mz_logo

Sport aus Cham
Montag, 18. Juni 2018 24° 2

Rennsport

Ein Chamer durch die Grüne Hölle

Michael Grassl steuerte beim 24-Stunden-Rennen aum Nürburgring mit dem PROOM Racingteam seinen Porsche GT4 zum Klassensieg.

Das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring gleicht einem großen Volksfest – die Zuschauer dürfen ganz nah an die Fahrzeuge und Fahrer. Foto: Gruppe C Photography
Das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring gleicht einem großen Volksfest – die Zuschauer dürfen ganz nah an die Fahrzeuge und Fahrer. Foto: Gruppe C Photography

Cham.Bereits zum 46. Mal fand in der Eifel eines der größten Motorsport Events weltweit statt – das 24h Rennen am Nürburgring. 150 Fahrzeuge und mehr als 500 Fahrer stellten sich der Aufgabe, die berühmte Nordschleife inklusive Grand Prix Kurs vor den Augen von mehr als 200 000 Zuschauern zwei Mal rund um die Uhr zu umrunden. Unter ihnen war auch der gebürtige Chamer Michael Grassl, der auf einem Porsche GT4 Clubsport MR vom Team PROOM Racing ins Rennen ging. Für ihn ist dies Leidenschaft, aber auch Teil seines Berufes.

Seit 2015 lebt und arbeitet er direkt am Nürburgring für die renommierte Firma Manthey-Racing. Manthey-Racing, sechsfacher Gesamtsieger dieses 24h-Rennens, war auch in die Entwicklung seines Einsatzgerätes involviert, dafür stehen die Kürzel MR in der Modellbezeichnung. Hintergrund ist die Mehrheitsbeteiligung der Porsche AG (51 Prozent) am Unternehmen mit Sitz in Meuspath und somit unmittelbarer Nähe zur Rennstrecke.

Eindrücke aus dem Cockpit

Impressionen vom 24h Rennen am Nürburgring

Beruf und Leidenschaft

Im Alltag kümmert sich Grassl um den Vertrieb und technischen Support von Porsche-Rennfahrzeugen und Performancezubehör für Straßenfahrzeuge. Für ihn ist jedoch auch das Bewegen eben dieser Fahrzeuge wichtig, denn „wenn man Klaviere verkaufen möchte, sollte man auch wissen, wie man sie spielt“ und „ein Kunde in diesem Metier merkt sofort, ob du weißt, wovon du sprichst“, sagt er.

Erfolgreicher Rennmarathon – Michael Grassl (links) mit der Crew von PROOM Racing. Foto: frozenspeed
Erfolgreicher Rennmarathon – Michael Grassl (links) mit der Crew von PROOM Racing. Foto: frozenspeed

Zu seinem zweiten Einsatz beim 24h- Rennen kam es, als ein guter Freund und Mentor fragte, ob er sein Team unterstützen möchte. „Im Team PROOM Racing hatten sich Volker Wawer zusammen mit seinem Sohn Achim und dem Australier Rob Thomson zusammengefunden, eine tolle Truppe mit denen ich gerne dieses Spektakel angehen wollte“. Im Vorfeld musste das Fahrzeug motortechnisch umgebaut werden, um somit in einer anderen Klasse nennen zu können, da man sich von dem dortigen Reglement bessere Chancen versprach. „Wir konnten auf einen anderen Reifenhersteller, weniger Mindestgewicht und höheren Tankinhalt zurückgreifen, was uns performancetechnisch sehr half“, erklärt Grassl die technischen Details. In der Klasse SP6 bis 3.5 Liter Hubraum traten vier Fahrzeuge an, die um den Klassensieg kämpften – zum einen zwei BMW M3 GTR sowie ein Porsche 911 GT3 Cup als auch der GT4 Clubsport MR vom Team PROOM.

24-Stunden-Rennen

  • Manthey-Racing

    Die Manthey-Racing GmbH ist ein von den Brüdern Nicolas und Martin Raeder geführtes Unternehmen mit Sitz in Meuspath in unmittelbarer Nähe zur Nürburgring Nordschleife, an welchem die Porsche AG 51 Prozent der Anteile hält. Mit ihren über 150 Mitarbeitern verantwortet Manthey-Racing Kunden- und Werkseinsätze mit Porsche-Rennfahrzeugen in weltweiten Rennserien. Im Auftrag der Porsche AG ist die Manthey-Racing GmbH seit 2013 für die Durchführung von GT-Werkseinsätzen für Porsche Motorsport verantwortlich und setzt in der Saison 2018 zwei Porsche 911 RSR in der World Endurance Championship (WEC) ein.

  • 24 h-Rennen

    Das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring ist ein 24-Stunden-Rennen für Tourenwagen und Gran-Turismo-Fahrzeuge. Das Rennen wird seit 1970 ausgetragen, seit 1984 auf dem Gesamtkurs (25,378 km).

  • Nürburgring

    Der Nürburgring ist eine nach der Nürburg benannte Rennstrecke in der Eifel (Rheinland-Pfalz) und wurde am 18. Juni 1927 eingeweiht und ist die längste permanente Rennstrecke der Welt.

Im Night Qualifying, welches aufgrund von Unfällen mit vielen Gelb- und Code-60-Phasen nur eine schnelle Runde zuließ, konnte das neu aufgebaute Fahrzeug auf P1 in der Klasse und P67 gesamt positioniert werden. Beim zweiten Qualifying dann die Ernüchterung – der Porsche 911 GT3 Cup vom Team Rent2Drive schob sich vorbei. Am Ende fehlten 0,9 Sekunden auf P1, aber der Startplatz 67 konnte gehalten werden. Den Start bestritt Achim Wawer bei strahlendem Sonnenschein und toller Kulisse. Nachdem der Youngster nach wenigen Runden aufgrund eines Querstehers bei Tempo 250km/h und flinker Hände (nur) leichten Leitplankenkontakt hatte, musste ein Boxenstopp her, um die Beschädigung zu analysieren. Der Tausch der Frontverkleidung würde zu viel Zeit in Anspruch nehmen, das Teil wurde mit Tape fixiert. Durch den Stopp fand sich das Team zwischenzeitlich auf dem 127. Platz wieder – von dort an sollte die Aufholjagd beginnen. Stopps mit Reifen- und Fahrerwechsel sowie Tanken liefen reibungslos und ohne weitere Zwischenfälle, so dass sich das Quartett um Mitternacht auf Platz 68 des Gesamtklassements wiederfand. Dann allerdings öffnete der Himmel seine Schleusen und das typische Eifelwetter mit Regen- und Kälte forderte die ersten „Opfer“.

Typisches Eifelwetter – Michael Grassls Rennen im weiß-blauen Porsche war eine Herausforderung. Foto: frozenspeed
Typisches Eifelwetter – Michael Grassls Rennen im weiß-blauen Porsche war eine Herausforderung. Foto: frozenspeed

Um 04:30 Uhr übernahm Michael Grassl das Steuer von Wawer jun. und kämpfte sich durchs Feld, was bei Regen, Nebel und teilweisem Unfall-Chaos auf der Strecke nicht ganz einfach war. Lohn der guten Vorbereitung war die Führung in der Klasse vor den beiden BMWs sowie die Position 47 im Gesamtklassement, welche Wawer sen. sich nach dem Wechsel verteidigen musste. Er hatte mit erschwerten Bedingungen zu kämpfen, da bereits nach kurzer Zeit sämtliche Regelsysteme im Fahrzeug ausfielen, dennoch konnte er ohne Platzverluste an den Australier Thomson übergeben. Auch dessen Stint verlief problemlos, allerdings verdichtete sich am Sonntagvormittag der Nebel, was die Rennleitung dazu bewog das Rennen mit roter Flagge zu unterbrechen. Nach zwei Stunden, die für den Tausch der Frontverkleidung und die Reparatur der Regelsysteme genutzt wurde, kam die Meldung „Re-Start“. Achim Wawer sollte derjenige sein, der den letzten Stint absolvieren und das Fahrzeug als Klassensieger nach Hause bringt. Er überquerte die Ziellinie als erster der Klasse SP6 und 50. im Gesamtklassement mit 35 GT3 Fahrzeugen vom Schlage eines Porsche 911 GT3R, BMW M6 GT3, AMG GT, Audi R8 LMS oder Ferrari 488.

Lange Party, kurze Nacht

Für Michael Grassl gab es gleich zwei Erfolge zu feiern – den Klassensieg mit PROOM Racing und den Gesamtsieg seiner Kollegen im Team Manthey-Racing mit einem Porsche 911 GT3R. Die Party war trotz aller Strapazen lang und die Nacht kurz.

„Es ist schwer das alles in Worte zu fassen oder einem Außenstehenden zu erklären – zum einen ist es Sport, zum anderen auch mein Beruf. Wir bewegen uns auf einer emotionaleren Ebene als vermutlich in vielen anderen Berufen. Zu sehen, wie sich eine ganze Firma, ein ganzes Team nach der Zieldurchfahrt in den Armen liegt, ist schon gigantisch“, sagt Grassl.

„Wenn man Klaviere verkaufen möchte, sollte man auch wissen, wie man sie spielt.“

Michael Grassl, Rennfahrer sowie Vertriebs-und Supportmitarbeiter für Porsche Rennfahrzeuge

Trotz der Liebe zum Motorsport, den Erlebnissen auf den Rennstrecken dieser Welt und seiner Wahlheimat Eifel ist der Chamer immer noch fest mit dem Landkreis verbunden. So ist es auch nicht verwunderlich, dass er noch weitere Verbindungen zwischen dem Landkreis und der World of Motorsport kennt. Die Dämpfungstechnologie in vielen Porsche Rennfahrzeugen stammt etwa aus dem Hause Pfeifer Fahrzeugtechnik in Waldmünchen, das Design der PROOM Rennanzüge von Josef Raith, kreativer Kopf der Firma ConzeptOutfits Roding. Die körperliche Fitness für solch ein Rennen Marathon holt er sich bei den Wildfits um Tobi Schmidbauer in Cham.

Weitere Meldungen aus dem Landkreis Cham lesen Sie hier.

Erhalten Sie täglich die aktuellsten Nachrichten bequem via WhatsApp auf Ihr Smartphone. Alle Infos dazu finden Sie hier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht