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Trailrunning

Laufend höchst erfolgreich in der Natur

Für Sabine Wurmsam endeten alle Läufe auf dem Stockerl. Sie zieht ihre Bilanz: „Dieses Jahr war für mich der Wahnsinn!“
Von Maria Frisch

  • Sabine Wurmsam sagt: „Wenn ich einen Berg sehe, muss ich einfach hinauf.“ Bergab ist sie seit ihrem Kreuzbandriss vorsichtiger geworden.Foto: Andi Frank
  • Im Ziel werden bei den Umarmungen Emotionen frei; hier mit Teamkollegen Martin Pfeffer beim Transalpine Run.

Lohberg.„Ich hätte nie damit gerechnet, dass ich so konsequent vorne mitlaufen kann“, ist Sabine Wurmsam aus Lohberg selbst ein wenig überrascht von ihren Leistungen bei den bisherigen Trailrunning-Events. Und die hatten es in sich: Angefangen vom Innsbruck Alpine Trailrun Festival über den Höchkönigman in Maria Alm, den Arberland Ultra Trail, den Cortina-Trail in Italien, dem Transalpine Run II von Oberstdorf nach St. Anton bis zur dreiteiligen Tour de Tirol. Bei all diesen Herausforderungen, bei denen man jedem Finisher gratulieren kann, dass er überhaupt ins Ziel kommt, schaffte es Sabine Wurmsam auf das Stockerl.

„Ich muss niemanden etwas beweisen. Ich habe Spaß dran und tue es allein für mich“, beantwortet die 30-Jährige die Frage, was sie antreibt. Nachdem sie erstmals den Arberland-Trail auf der Distanz von 41 Kilometern gewonnen hatte, flatterte ihr die Anfrage von Steffi Felgenhauer ins Haus bzw. aufs Handy, ob sie Lust hätte, ins Team „Gore wear xc-run.de“ einzusteigen. „Die Chance bekomme ich nie wieder“, brauchte die Naturliebhaberin nicht lange zu überlegen. „Wenn ich abgelehnt hätte, hätte ich mich wahrscheinlich mein ganzes Leben lang geärgert“, weiß Sabine Wurmsam, dass es die richtige Entscheidung war.

Seit 13 Jahren im Training

Das fünfköpfige Team besteht aus drei Männern und zwei Frauen. „Ich habe weder einen Ernährungs- noch einen Trainingsplan“, erklärt die Athletin, dass sie ihr Leben keineswegs umkrempeln musste. Zwischen 80 und 100 Kilometer wöchentlich lief sie schon seit eh und je, und dieses Pensum wird auch vor Wettkämpfen nicht gesteigert. „Ich mache mein persönliches Training schon so lange – genauer gesagt seit rund 13 Jahren – und immer gleichmäßig.“

Natürlich werden Trailrunner wie alle Sportler mit zunehmendem Alter kürzertreten müssen. Darüber macht sich die Lohbergerin aber nicht allzu viele Gedanken. „Es sind Leute dabei, die 70 sind.“ Laufen im Wald ist das natürlichste, das es gibt, werden die Athleten auch von den Physiotherapeuten bestärkt. „Wenn ich 64 Kilometer den Arberland-Trail laufe, tut mir am nächsten Tag nichts weh. Hingegen habe ich nach 42 Kilometer Marathon auf der Straße anderntags beträchtliche Schmerzen“, kann Sabine Wurmsam aus eigener Erfahrung bestätigen.

Bis zum ersten UTLW 2015 war Trailrunning im Bayerischen Wald eigentlich unbekannt. Wenn die Lohbergerin dann doch hin und wieder ein Wettkampf reizte, startete sie eben bei Halbmarathons oder Marathons. „Das war eigentlich nicht das Meine, weil ich einfach viel lieber in der Natur draußen bin“, resümiert die 30-Jährige über diese Zeit der „Sinnfindung“. Es war für sie zwar eine schöne Erfahrung, aber Trailrunning ist etwas ganz anderes. „Wenn ich einen Berg sehe, muss ich einfach hinauf. Das Schöne dabei ist: Wenn ich mich für einen 64-Kilometer-Lauf anmelde, weiß ich, dass ich es schaffe.“ Die Startplätze bekommen die Teammitglieder gesponsert. Die Starts in der Heimat haben es natürlich in sich.

Absolutes Gänsehautgefühl überkommt Sabine Wurmsam noch, wenn sie an den Sieg beim Kaitersbergtrail denkt. „Ich flenne grundsätzlich ins Ziel“, war die 30-Jährige von den emotionalen Umarmungen überwältigt. Beim Arberland Ultra Trail, bei dem sie 2018 als Spitzenreiterin der 41 Kilometer überrascht hatte, legte sie heuer eine Schippe drauf und absolvierte die Königsdisziplin mit 64 Kilometern, bei der es ihr erschien, als flöge sie als Zweite hinter einer Amerikanerin – von Emotionen ergriffen – über die Ziellinie im Hohenzollern Stadion.

Die Lohbergerin kann aber auch ein Lied davon singen, dass es in (fast) jeder Läuferkarriere Tiefschläge gibt. Ein solcher traf sie am 10. August 2015. „Das Datum werde ich nie vergessen, es war mein erster Urlaubstag“, erinnert sich die Athletin, die wegen des schönen Wetters schon am frühen Morgen ohne Handy zum Osser aufbrach. Bis heute hat sie keine Erklärung dafür, wie es eigentlich genau passiert ist. Sie lief talwärts über die Felsen. Ohne Sturz oder Ausrutscher „schnalzte“ es plötzlich im Knie. Im ersten Moment konnte sie nicht mehr gehen, rappelte sich aber dann doch hoch und schaffte die eineinhalb Stunden Nachhauseweg. Wahrscheinlich hat die trainierte Muskulatur die Funktion des gerissenen Kreuzbandes übernommen. „Die Diagnose war niederschmetternd: Eigentlich ein Totalschaden, denn es waren sämtliche Bänder gerissen. Meine einzige Frage an den Arzt war: Kann ich wieder laufen?“ Sabine Wurmsam wurde in Plattling operiert. Der Heilungsprozess bzw. das Aufbautraining verlief erfolgversprechend. „Seither bin ich bergab langsamer unterwegs, weil ich die Sache nicht aus dem Kopf bringe.“ Bergauf ist jedoch ihr Ding. Deshalb kann sie es „downhill“ behäbiger angehen lassen.

Schrammen gehören dazu

Irgendwelche Schrammen trägt sie meistens von den Rennen davon. Stürze ereilten sie beispielsweise in Cortina und beim Transalpin. Beim Hochkönigman, den Sabine Wurmsam gewonnen hat, geriet sie in den Stacheldraht, weil die Organisatoren wegen des Schnees die Strecke ändern mussten. „Statt 46 sind wir 50 Kilometer gelaufen und statt 2600 waren 3300 Höhenmeter zu bewältigen“, erzählt die Bürokauffrau. Den schneebedeckten Stacheldraht am Boden hatte sie nicht gesehen, in diesen eingefädelt und oberhalb der Ferse die Haut aufgerissen.

Beim UTLW war sie bisher noch nie dabei, einmal wegen des Kreuzbandrisses und 2018 wegen einer Sehnenentzündung, die auch aus heiterem Himmel auftauchte. „Es sollte nicht sein“, hat sie sich schließlich damit abgefunden, auf den Körper zu hören. Als Entschädigung gönnte sich Sabine Wurmsam ein paar Wochen später den Eiger-Ultra-Trail – die Faszination pur. Zu dem Startplatz kam sie über Tom Träger und Maria Koller, weil es kurz vorher Absagen gab. Ob die Naturfreundin beim UTLW 2020 startet, ist noch nicht klar. „Ich habe durch den Sieg beim Hochkönigman in Maria Alm für 2020 einen Startplatz für denselben Tag gewonnen“, gibt Wurmsam zu, dass sie der Termin dort mindestens genau so reizt. „Das entscheide ich spontan“, lässt sie sich damit Zeit. (kfl)

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