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Basketball

Der neue Coach kommt aus den USA

Bradley Melton ist das neue Gesicht an der Chamer Außenlinie. Die Suche nach dem Nachfolger von Kevin Decker war schwierig.
Von Andreas Koller

Der neue Trainer Bradley Melton selbst war als Spieler ein exzellenter Werfer. Foto: Christina Nicklas
Der neue Trainer Bradley Melton selbst war als Spieler ein exzellenter Werfer. Foto: Christina Nicklas

Cham.Die Nachricht, dass Headcoach Kevin Decker nach drei äußerst erfolgreichen Jahren beim ASV Cham nicht mehr an die Seitenlinie zurückkehren würde, stellte die Verantwortlichen der Abteilung vor eine Mammutaufgabe. Ein Nachfolger musste her … Dafür war man gezwungen auch ungewohnte Wege zu gehen.

Als Kevin Decker vor drei Jahren zum ASV kam, wurde viel umgestellt. Nicht nur hinter den Kulissen waren Veränderungen erkennbar, auch auf dem Feld und in den Trainingseinheiten brachte Decker die Abteilung auf ein ganz neues Level. Decker war emotional, coachte mit Leidenschaft und war ein Taktik-Fanatiker. Unter seiner Leitung gelang es der Mannschaft, auf Anhieb in die Bayernliga aufzusteigen, den Bezirkspokal zu gewinnen und die Klasse zu halten. Wie soll nun, nach dem Rückzug Deckers aus dem Basketballsport, ein Nachfolger gefunden werden, der noch dazu die erfolgreiche Arbeit seines Vorgängers fortsetzen kann?

Gute Trainer sind selten

Wolfgang Zierl (links) und Andreas Koller (rechts) von der Abteilungsleitung freuen sich, dass die Verpflichtung von Melton geklappt hat. Foto: Christina Nicklas
Wolfgang Zierl (links) und Andreas Koller (rechts) von der Abteilungsleitung freuen sich, dass die Verpflichtung von Melton geklappt hat. Foto: Christina Nicklas

Diese Frage mussten sich die Verantwortlichen des ASV Cham ebenso stellen. Basketballtrainer in der Oberpfalz sind rar, gute sind noch viel seltener. Man ging die potenziellen Kandidaten durch, fragte an und musste feststellen, dass es alles andere als leicht werden würde.

Um die Suche noch weiter auszuweiten, verfassten die Verantwortlichen eine Art Stellenanzeige mit Anforderungsprofil und veröffentlichten dies über ein Trainersuchportal im Internet. „Anfänglich hatten wir eigentlich wenig Hoffnung, dass wir über diesen Weg jemand Passenden finden würden“, spricht der stellvertretene Abteilungsleiter Andreas Koller über diesen ungewöhnlichen Weg der Trainersuche.

Schnell ein gutes Gefühl

Zur Überraschung aller dauerte es nur kurze Zeit, bis die „Bewerbung“ eines gewissen Bradley Melton Mitte Juli beim ASV ankam. Auch aus Litauen bot ein Trainer seine Dienste den Chamern an. Wolfgang Zierl und Andreas Koller organisierten in den folgenden Wochen mehrere Telefon- und Skype Konferenzen mit Melton, der zu der Zeit in seiner Heimat USA weilte. „Wir hatten bereits in den ersten Gesprächen ein sehr gutes Gefühl, auch wenn immer noch ein wenig Skepsis dabei war. Doch mit jedem Gespräch wurde das Vertrauen größer und da sich beide Parteien aufeinander zubewegt haben, konnten wir den Deal abschließen“, so ein sichtlich erleichterter Abteilungsleiter Wolfgang Zierl.

Melton ist ein gebürtiger US-Amerikaner, der seit inzwischen mehr als 30 Jahren als Profispieler und Trainer tätig war. Er wuchs in zwei kleineren Städten im Bundesstaat Illinois auf und entdeckte bereits in jungen Jahren seine Liebe zum Basketball.

Zuletzt trainierte er in Luxemburg die BBC Residence Walferdange Damenmannschaft in der ersten nationalen Liga. Auch Teams in Australien (2. Liga Herren) oder diverse College-Mannschaften in der NCAA wurden von ihm bereits betreut. Als aktiver Spieler war Melton vor allem als Distanzschütze bekannt und auch heute noch ist er als Shooting-Coach aktiv.

„Ich habe sowohl als Spieler als auch als Coach mit Spielern zu tun gehabt, die es in die NBA geschafft haben. Ich persönlich kann einige 40-Punkte-Spiele aufweisen.“

Bradley Melton

„Ich kam 1984 nach Europa und spielte dort 15 Spielzeiten lang. Ich habe sowohl als Spieler als auch als Coach mit Spielern zu tun gehabt, die es in die NBA geschafft haben. Ich persönlich kann einige 40-Punkte-Spiele aufweisen, in der Saison 1988-89 habe ich sogar 50 Punkte erzielen können, darunter zehn Dreier“, spricht Melton mit leuchtenden Augen über seine Spielerlaufbahn im Interview für das Saisonheft der ASV Cham Basketballer. Seit 2012 ist er bei der BGM Shooting Academy als sogenannter „Head Shooting Instructor“ tätig und betreut Spieler von High Schools bis hin zu Profis, die ihren Wurf verbessern wollen.

Die Freude ist groß

„Ein wenig verrückt ist es schon, dass ein international erfahrener Trainer in das doch eher beschaulichere Cham kommen möchte“, spricht auch ein heute noch etwas ungläubiger Andreas Koller. Für den US-amerikanischen Coach, der seit mehr als dreißig Jahren in Europa ist, ist es jedoch weniger verrückt, da er in seiner Karriere schon viel erlebt habe.

Der neue Trainer landete erst Mitte September in Deutschland und bis zum ersten Saisonspiel in Schwandorf (29. September) bleiben ihm somit nur zwei Wochen mit dem Team. Die Vorbereitungsphase ist in diesem Jahr alles andere als optimal. Die vakante Trainerposition machte dem Team und der Abteilung schwer zu schaffen.

„Ein wenig verrückt ist es schon, dass ein international erfahrener Trainer in das doch eher beschaulichere Cham kommen möchte.“

Andreas Koller

Zwar übernahm Co-Trainer Kai Berger seit August weitestgehend den Trainingsbetrieb, jedoch konnten so auch nicht alle Einheiten abgehalten werden. Hinzu kommen die Abgänge einiger Schlüsselspieler wie Tamas Markus, welche die Mannschaft zusätzlich schwächen.

Mentale Stärke im Vordergrund

Nur gut, dass solche Situationen für den neuen Trainer nichts Neues sind. „Trainer- und/oder Spielerwechsel für Teams sind selten einfach. Ich war schon in ähnlichen Situationen und war in der Lage, schnell alle auf einen Nenner zu bringen. Dass die meisten der Spieler beim ASV Cham schon eine lange Zeit miteinander spielen, wird dabei natürlich sehr helfen“, ist sich Melton der Herausforderung jedoch bewusst. In den kommenden Wochen wird es nun vorrangig wichtig sein, dass sich Trainer und Team kennenlernen und sich mental auf den Saisonstart vorbereiten. „Eine Vorhersage zu treffen ist schwierig, aber wir werden hart arbeiten, Fortschritte machen und auf dem Feld um den Sieg kämpfen“, gibt der neue Trainer bereits die Marschroute vor.

Einen Konkurrenten weniger hat man in diesem Jahr jedoch schon mal, denn letzte Woche wurde bekannt, dass der TSV Olching seine Mannschaft aus der Bayernliga zurückziehen wird.

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