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Fußballjunioren in den Startlöchern

In der Region Cham werden der Saisonabbruch und der geplante Neustart bei den Jungs großteils positiv gesehen.

  • Ob im September die neue Saison im Jugendfußball starten kann, ist derzeit noch ungewiss. Foto: Griesbauer/Griesbauer
  • Der Trainingsstart im Kleinfeldbereich ist aufgrund der Auflagen schwieriger umzusetzen. Foto: Siegl/Siegl
  • Foto: Ederer/Ederer

Cham.Nachdem der außerordentliche Bundestag des Deutsche Fußball-Bunds (DFB) am 25. Mai für einen Abbruch der Junioren-Bundesligen votiert hatte, beschloss auch der Vorstand des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV), die Saison 2019/20 bei den Junioren ebenfalls abzubrechen. Im Gegensatz dazu wird die Saison bei den Senioren, Frauen und Juniorinnen frühestens im September fortgesetzt.

Als Grund für die separaten Entscheidungen im Junioren- und Juniorinnenbereich wurden die komplexen Rahmenbedingungen bei den Jungen, der Stellenwert der Talentförderung sowie die ungleiche Ligenstruktur auf Kreis-, Bezirks- und Verbandsebene genannt. Bei den Juniorinnen spiele die soziale Komponente wie das Thema „Bindung“ eine größere Rolle, weshalb man hier für eine Fortsetzung plädierte.

Bei der Wertung der Saison 2019/20 einigte man sich auf folgenden Modus: Die Abschlusstabelle wird nach der Quotientenregelung gebildet. Es werden alle Punkte einer Mannschaft bis zur corona-bedingten Aussetzung des Wettkampfbetriebs durch die Anzahl der Spiele geteilt, um die unterschiedliche Anzahl an Spielen in den Ligen zu glätten. Nach der Anwendung der Quotientenregel steigen die bestplatzierte aufstiegsberechtigte Mannschaft sowie das auf einem Aufstiegsrelegationsplatz stehende Team auf. Grundsätzlich gibt es keine Absteiger, außer eine Mannschaft ist in der laufenden Saison ohne Punktgewinn geblieben. Aus diesem Grund ist eine Modifizierung der Spielgruppen für die neue Saison notwendig. Die Ligen werden aufgesplittet und auf eine maximale Anzahl von zehn Mannschaften begrenzt.

Im Landkreis Cham stieß die Entscheidung des BFV bei den Jugendleitern grundsätzlich auf Zustimmung. Gerhard Peintinger, Leiter des BFV-Nachwuchsleistungszentrums des ASV Cham, sieht sie als alternativlos: „Jede andere Entscheidung wäre aus meiner Sicht nicht nachvollziehbar gewesen.“ In dieselbe Richtung argumentierte der Jugendleiter des SSV Schorndorf, Christian Reiser: „Ich finde es richtig, dass bei den Herren die Saison sportlich beendet wird. Bei der Jugend sehe ich eine Fortführung nicht für sinnvoll, da sonst alle Jahrgangsstufen durcheinandergebracht werden.“ Andreas Bugl, Jugendleiter bei der DJK Vilzing, möchte nicht in der Haut der Entscheidungsträger stecken. „Man kann jedoch mit der Entscheidung zufrieden sein“, gab er zu Protokoll. Auch Lothar Frech von der SpVgg Willmering-Waffenbrunn kann sich mit der getroffenen Regelung identifizieren: „Ich glaube, dass dies für alle das Beste ist, gerade im Jugendbereich aufgrund der verschiedenen Rahmenbedingungen.“

Prognosen sind schwierig

Etwas zurückhaltender äußerten sich Daniel Rosenhammer vom 1. FC Bad Kötzting und Felix Riedl vom SV Rimbach. „Eine Entscheidung musste getroffen werden. Was die beste Lösung ist, wird man erst in Zukunft sehen“, so Riedl. Auch Rosenhammer hielt sich mit einer Prognose zurück: „Es ist sehr schwierig vorauszusagen. Ich glaube, dass es keine beste Entscheidung gibt.“

Die mehrere Monate andauernde -Pause stellte für viele Vereine eine Herausforderung dar. Ein sozialer Austausch innerhalb der Spieler einer Mannschaft war kaum möglich. Hier mussten die Jugendleiter und Trainer kreativ werden. Am BFV-NLZ in Cham wurde das vereinseigene Athletikprogramm samt Movement Preparation und Stabilisation um ein Beweglichkeits- und Blackrole-Training erweitert. Während im jüngeren Bereich eher Technik-Challenges im Mittelpunkt standen, mussten die älteren NLZ-Spieler nach Laufplänen trainieren. Zudem wurde ein Videokonferenz-Tool angeschafft, mit dem ganze Mannschaften Workouts absolvieren konnten. Auch die anderen Vereine wie Kötzting und Vilzing setzten verstärkt die digitalen Medien während der Corona-Zeit ein.

Die DJK Vilzing war dabei einer der ersten Vereine, der bereits nach den ersten Lockerungen mit einem Kleingruppentraining begann. „Man hat gemerkt, dass bei der Durchführung von Läufen und Workouts bei den Spielern irgendwann die Lust verloren ging. Deshalb wollten wir so schnell wie möglich zurück auf den Platz“, erklärte Andreas Bugl. Die Erfahrungen im Kleingruppentraining waren sehr gut. Unterstützung bekam das Trainerteam der Vilzinger Fußballjugend von Spielern der 1. Mannschaft, die bei der Durchführung des Trainings mithalfen und bei den Jugendlichen für eine Zusatzmotivation sorgten. „Die Zusammenarbeit mit unseren Senioren war hervorragend. Sogar Sepp Beller, Sportlicher Leiter der DJK Vilzing, schaute einmal vorbei.“, freut Bugl das gute Miteinander von Jugend und Senioren.

Auch bei den meisten anderen Vereinen befinden sich einzelne Mannschaften bereits wieder im Trainingsbetrieb. Aufgrund des großen Aufwands für die Trainer und der hohen hygienischen Auflagen steht aber das Sportliche eher im Hintergrund. Wichtiger sei, dass die Jugendlichen wieder zusammenkommen und ihre sozialen Kontakte haben. „Für die jungen Altersklassen bis zur E-Jugend halte ich es unter den momentan geltenden Auflagen schwierig, ein Training zu machen“, sagte Christian Reiser, weshalb die genannten Vereine zuerst mit den Großfeldmannschaften wieder ins Training starteten. Schorndorf und Rimbach haben die Corona-freie Zeit für Arbeiten an der Infrastruktur genutzt. Die Gefahr, dass Spieler mit Fußballspielen aufhören oder sich anderen Sportarten zuwenden, ist bei den Vereinen immer vorhanden, besonders im Pubertätsalter. Ob durch die Corona-Pause die Gefahr eines Dropouts steigt, ist ungewiss. Die DJK Vilzing und der 1. FC Bad Kötzting haben bisher keine Abmeldungen und sind positiv gestimmt.

Dropout ist stets eine Gefahr

Lediglich in den 2. Mannschaften bestehe eine höhere Wahrscheinlichkeit des Dropouts. Gerhard Peintinger sagt: „Die Gefahr besteht immer, wenn über einen so langen Zeitraum keine Maßnahmen sind, dass für manche Fußball nicht mehr so präsent ist.“ Lothar Frech von der SpVgg Willmering-Waffenbrunn ergänzt, dass die Gefahr vor allem bei Spielern hoch sei, bei denen der elterliche Rückhalt fehle.

In Rimbach und Schorndorf glaubt man, dass höchstens vereinzelt Spieler dem Fußball den Rücken zuwenden. Felix Riedl, Jugendleiter des SV Rimbach, setzt auf den sozialen Zusammenhalt im Verein: „Unsere Spieler sind auch abseits des Fußballplatzes viel zusammen und gehen größtenteils in dieselbe Schule.“

Der Autor

  • Andreas Klebl:

    Der 29-Jährige ist Regionalauswahltrainer der DFB-Stützpunkte in Ostbayern. Er übernahm damit den Posten von Günter Brandl, der dem ehemaligen Ostbayern-Koordinator Michael Köllner als Co-Trainer zum TSV 1860 München gefolgt war.

  • Trainertalent:

    Der angehende Gymnasiallehrer feierte trotz seiner jungen Jahre bereits zahlreiche Erfolge als Trainer beim ASV Cham, wo er auch spielte, ehe ihn mehrere schwere Verletzungen stoppten.

Der BFV geht zwar davon aus, dass am 1. September die neue Saison startet, jedoch ist es ungewiss, ob aufgrund der staatlichen Vorgaben der Termin eingehalten werden kann. Daniel Rosenhammer vom 1. FC Bad Kötzting möchte diese Woche mit dem kompletten Trainingsbetrieb der neuen Jahrgänge beginnen und möglichst bis zum Saisonstart durchtrainieren. „Natürlich immer unter Berücksichtigung der Belastungssteuerung“, so Rosenhammer.

Der ASV Cham und die DJK Vilzing werden Ende Juni bzw. Anfang Juli mit der regulären Vorbereitung beginnen. „Unsere Trainer sind angehalten, die Vorbereitung so zu planen, als ob wir am 1. September mit dem ersten Pflichtspiel starten. Sollte es Verschiebungen geben, haben wir bereits einen Plan B erarbeitet“, sagt Chams NLZ-Leiter Gerhard Peintinger. Schorndorf, Rimbach und Willmering/Waffenbrunn werden in den nächsten Wochen mit den Trainern die weitere Vorgehensweise besprechen.

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