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Ski alpin

Ski-Talente: Der lange Weg an die Spitze

Viele Nachwuchs-Fahrer träumen von Olympia. Der Bad Kötztinger Josef Iglhaut begleitet sie – zumindest ein Stück.
Von Maximlian Frickel

Sepp Iglhaut und das Ski-Regio-Team Passau-Landshut-Regensburg Foto: Iglhaut
Sepp Iglhaut und das Ski-Regio-Team Passau-Landshut-Regensburg Foto: Iglhaut

Regensburg.Herr Iglhaut, manchen Stars, wie Felix Neureuther, wurde die Liebe zum Skisport in die Wiege gelegt. Wie war es bei Ihnen?
Ähnlich, wenn auch nicht so erfolgreich (Iglhaut lacht). Meine Familie war skiverrückt – mein Vater hat im Dezember 1948 die Skiabteilung des TV Bad Kötzting gegründet und war dort immer sehr engagiert. Für ihn war es also ganz logisch, mich als Vierjährigen mit auf die Piste zu nehmen.


Sie sind seit mehr als 40 Jahren Skilehrer, aber auch Chefcoach des Ski-Regio-Teams Passau-Landshut-Regensburg (PLR).

Genau. Ich habe 2004 den Cheftrainerposten des damals entstandenen Regio-Teams übernommen. Dort sollen junge Athleten gefördert werden.
Begonnen habe ich 2005/06 mit 38 Athleten und wenig finanziellen Mitteln. Mit den Jahren wurde die Arbeit immer erfolgreicher und so kamen dann auch immer mehr Gönner und Förderer auf uns zu, die uns unterstützen.

Ab welchem Alter ist es sinnvoll, Jugendliche an den Leistungssport heranzuführen?

Den Berg runterrutschen kann man früh. Aber vom Leistungssport-Gedanken her lieber vorsichtig im Alter von acht bis zehn Jahren mit viel Spaß anfangen. Ohne viel Blau und Rot, wie ich es nenne – also ohne viele Stangenslaloms – aber trotzdem immer mit der richtigen Technik. Wenn die Kinder dann etwas älter sind, kann man als Skilehrer schon etwas gezielter ausbilden. Aber auch hier gilt noch: Mehr Spaß als Training! Erst bis zum 14. Lebensjahr sollte das Gelernte weiter forciert werden, aber wie vorher auch: ganz ohne Druck. Jetzt zeigt sich schon, ob ein Kind das nötige Ski-Gefühl hat oder nicht. Mit 14 beziehungsweise 15 Jahren stehen dann viele Jugendliche vor dem Scheideweg und Trainer und Eltern haben nicht so viel Einfluss auf die Entscheidungsfindung. Viele Nachwuchssportler stellen sich dann die Frage: „Soll ich weiterhin so viel Energie in den Sport stecken oder meine Freizeit lieber anders gestalten?“ Entscheidet sich das Kind für den Sport, ist ein mehrmaliges Training pro Woche unabdingbar.

Sepp Iglhaut, Cheftrainer des Regio-Teams Foto: Iglhaut
Sepp Iglhaut, Cheftrainer des Regio-Teams Foto: Iglhaut

Was ist Ihr persönlicher Anspruch als Cheftrainer?

Ich will den Ansprüchen der Eltern und der Kinder gerecht werden. Wenn sie vollkommen leistungsorientiert sind, dann arbeite ich auch dementsprechend mit ihnen. Anspruchsvolle Athleten brauchen nun mal auch ein anspruchsvolles Training.

Wie schneiden die PLR-Athleten im bundesweiten Vergleich ab?

Für den Aufwand, den wir betreiben, schneiden wir mehr als hervorragend ab. Viele der jungen Sportler sind deutschlandweit unter den besten ihrer Altersklasse.

Falls einer Ihrer Schützlinge zu Ihnen käme und den Wunsch äußern würde, Profi zu werden. Was würden Sie ihm raten?

Zuallererst muss er weiter an sich arbeiten. Das heißt, im Sommer genauso hart trainieren wie im Winter. Das Konditions-, Kraft- und Beweglichkeitstraining genauso ernst nehmen wie das Skifahren. Der nächste logische Schritt wäre dann meiner Meinung nach das Ski-Internat. Zumindest ist das Internat auf jeden Fall oft das Ziel und das sollte es auch sein. Nur dort können die Sportler gut genug ausgebildet werden, um die wirklich großen Ziele verwirklichen zu können. Das würden sie hier kaum schaffen, weil separate Schule und Leistungssport kaum unter einen Hut zu bringen sind.

Noch ein weiterer Rat?

Die Athleten müssen das aber unbedingt auch selbst wollen und – sie müssen das nötige Ski-Gefühl haben. Das ist die wohl wichtigste Eigenschaft für den weiteren Verlauf der Karriere. Ohne das Ski-Gefühl und die Bereitschaft, alles dem Sport komplett unterzuordnen, ist der Weg zum Leistungssportler kaum zu bewältigen.

Gibt oder gab es schon Athleten des Regio-Teams, die den Sprung geschafft haben?

Viele, die ich in diesem Team betreuen durfte, hatten auf jeden Fall das nötige Talent dazu. Aber den Sprung in den Profi-Kader oder eine Teilnahme an Weltcups, oder gar Olympia, ist auch noch von anderen Faktoren abhängig. Susanne Höcherl, über die Ihre Zeitung früher öfter berichtet hat, war beispielsweise ein Riesentalent. Sie hatte alles, was eine herausragende Skifahrerin ausmacht: Kondition, Ski-Gefühl, eine herausragende Technik und Ehrgeiz. Sie hätte es meiner Meinung nach schaffen können. Aber irgendwann kam einfach der Punkt, an dem sie sich für einen anderen Weg entschieden hat.

Aus unserer Region haben drei Talente den Sprung auf die Eliteschule des Sports CJD in Berchtesgaden geschafft.

Ja. Anna Schillinger (16 Jahre, SWC Regensburg, BSV Landeskader), Selina Mezabrovschi (16, TV Schierling, BSV Landeskader) und Paul Wickert (14 Jahre, TV Schierling). Alle drei haben das Können und den Ehrgeiz, ihre Ziele erreichen zu wollen. Es ist aber eigentlich mehr als das nötig. Manchen fehlt der letzte Touch. Man muss sich absolut quälen können, muss perfekt mit dem Trainer harmonieren. Und dann kommen ja auch noch andere Faktoren hinzu, beispielsweise Verletzungspech, das im besten Fall einfach ganz ausbleiben sollte. Das nötige Talent aber ist bei allen drei auf jeden Fall vorhanden.

Erfahren Sie hier mehr über die Ski-Talente aus unserer Region: Zwei Bretter, die die Welt bedeuten

Wissen Sie, wo die größten Problemfelder für die Nachwuchssportler liegen?
Das größte Problem ist wahrscheinlich der schulische Druck, der Spagat zwischen Ausbildung und Sport. Ein- bis zweimal in der Woche zu trainieren, mag für gute regionale Ergebnisse reichen, aber falls ein Sportler deutschlandweit erfolgreich sein will, muss er deutlich mehr Zeit investieren.

Schuldruck ist auch für Nachwuchsathleten anderer Sportarten ein Stolperstein. Gibt es Probleme, die nur Ski-Fahrer haben?
Ein Riesenproblem für alle Eltern und Jugendliche sind natürlich die extrem weiten Strecken, falls man aus der Region um die Stadt Regensburg kommt und nicht direkten Zugang zum Gletscher hat. Es gibt hier nicht mehr genug regionale Trainingsmöglichkeiten – deshalb müssen wir und das Team, die Nachwuchsskifahrer, zweimal in der Woche schon mal mehrere hundert Kilometer fahren – zum Beispiel nach Garmisch. Die Eltern müssen also genauso viel in den Sport stecken wie die Kinder selbst – wenn nicht sogar mehr. Falls das nicht möglich ist, wäre ein Schritt ins Internat umso wichtiger.

Nachwuchsarbeit

  • Das Regio-Team

    bereitete sich diese Saison in Hintertux, Stubai, Sölden und am Kitzsteinhorn vor.

  • Der Bad Kötztinger

    Sepp Iglhaut ist kein Einzelkämpfer. Ihm zur Seite stehen Tom Fischer und Franz Obermeier. Aber auch rührige Eltern sind gefragt. Stangensäcke transportieren, rutschen, Parcours auf- und abbauen – aber das Team geht vor!

  • Zur Zeit

    sind 40 Jugendliche Teil des Regio-Teams Passau-Landshut-Regensburg.

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