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Eisstock

Enttäuschung und Triumph bei WM in Regen

Manuel Schmid kam bei der Einzel-Ziel-Konkurenz auf Platz vier. Eine Australierin düpiert die etablierten Weitschützinnen.

Manuel Schmid vom FC Ottenzell verpasste bei der WM in der Einzelkonkurrenz das Podest. Er wurde von Ewald Schmid getröstet. Foto: Beate Purucker
Manuel Schmid vom FC Ottenzell verpasste bei der WM in der Einzelkonkurrenz das Podest. Er wurde von Ewald Schmid getröstet. Foto: Beate Purucker

Cham. Nach zwei Silbermedaillen im Zielschießen mit der Mannschaft lief es für Deutschland im Einzel mit zwei Goldenen wieder wie geschmiert. Für die zwei Weltmeistertitel sorgten Verena Gotzler vom EC Gerabach und Stefan Zellermayer vom TSV Hartpenning, die bei den 13. Weltmeisterschaften in Regen nervenstark ihre Vorrundenführung verteidigten. Manuel Schmid vom FC Ottenzell hat im Einzel-Zielschießen die Bronzemedaille verpasst. Bei den Weitschützen kam Michael Späth vom FC Altrandsberg in der Herrenkonkurrenz auf Platz acht.

Gotzler hat sich mit einer überragenden Finalleistung zur Weltmeisterin gekürt. Die Vorrundensiegerin baute mit 160 und 181, dem besten Finaldurchgang aller 24 weiblichen und männlichen Zielschützen, ihr Sechs-Punkte-Polster auf 63 aus und gewann mit gesamt 651 Punkten vor der österreichischen Titelverteidigerin Simone Steiner (588) und der Slowenien Sabina Jancic Dobnik (571).

Durch eine abgebrühte Vorstellung fügte Zellermayer seinem vor einer Woche geholten Junioren-Gold nun noch den Weltmeistertitel der Herren hinzu. Wie Gotzler startete er mit lediglich sechs Punkten Vorsprung. Allerdings wurde er vom österreichischen Titelverteidiger Thomas Fuchs von Anfang an unter Druck gesetzt.

Von Bronze ein Stück entfernt

Dieser lag nach dem ersten Finaldurchgang (176 zu 169) tatsächlich mit einem Zähler in Front. Doch bewies der erst 21-jährige DESV-Medaillengarant einmal mehr stahlharte Nerven, konterte mit 176 zu 167 und triumphierte mit gesamt 716 Punkten vor Fuchs (708) und dessen Landsmann Matthias Taxacher (696). Vierter wurde Manuel Schmid vom FC Ottenzell, der sich zwar um einen Platz verbessern konnte, mit 668 aber von Bronze weit entfernt war. Mehr erwartet als Rang sieben und der für seine Möglichkeiten mageren 628 (143/181/166/138) Punkte hat sich wohl Thomas Elsenberger vom EC Saßbach.

Unterschiedlicher hätte die Einzel-WM im Weitenwettbewerb bei den 13. Weltmeisterschaften in Regen aus nationaler Sicht kaum enden können. Während die Herren mit Markus Schätzl vom SV Oberbergkirchen und Peter Rottmoser vom SV Schechen einen Doppelsieg feierten, mussten sich die vier favorisierten deutschen Weitenschützinnen mit Bronze für Birgit Wagner vom ESV Mitterskirchen abfinden.

„Das kann doch wohl nicht wahr sein“, haben sich vermutlich alle Experten gedacht, als sie das Klassement der ersten Weltmeisterschaft im Eisstock-Weitschießen der Damen gesehen haben. Hinter einer durchaus für möglich gehalten Goldmedaillengewinnerin aus Österreich folgt als Vize-Weltmeisterin eine Athletin aus Australien. Chrysanthe Psychogios hat mit 98,84 Metern die Welt der Weitenwelt auf den Kopf gestellt. Um 78 Zentimeter besser war nur die erste Damen-Weltmeisterin der Geschichte, Nina Neubauer aus Österreich. Dahinter fehlten der besten Deutschen, Birgit Wagner vom ESV Mitterskirchen, mit 97,33 fast 1,5 Meter zu Silber. Der Topfavoritin Annalena Leitner (95,84) vom SV Unterneukirchen fehlten sogar exakt drei Meter auf Psychogios.

Die Europameisterin von Klobenstein 2019 wurde hinter der Österreicherin Petra Winkler nur Fünfte. Antonia Kachelmann (ESC Uehlfeld) und Sabrina Miels (AC Neustift) beendeten die Weitenjagd mit 94,94 und 93,26 ebenfalls deprimiert auf den Plätzen sieben und acht. Ernüchternd – Psychogios zweitbester Versuch war über 20 Meter kürzer bei 75,24 Metern.

Kritik an Bahn-Bedingungen

Wie kam es zu dieser nationalen Enttäuschung, die bereits nach dem ersten der fünf Durchgänge entschieden war? Wenn mit einer einzigen Ausnahme zwölf Weitenfinalisten ihre Bestmarken im ersten Durchgang erzielen, dann bedeutete das, dass sich die Bedingungen ab dem zweiten Versuch verändert hatten.

Michel Späth wurde in der Herrenkonkurrenz Achter. Foto: Albert Kamhuber
Michel Späth wurde in der Herrenkonkurrenz Achter. Foto: Albert Kamhuber

Während im ersten Durchgang noch neun von zwölf Athleten mehr als 92 Meter verbuchten, gab es im zweiten Durchgang nur noch zwei Damen, die die 90er-Marke knackten. In den drei weiteren Durchgängen wurden die Weiten sukzessive geringer. Der Regener OK-Weitenchef Franz Ebner und einige Nationaltrainer haben den vom International Federation Icestocksport (IFI) eingesetzten Wettbewerbsleiter Max Moritz während des zweiten Durchgangs darauf hingewiesen.

Da bei den kurz darauf startenden Herren die Bahnverhältnisse vom ersten Schuss an gleich waren, entwickelte sich ein fairer und spannender Wettbewerb entwickeln, in dessen Verlauf lediglich in Durchgang drei keine Bestmarken erzielt wurden. Die Auftaktweite des Österreichers Philipp Baumgartner (112,51) toppten Europameister Markus Schätzl (SV Oberbergkirchen) und Peter Rottmoser (SV Schechen) im zweiten Durchgang mit Weiten auf 114,03 und 112,81 Meter. Mit einem starken vierten Versuch ließ Baumgartner Rottmoser noch mal zittern. Allerdings blieb der Stock wieder exakt bei 112,51 Metern stehen.

Hinter dem Top-Trio gab es im vierten und fünften Durchgang ständige Positionswechsel an deren Ende sich Reinhold Beyerlein (TSV Friedenfels) und Lokalmatador Michael Späth (FC Altrandsberg) mit den Rängen sieben und acht anfreunden mussten.

Auch ohne Fans war die Stimmung auf der 120 Meter langen Kunsteisbahn gut. Dafür sorgten die Athleten untereinander. Trotz der fehlenden Zuschauer war der Weitenwettbewerb mit 30 Damen aus sieben und 57 Herren aus 14 Nationen ein Highlight der Weltmeisterschaften in Regen.

Ergebnisse

Zielwettbewerb Einzel-Finale Damen: 1. Verena Gotzler (EC Gerabach) 651 Punkte/Vorrunde 310; 2. Simone Steiner (AUT) 588/296; 3. Sabina Jancic Dobnik (SLO) 571/304; 4. Maria Empl (SV Gumpersdorf) 556/279; 5. Karin Prast (ITA) 544/281

WM-Mannschaftsspiel Damen: Qualifikation: 1. Deutschland 26:2 Punkte; 2. Italien 22:6; 3. Österreich 20:8; 4. Slowenien 13:15; 5. Tschechien 11:17; 6. Weißrussland 9:19; 7. Schweiz 7:21; 8. Finnland 4:24. Page-Play-off-Finale Qualifikationsspiel 1: Deutschland – Italien 28:28 (9:13/19:15/26:8). – Ausscheidungsspiel: Österreich – Slowenien 35:3 (23:3/12:0). – Quali 2: Österreich – Italien 34:8 (21:5/13:3). Finale: Deutschland – Österreich 37:13 (18:8/19:5)

Herren: Qualifikation: 1. Österreich 43:1; 2. Deutschland 37:7; 3. Italien 32:13, Stocknote 2,197; 4. Schweiz 32:12, 1,964; 5. Brasilien 28:16; 6. Tschechien 24:20; 7. Australien 18:26; 8. Slowenien 16:28; 9. Weißrussland 12:32; 10. Frankreich 10:34; 11. Russland 10:34; 12. Finnland 2:42. Page-Play-off-Finale: Qualifikationsspiel 1: Österreich – Deutschland 33:11 (16:8/17:3). Ausscheidungsspiel: Italien – Schweiz 27:21 (11:15/16:6). Quali 2: Italien – Deutschland 29:14 (13:11/16:3). Finale: Österreich – Italien 30:26 (14:18/16:8)

Herren Gruppe B: 1. Kanada 40:4; 2. Namibia 38:6; 3. Ungarn 31:13; 4. Kolumbien 30:14; 5. Guatemala 27:17; 6. Polen 26:18; 7. Kenia 20:24; 8. Dänemark 20:24; 9. Indien 16:28; 10. Ukraine 10:34; 11. Argentinien 4:40; 12. Spanien 242

Herren: 1. Stefan Zellermayer (TSV Hartpenning) 716/371; 2. Thomas Fuchs (AUT) 708/365; 3. Matthias Taxacher (AUT) 696/353; 4. Manuel Schmid (FC Ottenzell) 668/350; 5. Franz Roth (AUT) 637/345; 6. Josef Aichner (ITA) 628/353; 7. Thomas Elsenberger (EC Saßbach) 628/324; 8. Martin Casper (SUI) 605/313; 9. Eduardo Schuster (BRA) 568/317; 10. Armin Wyss (SUI) 532/283; 11. Hanni Walter (ITA) 513/282; 12. Jens Seebacher (ITA) 483/274.

WM im Weitenwettbewerb Einzel Damen: 1. Nina Neubauer (AUT) 99,62; 2. Chrysanthe Psychogios (AUS) 98,84; 3. Birgit Wagner (ESV Mitterskirchen) 97,33; 4. Petra Winkler (AUT) 96,58; 5. Annalena Leitner (SV Unterneukirchen) 95,84; 6. Evelyn Perhab (AUT) 95,26; 7. Antonia Kachelmann (ESC Uehlfeld) 94,94; 8. Sabrina Miels (AC Neustift) 93,26; 9. Katharina Dresch (AUT) 92,27; 10. Jennifer Mayrl (CAN) 90,52; 11. Andrea Spiess (SUI) 87,41; 12. Franziska Knoll (ITA) nicht angetreten

Herren: 1. Markus Schätzl (SV Oberbergkirchen) 114,03; 2. Peter Rottmoser (SV Schechen) 112,81; 3. Philipp Baumgartner (AUT) 112,51; 4. Markus Weichinger (AUT) 110,82; 5. Markus Bischof (AUT) 107,66; 6. Manuel Wildhölzl (AUT) 106,33; 7. Reinhold Beyerlein (TSV Friedenfels) 99,48; 8. Michael Späth (FC Altrandsberg) 99,29; 9. Franc Dobnik (SLO) 86,33; 10. Karl Abfalterer (ITA) 80,66; 11. Tomi Nieminen (FIN) 72,08; 12. Roska Rok (SLO) 60,10 (cal)

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