und auch bei den Weltcup-Rennen Ende März in Palma und Mitte April in Südfrankreich wird das Duo an den Start gehen. Anschließend steht mit der WM im Mai in Barcelona das letzte Highlight vor den Olympischen Spielen an. „Dort hätten wir noch die Chance gehabt, uns für Olympia zu qualifizieren“, erklärt Follmann, der jedoch äußerst froh ist, dass man nun dort entspannt an den Start gehen kann. „Wir nehmen jeden Wettkampf gerne mit, da wir ja erst seit etwas mehr als einem Jahr gemeinsam segeln, aber ohne Druck segelt es sich doch leichter.“

„Es klappt immer besser“

Auch finanziell scheint sich die Sache für Follmann und Gerz nach der Olympia-Qualifikation etwas zu entspannen. „Wir sind mit dem Deutschen Segler-Verband in Gesprächen, was die finanzielle Unterstützung angeht und wurden auch erstmals ins Kadersystem aufgenommen“, erklärt der Mathematik-Student, der nach den Olympischen Spielen sein Studium beenden will.

Für Olympia selbst peilt Follmann einen Platz unter den besten zehn an und hält dieses Vorhaben durchaus für realistisch. „Bei uns klappt es mit jedem Rennen besser, und wir haben noch viel Potenzial“, so Follmann, der dazu auch noch ausgiebig auf der Olympia-Strecke üben will. Auch sonst werden die Trainingstage die Regatta-Tage übertreffen, aber mit ausreichend Training hält Follmann selbst eine Medaille in London nicht für ausgeschlossen. „Das ist zwar wohl eher unrealistisch, aber falls wir zum richtigen Zeitpunkt in Topform sind, ist alles möglich.“

Und dann darf das Duo hoffentlich auch direkt bei der eigenen Zieldurchfahrt jubeln...

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