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Gedenken

Erinnerung an den deutschen Weltmeister

Schachspieler aus Bad Kötzting erinnern an Emanuel Lasker. Er war der einzige Deutsche, der je den Titel trug.
Von Ditmar Brock

Ende 2018 hat mit Magnus Carlsen ein Norweger, den Titel des Schachweltmeisters errungen. Bislang hat nur ein Deutscher diesen Titel getragen. Emanuel Lasker hatte diesen Titel 27 Jahre lang inne. Er wurde vor 150 Jahren geboren. Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Ende 2018 hat mit Magnus Carlsen ein Norweger, den Titel des Schachweltmeisters errungen. Bislang hat nur ein Deutscher diesen Titel getragen. Emanuel Lasker hatte diesen Titel 27 Jahre lang inne. Er wurde vor 150 Jahren geboren. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Bad Kötzting.Heute kennen wahrscheinlich nur noch Schachspieler seinen Namen. Dabei war Emanuel Lasker in den 1920er Jahren eine in der deutschen Öffentlichkeit weithin bekannte Persönlichkeit. Da er Heiligabend 1868 in Berlinchen, dem heutigen Barlinek, geboren wurde, hätten wir uns seiner am 24. Dezember erinnern können, auch wenn an diesem Tag das Gedenken an Christi Geburt sicherlich Vorrang hat.

Von einem Menschen bleibt immer das lebendig, was in dem Gedächtnis der Lebenden einen Platz gefunden hat. Fragen wir also Schachspielern, was ihnen zu Emanuel Lasker einfällt. Roland Janka vom Bad Kötztinger Schachklub erinnert daran, dass Lasker eine bis heute unerreichte Fähigkeit auszeichnete, Stellungen zu erreichen, die seinen Gegnern überhaupt nicht lagen. Er hatte ein großes psychologisches Gespür für solche Schwächen seiner Gegner. Weiterhin fällt ihm spontan ein, dass er den Weltmeistertitel sehr lange inne hatte.

27 Jahre lang Weltmeister

Adi MeindlFoto: Brock
Adi MeindlFoto: Brock

Adi Meindl, ebenfalls vom Schachklub Bad Kötzting, ergänzt die Jahre 1894 bis 1921. Über einen derart langen Zeitraum konnte seitdem niemand mehr den Titel verteidigen. Richard Wörl, vom Schachklub Nürnberg Süd ergänzt, dass er der bis heute einzige deutsche Weltmeister war und seitdem nur noch Robert Hübner in die Nähe des WM-Titels gekommen sei. Während heute die Modalitäten für die Verteidigung des WM-Titels durch den Weltschachbund FIDE genau geregelt sind und er auch für Turnierorte und Preisgelder sorgt, lag es damals im Ermessen des Weltmeisters, einen Herausforderer zu akzeptieren und von diesem zu fordern, dass er ein bestimmtes Preisgeld aufzubringen habe.

27 Jahre Weltmeister

  • Titelgewinn

    1894 gelang es Emanuel Lasker genügend Sponsoren zu finden, um einen Wettkampf mit dem bis dahin amtierenden Weltmeister Wilhelm Steinitz auszutragen. Steinitz war gebürtiger Prager und lebte damals in New York. Lasker gewinnt mit 12 zu 7. Den Rückkampf 1896/97 gewinnt Lasker sogar mit 12,5 zu 4,5.

  • Titelkämpfe

    1907 verteidigt Lasker den Titel gegen Frank James Marshall. 1908 siegt Lasker gegen seinen deutschen Konkurrenten Siegbert Tarrasch, 1909 gegen Janowski. 1910 verteidigt Lasker seinen Titel gegen Carl Schlechter und 1911 nochmals gegen Janowski und 1916 gegen Tarrasch.

  • Titelverlust: Lasker gibt beim Stand von 5 zu 9 auf. Neue Weltmeister wird 1921 Jose Raul Capablanca.

  • Spiele-Erfinder

    Lasker hat sich mit vielen anderen Spielen als Theoretiker und Erfinder beschäftigt. Bei den Brettspielen hat er das Mühle-Spiel dadurch zu reformieren versucht, dass er jedem Spieler zehn (anstatt neun) Steine gab. Das Dame-Spiel entwickelte er zum Spiel Laska fort. Sowohl mit Kartenspielen (vor allem dem Poker) als auch mit anderen Brettspielen (vor allem Go) hat er sich theoretisch beschäftigt. Lasker gilt als einer der Vorväter der mathematischen Spieltheorie.

Vor diesem Hintergrund muss man auch das Gerücht sehen, an das Adi Meindl erinnert. Lasker habe nur deshalb solange Weltmeister bleiben können, weil er Wettkämpfe gegen seine stärksten Widersacher erst dann ausgetragen habe, als sie den Zenit ihres Könnens bereits überschritten hatten. An diesem Gerücht ist etwas dran, aber einige Wettkämpfe sind nur deswegen nicht zustande gekommen, weil die Herausforderer die von Lasker geforderten Summen nicht zusammen kratzen konnten. Hier war Lasker unerbittlich, weil er vom Schach leben wollte und sich als Berufsspieler verstand.

Deswegen ist er in seiner Jugend zunächst nach London, dann nach New York gegangen, wo man mit Schach mehr Geld verdienen konnte, als im Deutschen Reich. Den WM-Kampf 1894 gegen seinen Vorgänger Steinitz haben amerikanische Mäzene finanziert.

Mathematiker mit Doktortitel

Auch ein anderer Aspekt wird von Adi Meindl angesprochen. Lasker war kein Schachprofi im heutigen Sinne, der sich ausschließlich für Schach interessiert und täglich viele Stunden trainiert. Sowohl beim Go wie beim Bridge war Lasker ein starker Spieler.

Roland JankaFoto: Brock
Roland JankaFoto: Brock

Daneben zog er sich für Jahre vom Schach zurück, um in Mathematik zu promovieren und philosophische Studien zu betreiben, die in Richtung der späteren Spieltheorie gingen. Es gelang Lasker aber nicht, auf eine fest besoldete Universitätsstelle zu kommen. Er war auch mit Albert Einstein befreundet und beschäftigte sich kritisch mit der Relativitätstheorie.

1921, also im Alter von 53 Jahren, verlor Lasker den WM-Titel an den 20 Jahre jüngeren Capablanca. Er feierte danach noch einige beachtliche Erfolge und zog sich 1926 vom Turnierbetrieb zurück. Ein ruhiger Lebensabend war Lasker jedoch nicht beschieden. 1933 dekretierten die nationalsozialistischen Machthaber, dass Juden nicht zum deutschen Volk gehören dürften. Für den jüdischen Mitbürger Emanuel Lasker bedeutet das nicht nur die Vertreibung aus Deutschland.

Im Alter von 65 Jahren musste er nun wiederum Schach spielen, weil das die einzige Möglichkeit war, etwas Geld zu verdienen. Dass er im hohen Alter beim Moskauer Turnier 1936 noch Dritter werden konnte, war sicherlich eine bewundernswerte Leistung. 1937 floh er vor dem stalinistischen Terror nach New York, wo er 1941 in ärmlichsten Verhältnissen starb. Bewahren wir ihn und sein Schicksal vor dem Vergessen.

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