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Corona: ASV initiiert bayernweite Umfrage

Die NLZ-Verantwortlichen sprechen sich gegen eine Fortführung der Saison aus. Ihr Konzept findet Anklang

Das NLZ des ASV Cham nahm mit den 17 weiteren BFV-Nachwuchsleistungszentren Kontakt auf, um ein flächendeckendes Meinungsbild zu bekommen. Das soll nun dem Verband zur Verfügung gestellt werden.  Foto: Can
Das NLZ des ASV Cham nahm mit den 17 weiteren BFV-Nachwuchsleistungszentren Kontakt auf, um ein flächendeckendes Meinungsbild zu bekommen. Das soll nun dem Verband zur Verfügung gestellt werden. Foto: Can

Cham.Im Herrenbereich wurde für eine Fortsetzung der aktuellen Saison nach der Corona-Pause gestimmt. Im Jugendbereich steht der Bayerische Fußball-Verband (BFV) aktuell noch im Sondierungsprozess. Zur Unterstützung der Entscheidungsträger hat sich das BFV-Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) des ASV Cham klar positioniert und versucht nun einen bayernweiten Grundkonsens aller Nachwuchsleistungszentren zu initiieren.

Während in anderen Sportarten wie Handball, Basketball und Volleyball bereits eine Entscheidung über die Wertung der aktuellen Jugendsaison aufgrund der Corona-Pause getroffen wurde, steckt der BFV aufgrund der komplexen Situation im Jugendbereich sowie des diversen Meinungsbildes noch in Beratungen. Aus diesem Grund hat sich das BFV-NLZ Cham um NLZ-Leiter Gerhard Peintinger und Koordinator Andreas Klebl entschlossen, den Bayerischen Fußball-Verband bei der Entscheidungsfindung zu unterstützen. Sie versuchen, mit den anderen Nachwuchsleistungszentren einen gemeinschaftlichen Vorschlag zur Fortsetzung des Spieltriebs im Jugendbereich zu finden. „Es wird keine für alle Parteien optimale Musterlösung geben und jede Position wird Abstriche machen müssen“, stellt Peintinger klar.

Saison muss planbar sein

Die Leistungszentren sind Amateurvereine am Übergang zwischen Basis- und Spitzenförderung im Jugendbereich. „Deshalb können wir die Interessen sowohl des Amateur- als auch des Profifußballs nachvollziehen und wollen eine Brücke zwischen beiden Lagern schlagen“, begründet Peintinger die Initiative der Chamer. Dabei entwarfen die ASV-Verantwortlichen aufbauend auf die Videokonferenz der Verbandsligisten ein Konzept, in welchem die Faktoren „Planbarkeit“ und „Gerechtigkeit“ als Entscheidungsgrundlage zur Fortsetzung des Spielbetriebs die oberste Priorität einnehmen.

Der Planbarkeitsaspekt und der Gerechtigkeitsaspekt haben sowohl im Profibereich als auch im gesamten bayerischen Jugendbereich eine hohe Bedeutung und sie können in beiden Lagern Anwendung finden.

„Eine Saisonfortführung ist in unseren Augen sportlich nur fair, wenn diese mit derselben Altersklasse und demselben Kader zu Ende gespielt wird. Dies ist im Jugendbereich jedoch nahezu unmöglich“, erklärt NLZ-Koordinator Andreas Klebl. U19-Spieler, die bereits im Herrenbereich einen Amateurvertrag unterschrieben haben, stehen ab Juli nicht mehr zur Verfügung. Ebenso sind etwaige Trainerbesetzungen problematisch. „Hier sticht Arbeitsrecht das Sportrecht“, so Klebl. Zudem wechseln beispielsweise einige Spieler aus dem BFV-NLZ Cham zu Profivereinen, denen man die Chance nicht verbauen möchte.

Auch Kaderfluktuationen aufgrund von schulischen Veränderungen, Studien- oder Berufsbeginn seien kaum aufzuhalten und machen eine faire Wettbewerbsfortsetzung unmöglich.

Schließlich macht die Ungewissheit des Wiederbeginns den ASV-Verantwortlichen Sorgen. „Im ,Worst Case‘ dauert es bis April oder Mai 2021, bis beispielsweise der Jahrgang 2006 die aktuelle U14-Saison fertigspielen kann. Im August 2021 wird der Jahrgang 2006 aber laut BFV-Jugendordnung der U16 zugeordnet. Somit würden diese Spieler mit der U15-Bayernliga eine der wichtigsten Entwicklungsstufen überspringen“, stellt der A-Lizenzinhaber heraus. Aus diesen Gründen plädieren die ASV-Verantwortlichen zur vernünftigen und seriösen Planung der kommenden Saison für eine reguläre Durchführung der passrechtlichen Wechselphase vom 1. Juni bis 15. Juli 2020 und einen geordneten Übergang der Jahrgänge in die nächsthöhere Altersklasse zum 1. August 2020. „Alle Vereine wollten Planungssicherheit in den Bereichen, wo derzeit eine Planbarkeit möglich ist“, lautet das Credo der ASV-Funktionäre.

Quotienten-Regelung denkbar

Die Chamer haben auch ein Konzept ausgearbeitet, wie sie sich die Wertung der aktuellen Saison vorstellen. Jedoch merkt Klebl an: „Das ‚Wie‘ ist in unseren Augen sekundär. Hier gibt es verschiedene denkbare Modelle mit Vor- und Nachteilen. Unser Ausgangspunkt ist das ‚Was‘.“ Für ein höchstes Maß an Gerechtigkeit sei wichtig, dass die bisher erbrachte Leistung im Aufstiegsfall gewertet, aber auch die Chance auf den Ligaerhalt im Abstiegskampf gewährleistet werden muss. „Es wäre unfair, eine Mannschaft absteigen zu lassen und ihr somit die Chance auf den Klassenerhalt zu entreißen, obwohl teilweise noch nicht einmal die Hälfte der Saison gespielt wurde“, sagt Peintinger.

Aus diesem Grund spricht sich das BFV-NLZ Cham für eine Quotientenwertung der aktuellen Saison – wie im Handball bereits angewendet – mit einem Aufsteiger und keinem Absteiger aus. Mit der Quotientenwertung wird die Tabellenplatzierung aus den bisher erbrachten Leistungen gebildet, indem die erreichten Punkte durch die Anzahl der Spiele geteilt werden. „Gerechtigkeit bedeutet für uns, dass niemand generell benachteiligt werden darf, wohlwissend, dass es auch Härtefälle geben wird“, verdeutlicht Klebl. NLZ-Leiter Peintinger fügt hinzu: „Dieses Konzept wäre ohne Weiteres auch für den Seniorenbereich übertragbar.“

Um ein möglichst flächendeckendes Gesamtbild zu bekommen, haben sich Peintinger und Klebl in der letzten Woche mit allen weiteren 17 bayerischen Nachwuchsleistungszentren kurzgeschlossen. Obwohl die Stellungnahme von zwei Nachwuchsleistungszentren noch aussteht, war der Grundkonsens bei den übrigen 15 Vereinen einstimmig. Ausnahmslos alle NLZ-Vertreter haben sich für den Punkt Planbarkeit samt einer regulären Durchführung der Wechselphase sowie für einen geordneten Altersklassenübergang ausgesprochen.

Auch die gerechte Wertung der aktuellen Saison nach dem Quotientenmodell mit einem Aufsteiger und keinem Abstieg befürwortete die überwältigende Mehrheit. Im nächsten Schritt wird der erzielte Grundkonsens beim Verband eingereicht, den man durch dieses einhellige Meinungsbild bei seiner Entscheidungsfindung unterstützen will. (cav)

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