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Sport aus Cham
Freitag, 25. Mai 2018 23° 8

Extrem-Radsport

Irland ist eine Herausforderung

Bernhard Steinberger geht am 15. September auf den Rundkurs um die grüne Insel. Er möchte beim „Race Around Ireland“ nach fünf Tagen im Ziel sein.
von Thomas Nerf

Countdown für Bernhard Steinberger –in einer Woche startet er in Irland.

Pösing. In Irland findet jährlich ein Extrem-Radrennen statt, wie es nur wenige in der Ultra-Cycling-Szene gibt das „Race Around Ireland“. In diesem Jahr mit dabei ist Deutschlands bester Extremradsportler Bernhard Steinberger aus Pösing. Zudem ist Steinberger der einzige deutsche Vertreter bei einem Dutzend Solo-Fahrern. Weiter starten noch fünf Vierer-Teams sowie vier Achter-Teams.

Steinberger, seit Jahren in dieser Sportart eine feste Größe, weiß genau, welche Strapazen ihn erwarten. Vom Start in der Nähe von Dublin gilt es 2 186 Kilometer mit knapp 24 000 Höhenmetern zurückzulegen. Für einen Laien schwer vorstellbar, dass man auf der grünen Insel so viele Höhenmeter zurücklegen kann. Doch der Rundkurs ist mit vielen kleinen Anstiegen und Bergen gespickt. Beim größten Anstieg muss eine Differenz von 450 Höhenmetern zurückgelegt werden.

„Die Strecke verpasst einem viele kleine Nadelstiche, doch die sind irgendwann wie ein Hammer“, sagt Bernhard Steinberger. Startschuss ist am Sonntag, 15. September, um 15 Uhr in St. Castle einem kleinen Ort unweit der Hauptstadt Dublin. Dort ist auch wieder das Ziel.

Das „Race Around Ireland“ ist Teil der WM-Serie der Ultra Marathon Cycling Association (UMCA), zu der auch die anderen großen Langstreckenrennen, unter anderem das „Race Across America“ gehören. Mittlerweile zählt das Rennen zu den renommiertesten Veranstaltungen im Ultra-Cycling Weltcup-Kalender und ist die größte Veranstaltung im Ausdauer-Radsport Europas. Für Steinberger war es schon lange ein Traum, dort zu starten. Es ist die zweite Länderumrundung für ihn nach dem Race Around Austria (3. Platz) 2010.

Virus bremst Vorbereitung aus

Wie bei den anderen Rennen, ist der Kurs nicht abgesteckt oder abgesperrt. Jeder Fahrer mit seinem Team ist auf sich alleine gestellt. Alle 40 bis 80 Meilen muss eine „Zeitstation“ durchfahren werden, bei der das Team der Rennleitung Zeit und Ort melden muss, um die Platzierungen im Rennen zu ermitteln.

Bernhard Steinberger steckt mitten in den Vorbereitungen. Wir er sagte, wollte er eigentlich schon vergangenes Jahr teilnehmen. Szenen aus dem Kinofilm „It's all about“ haben Steinberger in den Bann gezogen. Er hatte er sich zum Ziel gesetzt, bei dem Rennen einen Platz unter den ersten drei zu erreichen. Die Vorbereitung lief für den Pösinger – neben dem Radsport übt er noch einen Vollzeitjob aus – zunächst optimal. Beim Race Across the Alps belegte er den achten Platz, doch dann kam der „große Hammer“.

Hauptsache ins Ziel kommen

Im Juli diagnostizierten die Ärzte eine verschleppte Virusinfektion und verordneten ihm zehn Tage lang Antibiotika. An Sport war nicht zu denken. „Durch diese Infektion habe ich knapp 30 Tage Trainingsrückstand“, rechnet er: „Zehn Tage überhaupt kein Sport, knappe zehn Tage, um den Rückstand wieder aufzuholen und zehn Tage wäre ich so schon weiter.“ So musste auch die Zielsetzung für Irland korrigiert werden, anstatt der ersten Plätze strebt Steinberger „nur“ noch das Ziel „Durchkommen und Finishen“ an, egal wie. Wie er sagte, merke er zurzeit bei jeder Trainingseinheit den Rückstand, er fühlt sich nicht richtig fit. „Ich bin körperlich nicht ganz in Topform, bis zum Rennen versuche ich mich noch ein wenig zu regenerieren, dann wird das schon“, sagt er. Bernhard Steinberger ist ein Kämpfer, in dessen Wortschatz es das Wort „aufgeben“ nicht gibt.

Mit dem Sieg wäre es vermutlich sowieso nichts geworden, ist doch „Vollprofi“ Christoph Strasser aus Österreich ebenfalls am Start in Irland. Strasser ist der erste Mensch, der das härteste Extremradrennen, das „Race Across America“ in diesem Jahr unter acht Tagen gewonnen hat.

Fünf Tage soll es dauern

„Für mich stellt sich nicht die Frage, wer das Rennen gewinnt, es ist eigentlich nur noch zu beantworten, wie schnell Strasser das Rennen gewinnt“, so Steinbergers Einschätzung. Der Streckenrekord aus dem vergangenen Jahr liegt bei vier Tagen und zehn Stunden. In der Auflage 2013 wurde der Rundkurs um knappe 100 Kilometer erweitert. Als weiteren Favoriten sieht er Valerio Zamboni aus Monaco.

Steinberger selbst möchte das Rennen gerne in fünf Tagen beenden, er will knapp 500 Kilometer pro Tag schaffen. Dazu muss er mit minimalen Schlafzeiten auskommen. Wie es im Rennen kommt, muss man allerdings abwarten, ist Steinberger Realist. Das irische Wetter, das allgemein unbeständig ist, liegt dem Pösinger. Er hat lieber hat 20 Grad als 35 Grad.

Nach Irland wird ihn ein achtköpfiges Betreuerteam begleiten, aufgeteilt auf zwei Begleitfahrzeuge. Ein Team bilden unter anderem Albert Dominik, Mario Mark, Gerhard Aschenbrenner und Tom Müller. Das zweite Team bilden Sandra Söllner, Resi Aschenbrenner, Martin Bauer und Christian Laußer.

Sie werden Bernhard Steinberger abwechselnd begleiten. Und dafür ist Steinberger dankbar. Schließlich opfern diese Leute ihren Urlaub. Das Team wird sich am 11. September nach Irland aufmachen mit den beiden Begleitfahrzeugen. Bernhard Steinberger kommt per Flugzeug am 14. September nach. Am Sonntag um 15 Uhr schließlich geht der Pösinger das Rennen an.

In einem Renn-Tagebuch berichten wir ab. 16. September von Steinbergers Race Around Ireland.

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