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Sport aus Cham
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Spitzenkegeln

Das Double für „Matze“ Weber & Co.

Favoritenschreck SKK Raindorf hat Zerbst im Pokal-Final Four von Ludwigshafen am Rande einer Niederlage und holt Bronze.

  • Wieder mittendrin als stiller Genießer: „Matze“ Weber und Kollegen hatten vor dem Double allerdings einen Haufen Holz vor sich mit Raindorf. Fotos: Weber
  • Die Reise nach Ludwigshafen hatte sich jedenfalls gelohnt.

Cham.Beim Final Four in Ludwigshafen war Rot-Weiß Zerbst gegen seinen letztjährigen Vorrundenbezwinger SV Geiseltal-Mücheln dominant und holte sich nach 2014 wieder das nationale Double. Im Finale war Zerbsts Manuel Weiß mit 622 Hölzern bester Mann. Müchelns Teambester Reinhard Hey holte den Ehrenpunkt mit 593.

Um überhaupt ins Finale zu kommen, mussten die Sachsen-Anhaltiner allerdings Maßarbeit leisten gegen Herausforderer SKK Raindorf. Am Ende stand es 4:4, Mathias Weber und Kollegen atmeten tief durch, weil sie bei den Satzpunkten mit 13,5:10,5 die Nase vorn hatten. Gerade noch einmal gut gegangen, für die Chambtaler fast ein gefühlter Sieg, wenngleich eine ebenso bittere Niederlage.

Zerbsts Fabian Seitz konnte nicht lange zehren von seinem starken Start gegen Raindorfs Michael Kotal, der mit 3:1 gewann. Aber auch Mathias Weber verlor gegen Raindorfs Top-Tschechen Radek Hejhal beim 2,5:1,5. Für Manuel Weiß sprach die 2:1-Satzführung, aber Milan Svoboda hatte mit einer 163er-Bahn die Gesamtkegel-Führung. „Raindorf rockt die Halle: Im letzten Satz holt sich auch Svoboda mit 155:154 gegen den mit 621 Kegel besten Zerbster Manuel Weiß das Duell, sodass die Chambtalkegler ein glattes 3:0 übergeben durften“, so der DKBC-Liveticker. Die offensive Aufstellung hatte sich vollauf bezahlt gemacht. Hejhal schraubte mit einer 172er-Schlussbahn den Partie-Bestwert auf 632 Hölzer.

Zerbst musste liefern und tat es

Doch die Zerbster Champions sind an solche Situationen gewöhnt, behalten die Nerven. So als würde der FC Bayern des Fußballs irgendwo auswärts zurückliegen. Zerbst musste liefern und tat das umgehend. Christian Schreiner musste buchstäblich dabei zusehen, wie Timo Hoffmann auf 4:0 davonzog. Philipp Grötsch schafft zwar die Sensation, als er Thomas Schneider nach 0:2-Rückstand noch abfängt, doch Zerbst hatte mit Timo Hoffmann als Partiebesten (650) schon genügend Sätze gesammelt. Alexander Raab unterlag Boris Benedik mit 1:3. Ein starker Raindorfer Auftritt, aber vergebens.

Nach der Wahnsinns-Partie gegen den Deutschen Meister Rot-Weiß Zerbst holten sich die Chambtaler Platz drei mit dem 7:1 über Geheimfavorit SKC Unterharmersbach. Die Einschätzung des DKBC: „Raindorf ließ mit Schlussbahnen jenseits der 150 nichts mehr zu, sondern baute den Vorsprung noch aus. Unterharmersbach legte zwar gegenüber dem Halbfinale zu, doch gegen den Bundesliga-Vierten aus dem Bayerischen Wald reichte das nicht, um aufs Treppchen zu kommen. Für den Zweitliga-Aufsteiger ist das Erreichen des Final Four indes ein sehr großer Erfolg, Platz drei für Raindorf nicht minder“, trafen die Fachleute den Nagel auf den Kopf.

Nach dem starken Halbfinale kam die nächste Raindorfer Top-Vorstellung für keinen mehr überraschend. Zum Start verlor zwar Routinier Christian Schreiner gegen Wolfgang Bollack mit 2:2 (546:561), weil aber Raindorf bereits 13 Sätze gewonnen hatte bei 45 Kegel Vorsprung, war Bronze schon ganz nahe für die Chambtaler. Radek Hejhal setzte sich im tschechisch-französischen Nationalspieler-Duell mit 3:1 (581:558) durch gegen Koell. Kotal, mit 456 Kegel Startbester, gewann schnell beim 4:0 (590:550) gegen Pascal Dräger, Alexander Raab ließ Michael Lehmann mit 2:2 (571:558) hinter sich.

Lieber großer Wurf als Bronze

Milan Svoboda beim 2:2 (584:577) gegen den Ex-Zerbster Axel Schondelmaier und Philipp Grötsch beim 2:2 (610:596) über Markus Wacker machten mit Präzisionsarbeit den nächsten größten Erfolg in der langen Raindorfer Kegler-Geschichte perfekt.

Wenngleich der Favoritenschreck aus dem Bayerischen Wald lieber den großen Wurf mit dem Finaleinzug vollführt hätte. Aber hätte vor der Saison einer Pokal-Bronze prognostiziert, der wäre wohl belächelt worden im Chambtaler Hof.

Im Finale waren die Zerbster dann ungefährdet beim 7:1 über Zweitligist SV Geiseltal-Mücheln. Ohne „Matze“ Weber allerdings, der diesmal mit Jürgen Pointinger rotierte, sodass der Neu-Zerbster aus Regensburg den Sportkameraden Andreas Fritsche mit 3:1 (605:548) niederhalten durfte. Den Kantersieg perfekt machten die Teamkollegen Jürgen Pointinger (4:0), Manuel Weiß (4:0), Timo Hoffmann (3:1) sowie Boris Benedik und Manuel Wassersleben (3:1).

Im Endspiel nur Zuschauer

Im Finale zu pausieren, war Weber ganz recht, weil er tags zuvor wieder schmerzfrei spielen hatte können. Und da wollte er möglichst nichts riskieren im Hinblick auf den Termin mit der Nationalmannschaft am Dienstag in Bamberg. Vormittags Training mit den Auswahl-Kollegen für die Einzel-WM in zwei Wochen, nachmittags Testspiel gegen die bundesdeutsche U23, die schon eine Woche früher um WM-Lorbeer kegelt.

Zwar hätte es „Matze“ Weber natürlich seinen Kumpeln im Chambtal gegönnt, hätten sie im Halbfinale gewonnen. Andererseits ist Pokal-Halbfinale kein Kindergeburtstag, da gibt es keine Rücksichten und „drei Finals in einer Saison zu verlieren, das wäre blöd gewesen“, so Webers O-Ton aus Ludwigshafen. Die Chambtaler, so Mathias Weber, hatten in aller Demut hernach ohnehin eingeräumt, dass die Zerbster Champions trotz 3:0-Führung kalt wie eine Hundeschnauze geblieben waren und die Raindorfer Schwächen eiskalt ausgenutzt hatten. So als würde der FC Bayern in Mönchengladbach nach der Pause ein 0:3 noch drehen.

Dabei hatten natürlich auch die Bahnen im Ludwigshafener Kegler-Palast ihre Rolle gespielt: „Um einen Neuner zu spielen, mussten wir schon eine ganz präzise Kugel schieben, sonst wär‘s nur ein Sechser oder Siebener geworden“, grinste Weber im Kegler-Jargon. In sechs Wochen will er wieder vor Ort sein. Bei der deutschen Einzelmeisterschaft. „Weil ich da als Kegler des Jahres Startrecht habe“, schmunzelt der bekannteste Banker des Landkreises Cham. Ruhm verpflichtet.

Als Einzel-Weltmeister zu kommen, das kann und wollte der Mitterkreither natürlich nicht versprechen. Lieber noch ein wenig den Augenblick genießen in Ludwigshafen: Stimmungsvolle Fans aus Raindorf und Unterharmersbach, schöner Pokal und die Erkenntnis, dass du auf dieser Ebene nie sicher sein kannst, ob ein Schlitzohr der Marke Radek Hejhal deine Schwächen gnadenlos bestraft. (gu)

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