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Bundesliga

Rodinger Heber feiern Sensationssieg

Favorit SV Germania Obrigheim musste unerwartet Federn lassen. TB-Staffel lieferte zweitbestes Ergebnis ihrer Geschichte ab.

Rodings Kapitän Simon Brandhuber schaffte unter den Augen von Bundestrainer David Kurch 178 Relativpunkte. Foto: Simon Tschannerl
Rodings Kapitän Simon Brandhuber schaffte unter den Augen von Bundestrainer David Kurch 178 Relativpunkte. Foto: Simon Tschannerl

Roding.Die „Hölle war los“ am Samstag beim ersten Bundesligawettkampf des Jahres 2020 vor 450 begeisterten Zuschauern im Rodinger Hebertempel. Trotz mehrerer Faschingsveranstaltungen reichten die aufgestellten Plätze bei weitem nicht aus. Die Fans ahnten anscheinend, was an Spannung und Nervenkitzel auf sie zukommt. Zuletzt ließ der Besucherandrang bei den Hebern ja etwas nach, und so wurden die Verantwortlichen am Samstag förmlich überrollt, sorgten aber schnell für weitere Sitzgelegenheiten.

So begrüßte ein strahlender Rodinger Abteilungsleiter Matthias Hecht an die 400 Zuschauer. Besonders natürlich die Staffel aus Obrigheim mit ihrem Abteilungsleiter Volker Hauß, die mit einem vollen Bus von Schlachtenbummlern angereisten. Der Chamer Landrat Franz Löffler meinte, als er knapp vor Wettkampfbeginn in die Halle kam: „So voll habe ich es hier noch nicht gesehen.“ Unter den Gästen war auch Bundestrainer David Kurch, der seine beiden Olympia Aspiranten Simon Brandhuber, TB03 Roding, und Nico Müller, SV Obrigheim, betreute und beobachtete.

Knistern bei jedem Versuch

Es war definitiv einer der spannendsten Wettkämpfe in der Rodinger Bundesliga-Geschichte. Es knisterte förmlich bei jedem Versuch. Zuerst gab es die lautstarke Anfeuerung mit Trommeln, Ratschen, Sirenen, Hupen, Kuhglocken und rhythmischem Klatschen. Doch wenn der Heber auf die Bühne trat, wurde es mucksmäuschenstill still, und man hätte die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören. Dann folgte begeisterter Applaus für jeden Versuch.

Trotz Top-Leistungen entrissen die Gäste vom Neckar den Athleten vom Regen den Punkt beim Reißen. Der Armenier Sargis Martirosjan (110,9 kg Körpergewicht) mit österreichischer Staatsangehörigkeit und in Diensten von Obrigheim hatte den letzten Versuch an 174 Kilogramm und schnappte um 100 Gramm den Rodingern den ersten Punkt weg. „Schade, schon wieder so knapp“, meinte Abteilungsleiter Matthias Hecht.

Aber die Rodinger Heber betrauerten den Punkteverlust nicht lange. Im Gegenteil – die Tatsache, dass sie so gut mit dem mehrfachen Deutschen Mannschaftsmeister vom Neckar mithalten konnten, stachelte die Gastgeber für das Stoßen erst richtig an. Annika Pilz mit 66 kg beim Reißen und Hermann Voit mit starken 150 kg beim Stoßen lieferten als Paar 126,3 Punkte. Annabell Jahn zeigte nach ihrer Krankheitspause noch etwas Defizit, lieferte aber mit 107 Punkten einen guten Wettkampf.

Hans Brandhuber zeigte Kampfgeist und holte 125,4 Punkte. Foto: Tschannerl
Hans Brandhuber zeigte Kampfgeist und holte 125,4 Punkte. Foto: Tschannerl

Auch Hans Brandhuber musste verletzungsbedingt das Training etwas zurückschrauben, doch mit großem Kampfgeist brachte er 132/166 kg und 125,4 Punkte ein. Nach vielen Wettkämpfen und dreimal über der 140- Punkte-Marke für Roding musste auch der Pilsener Petr Stransky sein Wettkampftraining zurückschrauben. Mit 125 kg Reißen und 154 kg Stoßen lieferte er aber gute 128 Relativpunkte ab. Simon Brandhuber zeigte, dass er für seinen Olympia-Qualifikationswettkampf in Rom gut in Form ist und lieferte mit 178 Relativpunkten (140/168kg) bei nur 68,5 kg Körpergewicht das beste Ergebnis des Tages ab.

Der TB-Hebertrainer Gregor Nowara kämpfte vorbildlich für sein Team. Er brachte sechs gültige Versuche in die Wertung und stellte nach 150 Kilogramm beim Reißen seinen persönlichen Rekord an 190 Kilogramm Stoßen ein. Bei 92,6 kg Körpergewicht ergab dies einen neuen Relativrekord von 154,8 Punkten.

Gregor Nowara stellte seinen Rekord im Stoßen ein. Foto: Tschannerl
Gregor Nowara stellte seinen Rekord im Stoßen ein. Foto: Tschannerl

Damit baute der TB03 Roding seinen Vorsprung beim Stoßen kontinuierlich aus, und am Ende verzichtete Sargis Martirosjan nach 198 kg Stoßen auf seinen letzten Versuch, weil der Vorsprung der Rodinger mit 489,9:473,3 Punkten beim Stoßen uneinholbar war. Er war aber mit 164 Relativpunkten stärkster Heber im Team des SV Obrigheim. Olympiakandidat Nico Müller, der bei seinen Versuchen seine Top-Qualitäten zeigte, lieferte 151,6 Punkte. Im Obrigheimer Team ging mit Victoria Hahn eine weitere Österreicherin an den Start, die bei der vergangenen Winterolympiade noch als Anschieberin im österreichischen Bob saß und jetzt beim Gewichtheben eine zweite Karriere versucht. „Die Technik ist schwierig zu erlernen“, meinte sie nach drei ungültigen Versuchen.

Die Rodinger Halle tobte

Am Ende tobte die Halle nach den nicht erwarteten zwei Punkten gegen den haushohen Favoriten. Heber, Betreuer und Fans lagen sich in den Armen. Roding siegte mit 809,5:793,4 Punkten und lieferte das zweitbeste Ergebnis der Vereinsgeschichte ab. Der Rekord steht bei 811,1 Punkten.

Natürlich gab es ein dreifaches „Das war Spitze“ für die Rodinger Staffel. Dann hatten die Mannschaftssprecher das Wort. Jakob Neufeld für den SV Obrigheim sagte: „Ich liebe solche Wettkämpfe wie heute, bei denen Stimmung und Spannung drin sind. Schön war es wieder in Roding.“ Die Obrigheimer konnten nicht mit der stärksten Mannschaft antreten und hätten eine Niederlage befürchtet, machte der den Rodingern ein Kompliment für „diesen super spannenden Wettkampf.“

Rodings Sprecher Simon Brandhuber sagte: „Ich hätte mir zum Saisonbeginn nie träumen lassen, dass wir den Deutschen Vizemeister hier schlagen. Aber Kompliment an die Zuschauer, ihr habt eine Stimmung gezaubert wie seit Jahren nicht mehr, das hat uns alle beflügelt.“

Auch Bundestrainer David Kurch war angetan:. „Der Wettkampf war eine tolle Werbung für das Gewichtheben. Spannender Wettkampf, tolle Fans, beste Stimmung – so soll Gewichtheben immer sein“.

Abteilungsleiter Matthias Hecht fügte an: „Schade um den Punkt beim Reißen, aber unser Kampfgeist beim Stoßen wurde belohnt, Respekt an das Team. Das ist ein guter Antrieb für die restlichen Wettkämpfe.“

Bundesliga in Zahlen

Einzelergebnisse: Simon Brandhuber, 68,5 kg Körpergewicht, 140 kg Reißen und 168 kg Stoßen = 178 Relativpunkte; Gregor Nowara, 92,6 kg, 150 kg + 190 kg = 154,8 Relativpunkte; Petr Stransky, 76,5 kg, 125 kg + 154 kg = 128 Relativpunkte; Hans Brandhuber, 86,3 kg, 132 kg + 166 kg = 125,4 Relativpunkte; Annabell Jahn, 61,2 kg, 73 kg + 89 kg = 107 Relativpunkte; Annika Pilz, 54,9 kg, nur Reißen 66 kg = 46,5 Relativpunkte; Hermann Voit, 80,2 kg, nur Stoßen 150 kg = 69,8 Relativpunkte

Begegnungen am Samstag: KSV Durlach – AC Weinheim 577,5:500,4; Punkte 3:0; AC Mutterstadt – Chemnitzer AC 780,7:429,0; Punkte 3:0; AV Speyer – SSV Samswegen 822,8:823,6; Punkte 1:2 ( Jiri Orsag sicherte mit 235 kg Stoßen Samswegen den Sieg); TB 03 Roding – SV Germania Obrigheim 809,5:793,4 Punkte; 2:1

Tabelle nach dem 5. Kampftag: 1. SV Samswegen 14:1 Punkte, 869,4 BL; 2. SV Obrigheim 10:5 Punkte, 885,0 BL; 3. AV Speyer 8:4 Punkte, 834,0 BL; 4. AC Mutterstadt 8:4 Punkte, 843,8 BL; 5. KSV Durlach 8:7 Punkte, 823,7 BL; 6. TB 03 Roding 7:5 Punkte, 811,1 BL; 7. Chemnitzer AC 6:9 Punkte, 784,2 BL; 8. TSC Berlin 2:13, Punkte 774,2 BL; 9. AC Weinheim 0:5 Punkte, 607,6 BL (rhe)

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