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Sport aus Cham
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Gewichtheben

KSV Bavaria: Josef Graf wirft hin

Der Meister-Coach der Regensburger bezeichnet das Vertrauensverhältnis zur neuen Vorstandschaft als zerrüttet.
Von Birgit Pinzer

Seit 1990 Vereinsmitglied: Josef Graf und der KSV Bavaria schienen unzertrennbar.  Foto: Brüssel
Seit 1990 Vereinsmitglied: Josef Graf und der KSV Bavaria schienen unzertrennbar. Foto: Brüssel

Regensburg. Erfahrungsgemäß gibt es in Sportvereinen drei große Reibungspunkte, bei denen es krachen kann: Wenn der sportliche Erfolg ausbleibt, wenn die Finanzlage schief ist, oder wenn es zwischenmenschlich schwierig wird.

Bei den Gewichthebern des KSV Bavaria Regensburg stimmt der sportliche Erfolg. An diesem Samstag soll der nächste Meilenstein in der Vereinsgeschichte des KSV Bavaria gesetzt werden. Um 17 Uhr findet in Speyer das Finale um den Aufstieg in die erste Bundesliga im Gewichtheben statt. Als souveräner Meister der 2. Bundesliga Gruppe A gehen die Heberinnen und Heber des KSV Bavaria an den Start, und zwar in der Gewissheit, dass sie auf jeden Fall aufsteigen können – wenn sie denn wollen. Dann gäbe es außer der Gewichtheberhochburg Roding einen weiteren Oberpfälzer Erstliga-Klub. Da auch von einer finanziellen Schieflage der Regensburger nichts bekannt ist, könnte man davon ausgehen, dass bei der Bavaria im Jahr ihres 35-jährigen Vereinsjubiläum Friede, Freude, Eierkuchen herrscht. Das tut es offenbar nicht.

Pressemitteilung versendet

Am Mittwochabend wurde eine Pressemitteilung versandt, die nicht nur Informationen zum bevorstehenden Kampf in Speyer enthielt, sondern in der auch der sofortige Rücktritt von Josef Graf bekannt gegeben wurde. „Ich habe mein Amt als Abteilungsleiter und Trainer der KSV Bavaria mit sofortiger Wirkung niedergelegt.(...) Leider ist das Vertrauensverhältnis zu unserer neuen Vorstandschaft zerrüttet, was mir eine weitere Tätigkeit als Abteilungsleiter und Trainer unmöglich macht. Es tut mir leid für den Sport und für unsere beide Mannschaften“, heißt es dort.

Das Leben spielt sich nicht in einer Trainingshalle ab.

Josef Graf bestätigt den Inhalt der Mitteilung. Er hat sich bereits bei den Verbänden abgemeldet, sich aus E-Mail-Verteilern nehmen lassen. „Es sind junge Leute beim KSV Bavaria, die sehr engagiert sind. Ich wünsche ihnen viel Glück. Viel mehr möchte ich aber nicht mehr dazu sagen. Es ist alles gut“, sagt Graf.

Lesen Sie hier: Der KSV macht sein Meisterstück.

Alles gut? Gerade mal vor vier Wochen hatte Graf der Mittelbayerischen ein größeres Interview gegeben, voller Euphorie, voller Leidenschaft mit dem Blick in Zukunft gerichtet. Nun ist es so, dass ein Mann, der sich seit 28 Jahren bei einem Verein engagiert, hinwirft.

Ob es zwischenmenschliche Dissonanzen gibt, oder unterschiedliche Ansichten sportlicher Natur, dazu wollten sich weder Sebastian Reischl noch Graf äußern. „Ich kann zu dem Thema aktuell lediglich sagen, dass das vereinsintern diskutiert wird und alles offen ist“, sagt Reischl. Die Diskussion werde in ein bis zwei Wochen abgeschlossen sein, „dann werden wir uns dazu äußern“.

Reischl und Yüksel gewählt

Reischl wurde bei den Wahlen im März zum ersten Vorsitzenden des Vereins gewählt, zweiter Vorsitzender wurde Yasin Yüksel. Yüksel, der von Graf bereits als Zehnjähriger betreut worden war, war in dieser Saison die Säule der Mannschaft. Ohne seine Rückkehr nach Regensburg wäre der Erfolg in dieser Form wohl nicht möglich gewesen.

Jedenfalls fahren die Heber zum Finale nach Speyer. Das bestätigte Reischl. Mit der Bavaria, Speyer II und Grünstadt kämpfen drei Mannschaften um zwei Bundesligaplätze – theoretisch. Denn da Speyers erste Mannschaft bereits in der Bundesliga kämpft, darf deren zweite Mannschaft gar nicht hoch verlieren. Der sportliche Aufstieg ist also gesichert, auch ohne den langjährigen Trainer. Und was sagt der? „Ich habe es sehr gerne gemacht. Es war mein Leben. Aber es gibt auch noch ein anderes Leben“, sagt Josef Graf.

Lesen Sie hier: Mit Frauenpower und Ästhetik angreifen: Die Regensburger Gewichtheberinnen

Kampf in Speyer

  • Die Regensburger treten in Speyer ohne Yasin Yüksel und Claudia Pobig an.

  • Der Kader besteht aus Jacqueline Schroll, Lena Nützel, Nicole Debowski, Polina Kartascheva, Ben Tisowsky, Petr Veznik, Petr Stransky.

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